Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Erfolge  Konrads  III.  37

geheuern  Mehrzahl  der  Fürsten  jetzt  eine  unanfechtbar  rechtmäßige  geworden
war.  Ja,  schon  hatte  sich  in  Bamberg  auch  einer  der  nichtdeutschen  Reichsvasallen
  eingefunden,  Herzog  Sobieslaw  von  Böhmen.  Dieser,  der  alte  Feind
und  Besieger  Lothars"),  erschien  jetzt  mit  allen  seinen  Großen  huldigend  vor
dessen  Nachfolger,  um  seinem  Sohn  Wladislaw  durch  königliche  Belehnung
die  Krone  Böhmens  zu  sichern.  Mit  Zuvorkommenheit  und  Gnade  nahm  der
erfreute  Konrad  den  stolzen  Lehnsmann  auf,  und  gerne  willfahrte  er  dessen
Begehren.  In  Gegenwart  des  Vaters  belehnte  er  den  jungen  Wladislaw  mit
der  herzoglichen  Fahne,  und  die  böhmischen  Großen  mußten  die  Anerkennung
des  Thronfolgers  vor  dem  Könige  feierlichst  beschwören""“).  —  Ebenfalls
wurde  dann  Erzbischof  Adalbert  II.  definitiv  auf  dem  Erzstuhle  von  Mainz
bestätigt  und  von  Otto  von  Bamberg  zum  Bischofe  geweiht?“.).  Auch  dieses  29.  Mai
wichtige  Fürstentum  war  in  königsfreundliche  Hände  übergegangen.

Die  Macht  der  Staufer  stieg  also  in  schneller  Erhebung,  und  dieses  Geschlecht,
  das  vor  erst  drei  Jahren  —  auch  zu  Bamberg  —  demütig  zu  den
Füßen  Lothars  und  der  Welfen  gekniet  hattef),  war  jetzt  in  königlichem  Ansehemn
  über  alle  deutsche  Fürsten  erhöht.  Der  Gegensatz  von  einst  und  jetzt,
von  den  ehemaligen  glänzenden  Hoffnungen  und  deren  gegenwärtiger  gänzlicher
  Vereitelung  mußte  das  stolze  und  ehrgeizige  Herz  Heinrichs  von
Bayern  tief  kränken.  Er  hatte  sich  nicht  überwinden  können,  zu  Bamberg  sich
vor  den  Staufern  zu  beugen;  in  düsterem  Trotze  hielt  er  sich  mit  seinen  Anhängern
  unter  den  bayrischen  Fürstenff)  von  den  Reichstagen  fern  und  gab
auch  die  in  seinem  Besitze  befindlichen  Abzeichen  der  Königswürde  nicht  herausfs#f).—
  Eine  solche  Widersetzlichkeit  durfte  der  König  nicht  dulden;  und  er
fühlte  sich  kräftig  genug,  um  ihr  nötigenfalls  mit  Gewalt  zu  begegnen.  In  sehr
strengen  Ausdrücken  forderte  er  die  in  Bamberg  nicht  erschienenen  bayrischen
Großen,  darunter  auch  den  Herzog,  auf,  sich  an  dem,  Ende  Juni  zu  haltenden
Hoftage  zu  Regensburg  unweigerlich  einzufindens).  Mit  Absicht  wählte  der
König  gerade  eine  Stadt  in  Bayern,  um  den  Empörern  jeden  Vorwand  des
Nichterscheinens  abzuschneiden;  auf  die  Treue  der  Regensburger  konnte  Konrad
  sich  verlassen.

Dies  natürliche  Streben  nach  allseitiger  Besitzuahme  der  Königsrechte  von
der  einen,  der  finstere  Trotz  gekränkten  Ehrgeizes  von  der  anderen  Seite,  die
tiefe  gegenseitige  Feindschaft  von  beiden  Teilen  hatten  indessen  den  Konflikt

)  S.  22.

Can.  Wiss.  Cont.  Cosmae,  l.  c.

5  7.4  An.  S.  Disib.  l.  c.

7  S

)  allen  Erzbischof  Konrad  von  Salzburg,  Vita  Conr.  archep.  Sizbg.,  p.  66;
der  Abt  von  Tegernsee,  Monumenta  Boica  VI,  p.  167  ff.

ff410  Otto  Fris.,  Chr.  VII,  23.  —  An.  S.  Disib.  .o.  —  Can.  Wiss.  Cont.  Cosmae  l.  c.
1—  Visf  des  Königs  an  den  Abt  von  Tegernsee  ist  uns  noch  erhalten,  s.  Anmerk.  1#.
—  Die  Aufforderung  an  Heinrich  erwähnt  Otto  Frising.,  Chr.  l.  ö.  (bgl.  An.  S.  Disib.
l.  c.).  —  Daß  auch  der  Erzbischof  von  Salzburg  aufgssördert  wurds  ergibt  sich  aus
seinem  Erscheinen  in  Regensburg,  s.  unten.