Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

Schlachten  von  Kigny  und  Waterloo.  343

lich  wieder  beijammen.  Sie  waren  nicht  entmutigt,  Jowenig  als
die  Führer:  auf  Wellingtons  Anfrage,  ob  er  auf  preußische  Hilfe
zählen  fünne,  wenn  er  am  18.  die  Schlacht  annehme,  antwortete
Blücher  am  17.,  daß  er  mit  feinem  SHeere  zur  Stelle  jein  werde.
Man  wirft  Napoleon  vor,  daß  er  den  17.  wenig  benübt  habe:  er  ent-Sandte
  feinen  Marichall  Grouchy  mit  zweiunddreißigtaufend  Mann
zu  Spät,  erjt  am  Mittag,  zur  Verfolgung  de3  preußiichen  Heeres,
das  er  gänzlich  geichlagen  glaubte,  und  die  Verfolgenden  fuchten
e3  auf  der  falichen  Straße,  die  in  öftlicher  Richtung  nad)  Namur
und  dem  NAhein  zu  führte,  und  verloren  damit  die  Zeit.  Blücher
aber  hatte  die  nördliche  Straße  nach  Warre  eingeichlagen,  um
die  Fühlung  mit  Wellington  nicht  zu  verlieren.  Am  18.  hatte
diefer  eine  feite  Stellung  auf  einem  Höhenrüden  bei  Mont  St.
Sean  zur  Dedung  von  Brüjfel  inne  Auch  diesmal  zügerte  Napoleon
  zu  lange  und  begann  erjt  gegen  zwölf  Uhr  den  Angriff.
Er  erfolgte  in  zwei  großen  Stürmen  auf  die  englische  Stellung
und  in  zahlreichen  Wechjelfällen  heftigen  Angriffs  von  jeiten  der
Stanzojen  und  Taltblütiger  Verteidigung  von  feiten  der  Engländer
ging  der  Nachmittag  hin.  Die  Uhr  in  der  Hand  hörte  man  Wellington
  jagen:  „Blücher  oder  die  Nacht“.  Blücher  war  am  Morgen  mit
jeinem  Heere,  dem  die  äußerfte  Marfchleiftung  zugemutet  wurde,
von  Wapre  aufgebrochen  und  jebt,  gegen  fünf  Uhr,  nahe  herangekommen;
  fein  Marjch  wurde  durch  den  infolge  des  Negen3  aufgewweichten
  Boden  zwar  gehemmt,  aber  nicht  verhindert;  um  fechs  Uhr
waren  jchon  achtundvierzig  preußiiche  Geichüge  im  Feuer  und  um
dDa3  Dorf  Plancenoit  im  Rüden  des  rechten  Flügel3  von  Napoleons
Stellung  wurde  heftig  gefämpft,  während  Napoleon  die  Stellung
Wellingtons  noch  immer  ohne  Erfolg  beftürmte.  E3  war  für  ihn  die
Kotwendigfeit  gegeben,  die  Schlacht  abzubrechen  und  den  Nücdzug
anzutreten,  ehe  PBlancenoit  dauernd  in  den  Händen  der  Preußen
war:  er  aber  jete  feine  legten  Kräfte  ein,  daS  feindliche  Jentrum
zu  durchbrechen,  um  den  Sieg  zu  erzwingen.  Gegen  acht  Uhr,
nachdem  eben  die  verzweifelte  Auftrengung  der  Garde  Napoleons
an  der  zähen  Verteidigung  zerichellt  und  der  legte  Sturm  ab-