Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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selbst  mit  Kränkung  der  Rechte  der  übrigen  Städte  ihre  Eristenz
  glänzender  und  gesicherter  zu  machen  suchte.  Die  Stadt
und  Aemter  mußten  eigene  Häuser  zu  Ludwigsburg  bauen,
damit  der  Ort  bald  zur  Stadt  werden  mochte,  und  die  gebauten
  Häuser  verschenkte  der  Herzog  an  seine  Räthe  und
Hofleute,  welche  ihm  sonst  unmöglich  in  seine  neue  Residenz
hänen  folgen  können.  In  den  täglichsten  Canzleigeschäfren
zeigte  sich  eine  große  Verwirrung,  weil  Archiv  und  Registraturen
  zu  Stuttgart  hatten  bleiben  müssen,  und  die  Räthe
in  Ludwigsburg  waren.  Alles  seufzte  über  einen  Zustand,
der  nicht  einmal  durch  seine  Fortdauer  erträglich  wurde,  weil
die  Herrschsucht  und  Habsucht  der  Maitresse  mit  den  Jahren
noch  siieg,  die  Schulden  der  herzoglichen  Kammer  unerschwinglich
  wurden,  unglücklicherweise  mit  einemmal  alles
zusammentraf,  was  schon  einzeln  den  Finanzen  des  Herzogs
hätte  verderblich  seyn  müssen.  Auf  die  Parforcejagd  wurden
ausserordentliche  Summen  verwandt,  der  Marstall  war  erschöpfend
  kosibar,  die  Hofhaltung  verschwenderisch,  das  Soldatenwesen
  zahlreich  und  prächtig,  alle  Einkünfte  wurden  anticipirt.
  Selbsi  die  eigenen  Creaturen  der  Maitresse  wurden
endlich  ungedultig,  alle  ihre  Finanzkünste  vergeblich  erschöpft
zu  sehen,  die  Habsucht  eines  Weibes  nicht  sättigen  zu  können,
  die  längst  alles  verloren  hatte,  was  sonst  den  Befehl
aus  einem  weiblichen  Munde  anmuthig  machen  konnte.

Das  Cousistorium  zu.  Stuttgart  machte  dem  Herzog
wiederholte  Vorstellungen,  und  legte  es  ohne  alle  Hofkunst
seinem  Gewissen  recht  nahe,  ob  er  es  wohl  wagen  wollte,  in
diese  Verbindung  verflochten  das  heilige  Abendmahl  zu  genießen.
  Die  Maitresse  selbst  wurde  wirklich  als  ercommunicirt
  behandelt,  und  die  Antwort  war  in  der  That  passend,
welche  ihr  einst  Prälat  Osiander  gab,  da  sic  in  das  bffent-