Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

Volkssitte.  287

Seife,  Steingutwaaren  und  insbesondere  einem  gläsernen,  mit  Bändern  und
Blumen  verzierten  Krug  einstellen.  —

Endlich  kündet  der  Abdankespruch  den  Schluß  des  hechzeitlichen  Mahles.
  Gewöhnlich  verbindet  der  Hochzeitlader,  dem  auch  das  Abdanken  obliegt,
damit  den  Schenkspruch.  Sei  es  gestattet,  hier  ein  Muster  solch  eines  Abdankespruches')
  einzuschalten,  welcher  noch  nicht  an  der  leider  sehr  überhand
genommenen  modernen  „Blässe  des  Gedankens  kränkelt".  Zu  Ammerthal
bei  Amberg  dankt  der  Hochzeitlader  also  ab:

„Ich  habe  ein  Paar  Wort  vorzubringen.  Wann  mir  Eines  sollte  neben
hin  fallen,  so  hoffe  ich,  es  wird  kein  Mensch  zugegen  sein,  der  es  mir  aufklauben
  oder  in  Uebel  nehmen  wird.

1.  Dank  sagt  der  Herr  Hochzeiter  und  die  Jungfrau  Hochzeiterin  gegen
Vater  und  Mutter,  gegen  Bruder  und  Schwester,  gegen  Schwäher  und
Schwieger,  gegen  alle  benachbarten  Freunde,  die  hier  versammelt  sind,  daß
sie  so  weiten  Weg  hergegangen  sind  und  haben  ihnen  den  christlichen  Kirchengang
  helfen  schmücken  und  zieren  und  helfen  bitten:

Erstens  um  einen  guten  Anfang,

Zweitens  um  ein  besseres  Mittel,

Drittens  um  ein  seliges  End'!
Es  sind  aber  auch  beede  Brautpersonen  dreimal  auf  öffentlicher  Kanzel  verkündigt
  worden  und  haben  ihre  Hochzeit  vollendet,  so  wie  die  Hochzeit  zu
Kana  in  Galiläa,  wo  Jesus  und  Maria  beiwohnten.  Es  ist  ihnen  dabei  aufgetragen
  worden,  es  soll  Eines  das  Andere  nicht  vergessen,  es  mag  gleich
schön  oder  wüst,  krumb  oder  lahm,  arm  oder  reich  sein,  bis  sie  der  Tod  von
einander  scheidet.

2.  Wieder  bedankt  sich  der  Herr  Wirth  gegen  die  beeden  Brautpersonen
und  gegen  allen  Hochzeitgästen,  wie  sie  da  nur  versammelt  sein,  sie  sellen  mit
seinem  schlechten  Koch  und  Kellner  vorlieb  nehmen;  wann  er  heut  oder  morgen
  wieder  eine  ausrichten  aber  kochen  will,  so  will  er's  besser  lernen  oder
besser  machen.

3.  Bedanken  sich  beede  Brautpersonen  und  alle  Hochzeitgäst  gegen  den
Herrn  Wirth;  was  das  Essen  und  Trinken  anbelangt,  da  ist  kein  Mangel
daran,  ja  es  ist  alles  wohl  berühmt  und  köstlich  gemacht  gewesen,  daß  mir
alle  genug  zu  danken  haben.

4.  Wann  sollte  viellcicht  Einer  zu  spät  zum  Essen  gekommen  sein,  so
wird  der  Herr  Hochzeiter  ein  Solches  noch  erstatten:  es  werden  noch  preberirte
  Speisen  in  der  Kuchl  sein,  eine  gebachene  Manrldorte,  oder  ein  eingemachter
  Flederwisch;  auch  im  Keller  ist  noch  Bier  und  Wein,  ist  es  kein
Wein,  so  ist  es  doch  ein  Brantwein.  Ich  heffe,  ich  werde  nicht  lügen,  es
wird  Alles  wahr  sein.  Es  wird  auch  der  Kellner  aufgewartet  haben  mit

 

1)  Aus  Schönwerth's  „Sitten  und  Sagen“  Bd.  I.  S.  102.