376 Krankhafte Zustände des Säuglings.
Sein Herzschlag vermindert sich von etwa 130 Schlägen bis auf 100 und noch
weniger, und die Atmung will nach erfolgter Geburt nicht eintreten. Ohne Bewegung
liegt es da, entweder von bläulichem, aufgedunsenem Aussehen, oder blaß
und schlaff, die Nabelschnur noch schwach pulsierend. Man schneidet die
Nabelschnur dann durch, läßt ein paar Tropfen Blut abfließen, bespritzt das
Kind mit ganz kaltem Wasser, klopft es auf den Rücken und macht die
Schultzeschen Schwingungen mit ihm nach Fig. 215 bis 217. Vorher jedoch
reinigt man mit gekrümmtem kleinen Finger Mund und Rachen, wo sich oft
große Schleimmassen vorfinden, und wenn diese Reinigung nicht genügt, führt
man ein Röhrchen ein und sangt an. Dadurch werden die Luftwege freigelegt
und das Kind kann atmen. (Alle diese Anwendungen muß die Hebamme
ausführen.)
Bei den Schwingungen wird der Brustkasten abwechselnd ausgedehnt und
zusammengedrückt und werden dadurch günstige Bedingungen zum Atmen geschaffen.
Da das Kind dabei aber sehr viel Wärme verliert, bringt man es
auch in ein warmes Bad von 38° C., damit es sich wieder erwärme. Bei
schwachem Herzschlag nimmt man die Schwingungen immer wieder auf und
gibt dazwischen dem Kind im warmen Bad eine Spritze sehr kalten Wassers
auf die Brust, worauf oft schnappende Bewegungen eintreten, welche die Atmung
einleiten. Bevor es nicht kräftig zu schreien beginnt und der Herzschlag nicht
befriedigend ist, darf man mit den Wiederbelebungsversuchen nicht aufhören.
Sie werden oft glänzend belohnt. Ausreichende Erwärmung ist stets mit Sorgfalt
zu erstreben, sonst verfällt das Kind immer wieder in den benommenen
Zustand und ist schließlich nicht mehr zu erwecken.
Die angeführten Hautreize sind beim bläulichen Scheintod anzuwenden
und führen fast immer zum Ziele, da er bei voller Muskelspannung
und gutem Puls die leichtere Art des Scheintodes darstellt. Die Schwingungen,
auch vorsichtiges Lufteinblasen mit einem Kehlkopf-Katheter, sind stärkere
Anwendungen, welche nur bei dem höheren Grade des Scheintodes, der
schlaffen und blassen Form, in Betracht kommen.
Die Kopfgeschwulst. Durch den Druck, den der kindliche Kopf zwischen
harten Teilen der Mutter zu ertragen hat, sammelt sich unter der Kopfhaut
Blutwasser oder Blut, und das Kind kommt oft mit bedeutender Kopfgeschwulst
zur Welt. Diese sitzt meist auf einem Scheitelbein, oft auch auf dem Hinterhauptbein.
Die Geschwulst ist bis hühnereigroß, bläulich verfärbt, schwammig und
verschwindet in den ersten Tagen von selbst. Will man ihre Aufsangung beschleunigen,
dann binde man feuchtwarme Kompressen auf das Köpfchen. Fig. 196
zeigt uus ein normales Köpfchen und Fig. 195 eines mit der Kopfgeschwulst
an der Vereinigungsstelle der beiden Seitenwandbeine, so daß ein Spitzkopf
entsteht. Der normale Umfang des kindlichen Kopfes beträgt 34 Zentimeter.
Die Fontanellen. Die Stellen, wo mehrere Schädelknochen zusammentreffen,
ohne die Schädelhöhle ganz zu verschließen, nennt man Fontanellen, weil