Die Kämpfe, welche im letzten Monat des Jahres 1914 an zahlrelchen
Teilen der Westfront Angreifer und Verteidiger in Atem gehalten und an den
Brennpunkten zu heftigen örtlichen Gefechten widerelnander geworfen hatten,
waren um die Zeit der ersten Kriegswelhnacht überall verflackert. Aber noch ehe
der Frühling seinen Einzug hilelt, raffte die französische Heeresleltung sich zu
einem ersten großen Gewaltsturm wider dle Befestlgungslinie auf, die der Verteidiger
quer durch Frankreichs Boden gezogen hatte.
Während dle dritte russische Offensloe die Karpathenhänge derannte, hatte
auch Joffre ein an östliche Zablbegriffe erinnerndes Massenaufgebot an Menschenkraft
zu einem tlefgestaffelten Stoß auf schmalem Raume versammelt.
Das Kamofgebiet lag im Herzen der „Champagne“. Dieser Name hat im
beutigen Frantreich nur noch die Bedeutung elner geschichtlichen Erinnerung.
Er gehörte zunächst nur der Grafschaft Champagne an, welche im früben Mittelalter
im wesentlichen die Oberläufe der Aiene, Marne und Seine umfaßte.
Diese unabhängige Grafschaft fiel im Zahre 1361 an die Krone Frantkreich
und blldete späterbin mit anderen ehemals selbständigen Fürstentümern und
Landschaften, welche die kraftvolle Regierung der französischen Könige nach
und nach zum Krongeblete gezogen hatte, die altfranzssische Provinz Champagne.
Als die Revolution 1789 das ganze Land zum Zweck einbeltlicher Verwaltung
neu gliederte, war die Provrinz unter eine Anzahl der neu errichteten
Departements aufgeteilt worden. Aber mit Zähigkeit beh#elt der Sprachgebrauch
den alten Namen für das ganze Gebiet der ehemaligen Provinz bel. Für den
Deutschen verband sich ehemals mit dem Namen Champagne die Vorstellung
eines Landes, in dem der weltberühmte Champagnerwein wächst. Selt dem
Weltkriege wissen plele Hunderttausende deutscher Soldaten, daß dlese Vorstellung
nur für elnen winzigen Ceil des Bodens zutrifft, der solch unermeßllche
Ströme deutschen Blutes getrunken hat: nämlich nur für die Talhänge der
Flüsse. Der weitaus überwiegende Tell des Landee ist schwach gewellte Ebene
auf Kreidegrund, wenig fruchtbar, arm und dünn besiedelt. Gerade dle Gegenden,
welche durch die grimmigen Schlachten der Jabre 1915, 1917 und 1918 ihre
schreckliche Berühmtheit bekommen haben, gehören zu jenem unwirtlichsten
und ödesten Telle des Landee, den der Franzose selber als Champagne Poullleuse,
als Lause Champagne bezeichnet .. Inmitten dleses Jammerlandes liegt das
befestigte Lager von Chälons, Frankreichs größter Truppenübungsplatz. Der
deutsche Vormarsch hatte ihn überflutet, zurückebbend aber wieder freigegeben.
Nun lag er dicht binter den französischen Linlen und ermöglichte dem Marschall
Joffre die Zusanmmenzlehung von Truppen- und Artilleriemassen, die für damalige
Begriffe rlesig schienen. Joffre plante nichts Geringee: er stellte der
Angrlffsarmee die Aufgabe eines Durchbruches durch die deutsche Stellung
auf einem Abschnitt östlich von Relms, zwischen Sarnon am Oberlauf der Aiene
und St. Hilalre an der oberen Besle. Es war kein „rubiger“ Abschnitt. Schon den
ganzen Winter bindurch hatten hler heftige örtliche Kämpfe mit dem Zweck der
Stellungsverbesserung getobt. Nun sollte an dleser Stelle das deutsche Grabengewirr
durchbrochen und nach Vouziere durchgestoßen werden. Es war der
Gedanke des Druckes auf die Schenkel dee rlesigen Dreiecks, das die deutsche
Stellung zwischen Verdun und dem Meere bildete. Brachte man eine seiner
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