260 Die Republikaner in den Kortes.
Ministerium unter der Präsidentschaft des mit Sagasta befreundeten
Admirals Malcampo gebildet. Aber die nämlichen Parteien, welche
Serrano und Zorilla gestürzt hatten, verbanden sich nun mit Zorilla,
um Malcampo zu stürzen. Dieser wußte sich zuletzt nicht anders
zu helfen, als daß er die Kortes am 18. November bis zum
8. Januar vertagte. Damit war die Gefahr nur hinausgeschoben,
nicht beseitigt. Malcampo hatte keine Lust mehr, vor die Kortes
zu treten und gab am 19. Dezember seine Entlassung. Am 20. Dezember
bildete Sagasta ein neues Kabinet aus seinen Anhängern;
der liberalen Union gehörte der Colonialminister Admiral Topete an.
Niemand versprach diesem Kabinet eine lange Dauer; denn es besaß
nicht die Mehrheit in der Kammer und lebte, wie die anderen Kabinette,
nur von der Gnade und dem Belieben der antidynastischen Parteien,
welche, sobald sie einen neuen Plan hatten, bei irgend einer
Abstimmung zur Opposition hielten und so das Kabinet zu Fall
brachten. Spanien trieb einer neuen Katastrophe zu.
In den Kortes kamen ganz unglaubliche Reden und Scenen
vor. In der Sitzung vom 20. April kündigte der Republikaner
Castelar der savoyischen Dynastie unversöhnliche Feindschaft an und
sprach von den armen obscuren Hungerleidern, den Herzogen von
Savoyen, welche als Hellebardiere, als Leibwache dem Triumphwagen
Karls V. und Philipps II. von Spanien gefolgt seien und
nun eine Dynastie in Spanien gründen wollten. Die Republikaner
stellten in der Sitzung vom 22. Mai den Antrag auf Herstellung
der Republik. Darauf verlangten die Karlisten die Annullirung der
Wahl des Königs Amadeus und die Anerkennung der Rechte des
Don Karlos. Darüber entstand ein ungeheurer Tumult, während
dessen die Karlisten sich aus dem Saale zurückzogen, um kurz darauf
wieder zu kommen. Um solche Anträge unmöglich zu machen,
setzte die Regierung am 8. Juni eine Revision der Geschäftsordnung
durch. Während bisher ein Antrag in den Kortes eingebracht
werden konnte, wenn von den 7 Sektionen auch nur eine ihn guthieß,
mußte er jetzt, um eingebracht zu werden, die Billigung von
4 Sektionen erhalten haben. Bei der Adreßberathung sprach Castelar
von den Tyrannen Deutschlands, welche eine große Militärmacht
gebildet hätten, über Frankreich hergefallen seien, Land, Leute und
Geld ihm entrissen hätten und eine Gefahr für alle Nationen, große
und kleine, seien. Spanien solle diese Eroberungen nicht anerkennen