Full text : Unser Preußen.

2.  Die  innere  Festigung  durch  Kaiser  Friedrich  III.  und  Kaiser  Wilhelm  II.  339

Kavalleristen  und  reitenden  Feldartilleristen  drei  Jahre,  die  übrigen  zwei  Jahre
(die  Einjährig-Freiwilligen  ein  Jahr)  bei  der  Fahne,  die  übrige  Zeit  in  der
Reserve.  Dann  treten  alle  zur  Landwehr  über  und  bleiben  in  der  Landwehr
  ersten  Aufgebots  fünf  Jahre  (die  Kavalleristen  und  reitenden  Artilleristen
drei  Jahre),  die  übrige  Zeit  bis  zum  vollendeten  neununddreißigsten  Lebensjahre
  in  der  Landwehr  zweiten  Aufgebots.  Die  Seesoldaten  und  Matrosen
dienen  drei  Jahre  aktiv,  vier  Jahre  in  der  Reserve,  fünf  Jahre  in  der  Seewehr
  ersten  und  bis  zum  neununddreißigsten  Lebensjahre  in  der  Seewehr
zweiten  Aufgebots.  Der  Landsturm  umfaßt  alle  Wehrpflichtigen  vom  siebzehnten
  bis  fünfundvierzigsten  Lebensjahre,  welche  nicht  dem  Landheer  oder
der  Marine  angehören.  Das  Deutsche  Heer  wird  in  dreiundzwanzig  Armeekorps
  geteilt.  Preuß  en  stellt:  das  Gardekorps,  das  erste  (Ostpreußen),  zweite
(Pommern),  dritte  (Brandenburg),  vierte  (Sachsen),  fünfte  (Posen),  sechste
(Schlesien),  siebente  (Westfalen),  achte  (Rheinland),  neunte  (Schleswig-Holstein),
zehnte  (Hannover),  elfte  und  achtzehnte  (Hessen-Nassau)  und  siebzehnte  (Westpreußen).
  Sachsen  stellt  das  zwölfte  und  neunzehnte,  Württemberg  das  dreizehnte,
  Baden  das  vierzehnte,  Elsaß-Lothringen  das  fünfzehnte  und  sechzehnte,
Bayern  das  erste,  zweite  und  dritte  bayrische  Korps.  Mit  peinlicher  Gewissenhaftigkeit
  wacht  der  Kaiser  darüber,  daß  das  deutsche  Heer  in  bezug  auf
Ausrüstung,  Ausbildung  und  Zucht  von  keinem  Heere  der  Welt  übertroffen
wird,  daß  alle  verwendbaren  Erfindungen,  wie  Schnellfeuergeschütze,  rauchloses
Pulver,  Fahrräder,  Luftballon,  Brieftauben,  Scheinwerfer,  Motore,  Telegraphie
ohne  Draht,  dem  Heere  zugute  kommen.

Eine  noch  weit  größere  Förderung  hat  die  Marine')  durch  den  Kaiser
erfahren.  Er  ist  ein  großer  Freund  des  Wassers,  eine  Seefahrt  ist  ihm  die
liebste  Erholung;  noch  niemals  hat  ein  deutscher  Fürst  so  viel  Verständnis
für  den  Segen  einer  tüchtigen  Kriegs=  und  Handelsflotte  bewiesen  wie  unser
Kaiser.  Getreu  seinem  Worte:  „Der  Dreizack  gehört  in  unsere  Faust“  sucht
er  das  Interesse  für  die  Marine  in  immer  weitere  Kreise  zu  tragen  durch
Teilnahme  an  Segelwettfahrten,  Gewährung  von  Preisen  für  Sieger  im
Rudern;  er  wohnt  dem  Stapellauf  unserer  Kriegsschiffe  sowie  der  großen
Handelsschiffe  gewöhnlich  bei  und  weilt  gern  und  häufig  in  Kiel  und  Wilhelmshaven,
  in  Hamburg  und  Bremen;  nie  läßt  er  eine  hervorragende  That  unserer
Seeleute  unbelohnt.  Als  unsere  junge  Flotte  in  einem  Orkan  vor  Samoa
drei  Schiffe,  Adler,  Eber  und  Olga,  verlor,  rief  der  Kaiser  den  dabei  umgekommenen
  Seeleuten  ins  Grab  nach:  „Auch  sie  starben  den  Tod  für  Kaiser
und  Reish!  Nicht  ertrunken  sind  unsere  Kameraden,  sondern  gefallen,  ihre
Pflicht  bis  zum  letzten  Augenblick  erfüllend.“  Welcher  Geist  aber  auch  in
unserer  Marine  lebt,  zeigt  der  Untergang  des  Kanonenbootes  „Iltis“  an

 

 

*)  Von  der.  Entwickelung  der  deutschen  Flotte  handelt:  Unsere  deutsche
Flotte  von  der  Flagge  des  großen  Brandenburgers  bis  zur  Schwarz-Weiß-Roten.
Kriegs=  und  kulturgeschichtliche  Bilder  von  Oskar  Höcker.  Mit  vielen  Abbildungen
von  A.  v.  Rößler.  Leipzig,  Ferd.  Hirt  &  Sohn.  In  2  selbständigen  Bänden.  I.  Der
Schiffsjunge  des.  Großen  Kurfürsten.  Eine  Erzählung  aus  dem  17.  Jahrhundert.
  3.  Auflage.  II.  Der  Seekadett  von  Helgoland.  Eine  Erzählung
aus  unseren  Tagen.  3.  Auflage.

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