Full text : Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften. Erste Abteilung VIII. Band. Geld und Banken. I. Teil Das Geld. (1_8)

12.  Kapitel.  Der  Geldwert.  83.  543

die  Frage  nach  den  auf  Seite  des  Geldes  liegenden  Bestimmungsgründen
  des  Austauschverhältnisses  zwischen  dem  Gelde  und  den
übrigen  Objekten  ist  —  wie  mau  sich  stets  vor  Augen  halten  muß  —
nur  auf  Grund  der  Vorsteliung  möglich,  daß  ein  jedes  von  zwei  Verkehrsobjekten,
  die  in  irgendwelchem  quantitativen  Verhältnisse  gegeneinander
  umgesetzt  werden,  ein  bestimmtes  Quantum  von  Tauschwert
umschließe.  In  diesem  Tauschwertquantum,  das  absolut  genommen  überhaupt
  nicht  vorstellbar  ist,  denkt  man  sich  die  auf  der  Seite  des
Geldes  fir  das  Austauschverhältnis  wirksamen  Bestimmungsgründe
gewissermaßen  kondensiert.e  Aus  Gründen  der  Einfachheit  der  Terminologie
  empfiehlt  es  sich  in  der  Tat,  die  Wirkung  der  auf  der  Seite
des  Geldes  liegenden  Bestimmungsgründe  für  die  Austauschverhältnisse
zwischen  dem  Gelde  und  den  übrigen  Waren  unter  der  Bezeichnung
„innerer  Tauschwert  des  Geldes“  oder  noch  einfacher  unter  der  Bezeichnung
  „Geldwert“  zusammenzufassen.  Nur  muß  mansich  dann  die
Bedeutung  dieses  Wortes  stets  vor  Augen  halten  und  jedes  Durcheinanderwerfen
  dieses  Begriffs  mit  den  tatsächlichen  Austauschverhältnissen,
  in  denen  außer  dem  „Geldwert“  auch  der  „innere  Tauschwert“
  der  übrigen  Verkehrsobjekte  in  Erscheinung  tritt,  vermeiden.
—  Im  folgenden  soll  der  „äußere  Tauschwert  des  Geldes“  im  oben
definierten  Sinne  als  „Kaufkraft“  des  Geldes  oder  „Verkehrswert“  des
Geldes  der  „innere  Tauschwert  des  Geldes“  schlechthin  als  „Geldwert‘“
bezeichnet  werden.!)

Wenn  wir  nach  dieser  Klarstellung  des  Problems  und  der  Terminolcgie
  an  die  Frage  nach  den  auf  der  Seite  des  Geldes  wirksamen
Bestimmungsgründen  für  die  Austauschverhältnisse  herantreten,  so
bietet  sich  für  die  Lösung  dieser  Aufgabe  kein  anderer  Anknüpfungspunkt
  als  die  fundamentalen  Tatsachen,  welche  die  Voraussetzung
eines  jeden  Wertes  sind.  Aber  sofort  machen  wir  die  Beobachtung,
daß  zwischen  den  Voraussetzungen  des  Wertes  und  den  Austauschverhältnissen
  selbst  ein  einfaches  Verhältnis  nicht  besteht.  Weder  der
Grad  der  Brauchbarkeit  zweier  Güter  noch  der  Grad  der  Schwierigkeit
  ihrer  Beschaffung  gestatten  eine  unmittelbare  Ableitung  des
zwischen  den  beiden  Gütern  im  Austausche  realisierten  oder  zu  realisierenden
  Wertverhältnisses.

Allerdings  haben  wir  in  der  sogenannten  „Grenznutzentheorie“
einen  geistreichen  Versuch,  den  Verkehrswert  der  Güter  in  unmittel-1)

  Diese  schon  in  der  ersten  Auflage  gegebene  Deklaration  hätte  mich  vor
der  Kritik  8.  P.  Aıtmanns  (a.  a.  0.  S.  46)  schützen  sollen,  der  findet,  daß  meine
Ausführungen  bisweilen  an  einer  Undeutlichkeit  des  Geldbegriffes,  der  von  mir  vielfach
als  selbständige  Kategorie  behandelt  werde,  leiden,  „so  wenn  er  8.  522  (S.  581  dieser
Auflage)  von  einem  stabilen  Geldwert  trotz  Änderung  der  Preise  spricht“.