Lerwsızens Tod. 913
Keiner seiner letzten grossen Pläne hatte sich verwirklicht —
der eine war dem anderen hinderlich geworden‘. Was er gebaut
hatte, schien zusammenzubrechen: in tiefer Vereinsamung ist er
gestorben, vom hannoverschen Hofe vernachlässigt”. Aber was er
im Reiche des Gedankens geschaffen hat, ist unvergänglich geblieben,
und darüber hinaus — fast alle seine grossen Projecte
sind doch im Laufe der Zeiten allmählich verwirklicht worden. Er
hat nicht nur Saaten in die Zukunft gestreut, sondern er hat auch
der wissenschaftlichen Arbeit der Zukunft die Forın gegeben und ihr
das Haus gebaut. Seine verfrühte Schöpfung, die Berliner Societät,
die erste Gesammtakademie Europas, schien dem Untergange nahe,
als er starb; aber er hat niemals daran gedacht, ihr die Auflösung
anzurathen: er hoffte. in der Gewissheit, die richtige Form geschaffen
zu haben, auf bessere Zeiten und tüchtigere Männer.
Niemand hat ihm in Berlin eine Gedächtnissrede gehalten’;
auch in London schwieg man — in dem Streit mit NewTox stand
die Royal Society parteiisch auf Seiten ihres einheimischen Mitgliedes
gegen ihr vornehmstes auswärtiges. Nur die Pariser Akademie
ehrte am 13.November 1717 den grossen Todten durch die würdigste
Lobrede. FOoxTExeLLe hat sie gehalten‘.
! Kropp, Werke. ır. Bd. S.XXXVIH sucht zu zeigen, dass LEIıBxız wenige
Tage nach seinem Tode wirklich zwischen der Stellung eines Historiographen in
London und einem hervorragenden Amt anmı Hofe Carr's VI. in Wien zu wählen
gehabt hätte, dass man dagegen in Berlin die Undankbarkeit gegen ihn bis zur moralischen
Alisshandlung getrieben habe. Sicher war keine jener beiden Aussichten. und
in Hannover war man Leıexız nicht dankbarer als in Berlin; man hat ihn dort nochı
viel schlinnner behandelt. Das hat Dorsxer (»Leinxizens Briefwechsel ınit dem Minister
vox BERNSTORFF« 1882) gezeigt. An seinem Leichenbegängniss nahm Niemand Theil.
?2 Nach dem Tode der Kurfürstin SopkırE traten die Herzogin von Orleans,
Erisapern CuarLorrE. und die Prinzessin von Wales, Carorıxe. gleichsam in die
Correspondenz ein (s. BovEnanN 1. d. Ztschr. d. hist. Vereins f. Niedersachsen 183}
S. 1-66 und Kropp. Werke. ıı. Bd. 1884): denn mit geistvollen Prinzessinnen Anıstausch
zu ptlegen. war Leisxız ein Bedürfniss. Unter den männlichen Gliedern des
Hauses Hannover stand er Nieınandem nahe. Seine Erholung suchte er, der Unverheirathete.
in Kinderfesten, die er gerne gab. Auch hier tritt die Heiterkeit
seines Gemüths hervor, das Freude stiften wollte.
3 Erst im Jahre 1785 trugen Alüchter und M. Mexperssonx dem Könige
den Plan vor, Leiexız (zusammen mit Surzer und LAansBerr) eine Denksäule mit
Medaillons zu errichten. Der König billigte den Plan am 24. April (s. (Evvr.T. 27 3.
S. 237) und bestimmte den Opernplatz für die Aufstellung; allein unbekannte Umstände
verhinderten die Ausführung.
* Siehe Hist. dır Renouvellement de l’Acad. Royale des sciences etc. T. Il
(Amsterdam 1720) p. 274—333. P.275 liest man die berühmte Charakteristik: »Une
lecture universelle et tres assidne. jointe a un grand genie naturel. le fit devenir
tout ce yuil avait lu: pareil en quelque sorte aux aneiens qui avaient lladresse