Metadaten : Hauptregister der Preußischen Gesetzsammlung. 1884-1913. (8)

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Die  weiße  Bevölkerung  im  Bereiche  der  Okkupationstruppen
  wurde  aufs  äußerste  drangsaliert.
Es  ist  fraglos,  daß  man  auch  von  gewaltsamen
Akten  gegen  Personen  und  Eigentum  nicht  zurückgeschreckt
  wäre,  um  sie  gefügig  zu  machen.
Die  Kopfzahl  der  Weißen  in  der  bewaffneten
Macht  war  aber  gänzlich  unzureichend  für  den
Erkundungsdienst.  Die  Truppe  war  einfach  auf
Mitteilungen  aus  dem  Kreise  der  weißen  Angesessenen
  angewiesen.

Für  den  Nachmittag  des  17.  September
hatten  die  britischen  Militärbehörden  den
Missionen  und  den  Pflanzungsgesellschaften
  eine  Beschießung  des  Hinterlandes
  von  Toma  angesagt.  Die  Beschießung
  sollte  mit  Lyditgranaten  erfolgen.  Zu
dem  Zwecke  begab  sich  ein  Kreuzer  nach  dem
Weberhafen.  Von  der  Rabauler  und  Herbertshöher

  Seite  sollten  die  anderen  australischen

Kreuzer  und  der  „Montcalm“  die  Beschießung
ausführen.  Ein  gewisser  Kapitän  Straßburg,
welcher  die  Gegend  aus  jahrelangem  Aufenthalt
  genau  kannte,  war  auf  allen
britischen  Schiffen  gewesen  und  hatte  die
auf  den  Karten  verzeichneten  Merkmale
in  der  Natur  gezeigt.

Welchen  Erfolg  das  Bombardement  gehabt
haben  würde,  vermag  ich  mangels  fachmännischer
Kenntnisse  nicht  auszuführen.  Sicher  ist  indes,
daß  es  auf  die  Eingeborenen  in  der  Taulil-=Niederung
  eine  demoralisierende  Wirkung  ausgeübt
  haben  würde.  Und  sicher  ist,  daß  die
übrig  gebliebenen  110,  meist  kaum  ausgebildeten
Polizeimannschaften  nicht  hätten  zusammengehalten
werden  können.  Unter  den  weißen  Angehörigen
der  bewaffneten  Macht  befand  sich  eine  Anzahl

außerordentlich  mutiger  und  unternehmungslustiger
  Personen.  Aber  fast  ein  Drittel  war
krank.

Es  war  also  keine  Ehre  zu  holen,  wenn

ich  es  auf  einen  energischen
britischen  Okkupationstruppen  und  der  australischen
  und  französischen  Flotte  ankommen  ließ.
Ein  tatsächlicher  militärischer  Erfolg  war
gleichfalls  gänzlich  ausgeschlossen.  Wir  wären
kurzerhand  aufgehoben  worden,  und  ich  hätte  keine
Gelegenheit  mehr  gehabt,  durch  Verhandlungen
für  den  Schutz  der  deutschen  wirtschaftlichen
Interessen  im  Schutzgebiet  zu  wirken.  Auf  dem
dritten  Platz  hätten  wir  vielleicht,  wenn  der  Rest
der  Truppe  nicht  abgeschnitten  wurde,  noch  einen
oder  zwei  Tage  gewinnen  können.  Es  lag  mir
auch  viel  daran,  noch  ein  Funkentelegramm  von  der
Hilfsfunkenstation  auf  den  zweiten  Platz,  die  in  der
Nacht  des  16.  September  abgestimmt  werden  sollte,
abzulassen.  Aber  der  Empfangsapparat  war  unvollkommen
  und  wir  hatten  überhaupt  keinen

Vorstoß  der

 

Detektor.  Das  Geben  von  Telegrammen  allein
hatte  für  uns  keinen  Zweck.  Und  übrigens  hätten
wir  S.  M.  Schiffen  außer  dem  bereits  mitgeteilten
Angriff  der  australischen  Flotte  keine  neuen  Details
  melden  können,  da  die  Einwirkung  der
britischen  Okkupationstruppen  auf  das  Vorland
uns  im  Hinterlande  jeder  zuverlässigen  Nachricht
beraubte.

Erwogen  wurde  auch,  ob  ich  mich  mit  einigen
wenigen  Personen  unter  der  Führung  des  inzwischen
  wieder  gesundeten  Stationsleiters  Adelmann
  in  das  Innere  des  Baining-Gebirges  begeben
  sollte.  Das  wäre  aber  Flucht  gewesen
und  hätte  auf  den  tatsächlichen  Gang  der  Ereignisse
  keinen  Einfluß  gehabt.  Auch  hätten  wir
mit  Widersetzlichkeiten  der  Eingeborenen,  von  deren
Lebensmitteln  wir  abhingen,  rechnen  müssen.  Ob
wir  überdies  den  Aufenthalt  im  Gebirge  gesundheitlich
  lange  ausgehalten  hätten,  mag  dahingestellt
bleiben.

Schließlich  darf  nicht  übersehen  werden,  daß
das  Schutzgebiet  nur  so  lange  einen  Wert  als
Stützpunkt  für  S.  M.  Schiffe  hatte,  als  wir  über
eine  gebrauchsfähige  Funkenstation  verfügten,  und
daß  im  übrigen  die  endgültige  Entscheidung  über
die  Souveränität  unabhängig  von  unserer  schwachen
Reaktion  gegenüber  der  tatsächlich  bereits  durchgeführten
  militärischen  Besetzung  von  der  Kriegslage
  in  der  Heimat  abhängig  blieb.

So  entschloß  ich  mich  nach  einem  nochmaligen
Besuche  bei  der  bewaffneten  Macht,  welche  zu
der  Zeit  in  Wunadidir  stand,  am  17.  September  zur
Fortsetzung  der  Verhandlungen  zu  reiten.
Der  Rittmeister  von  Klewitz  begleitete  mich.
Mehrere  Stunden  mußten  wir  auf  die  Ankunft  des
britischen  Oberkommandierenden,  welcher  gegen
schweren  Wind  von  Rabaul  kam,  warten,  so  daß
ich  bereits  vermutete,  man  wolle  britischerseits
an  dem  Ergebnis  der  Vorbesprechungen  nicht
mehr  festhalten.  Es  gelang  mir  indes  bei  den
weiteren  Verhandlungen  noch  eine  Reihe  von
Addendis  durchzusetzen.  Dann  wurden  die  in
UÜbersetzung  anliegenden  „Terms  of  capitulation
of  German  New  Guine“  unterzeichnet  (s.  Anhang).

Auf  dem  Dampfer  „Siar“  der  Neu  Guinea  Co.,
welcher  am  27.  August  mit  dem  Administrator
Täuffert  an  Bord  Rabaul  in  der  Richtung  auf
Holländisch-Neuguinea  verließ,  hatte  ich  dem
Bezirksamt  zu  Friedrich-Wilhelmshafen  Weisung
gesandt,  in  meinem  Namen  zwölf  im  Busch  gewandte,
  infanteristisch  ausgebildete  Personen  des
Beurlaubtenstandes,  tunlichst  Chargen,  zur  bewaffneten
  Machteinzuberufen  und  alsbald,  eventuell
mit  dem  Regierungsdampfer  „Kolonialgesellschaft“,
nach  der  Gazelle-Halbinsel  zu  entsenden.  Am
20.  September  abends  spät  erhielt  ich  in  Wunadidir
  eine  Nachricht,  daß  der  Leutnant  d.  R.