Die spanische Erbfolgefrage 121
nicht für die regierenden Häupter und ihre voraussichtlichen Nachfolger
gefordert, sondern für die Nicht-Thronfolger; Kaiser Leopold
wollte seinem zweiten Sohne Karl, Ludwig XIV. seinem zweiten Enkel,
dem Herzoge von Anjou, die Erbschaft verschaffen. Auf die Intrigen
in Madrid, die jetzt zu spielen begannen, kann hier nicht eingegangen
werden: den Sieg erfochten die Franzosen; als Karl II.
Ende 1700 endlich sein kümmerliches Leben beendete, fand sich ein
Testament vor, das den französischen Prinzen zum Erben einsetzte.
Ohne Rücksicht auf die vorhergegangenen Renunziationen, Teilungstraktate
nahm Ludwig XIV. die Erbschaft für seinen Enkel an, schon
Anfang 1701 huldigte Spanien diesem als König Philipp V.
Langsam wurde der Widerstand gegen diesen Staatsstreich organisiert,
mühsam die Frage des Reichskriegs in Fluß gebracht;
durch günstige Verträge, über deren Inhalt noch ein Wort zu reden
sein wird, waren die maßgebenden deutschen Fürstenfamilien der
Welfen, Hohenzollern, Wettiner gebunden, die kaiserliche Politik zu
unterstützen, obwohl sie kaum ein Interesse daran hatten, die Macht
der Habsburger zu mehren. Die Seemächte, von denen England
noch besonders gereizt wurde durch die törichte Unterstützung, die damals
Ludwig den entthronten Stuarts angedeihen ließ, rüsteten
ebenfalls, um Frankreichs Macht in engeren Grenzen zu halten.
Portugal wurde später noch gewonnen und so beginnt 1702 der
große Krieg gegen Ludwig XIV. und Philipp V. Glänzende Siege
haben im Verlaufe desselben die Verbündeten errungen bei Turin,
Höchstädt, Ramillies, Oudenaarden, Malplaquet, Villa-Viciosa,
und als Kaiser Leopold 1705 seine Augen schloß, da konnte er noch
die Hoffnung hegen, es würde möglich sein für Erzherzog Karl,
Karl III. von Spanien, wie er sich nannte, die ganze spanische Monarchie
zu erobern; und doch hatte sich damals durch den Verlauf
des Krieges bereits gezeigt, was dem Anjon zu entreißen sein würde
und was nicht: in Spanien hatte er festen Fust gefaßt und wußte
immer seine Hauptstadt wiederzugewinnen, mit dem Hauptlande
würden wohl auch die überseeischen Kolonien gehen; dagegen blieben
ihm die europäischen Nebenländer, Niederlande und Italien,
verloren. Energisch wurde der Krieg auch durch Leopolds Nachfolger,
Kaiser Joseph I., fortgeführt. Friedensverhandlungen setzten
voll ein; sie führten zu keinem Resultate. Da kam von England her,
durch innere Verhältnisse veranlaßt, der Umschwung. Und während
da geheime Verhandlungen geführt wurden, starb Joseph plötzlich im
besten Mannesalter an den Blattern (1711); er war ohne männliche