90 Zweiter Zeitraum.
Dennoch sprach er nur das Französische, die damalige Hofsprache, leicht und
geläufig; die Muttersprache hörte er nur von niederen Leuten, weshalb er
sie weder richtig zu schreiben noch zu sprechen vermochte. Im Reiten,
Schießen und Fechten that er es allen Altersgenossen zuvor; am liebsten war
er auf dem Exerzierplatze. Schon früh zeigte der Prinz Frömmigkeit,
Ordnungsliebe und Sparsamkeit; in seinem noch erhaltenen Ausgabenbuche,
„Rechnung über meine Dukaten“, steht jeder ausgegebene Pfennig verzeichnet.
Einst meinte er, das klügste Wort des ganzen Altertums sei ein Wort des
Cyrus, nämlich: „Die sichersten Mittel, einem Lande ein dauerndes Glück zu
bereiten, sind ein Heer auserwählter Krieger und eine gute Haushaltung.“
Der Prinz vermählte sich mit Sophie Dorothea, der Tochter des Kurfürsten
von Hannover, der 1714 als Georg I. König von England wurde.
Vor und nach seiner Vermählung nahm er in der Umgebung der beiden
großen Feldherren Prinz Engen und
Marlborough an dem Spanischen Erbfolgekriege
teil und war Zeuge der
blutigen Schlacht bei Malplagquet.
Gleich am Todestage seines Vaters
ließ sich Friedrich Wilhelm I. das
Verzeichnis der Hofbeamten und ihrer
Gehälter vorlegen, strich dasselbe durch
und sagte: „Hiermit sind alle entlassen;
doch bis zur Beisetzung der Leiche des
Königs bleibt alles im Dienst.“ Bei
der Leichenfeier erschien der Hof noch
einmal in dem bisherigen Gepränge;
dann richtete der junge König seinen
Heohhalt ganz einfach bürgerlich ein.
MI, Von den hundert Kammerherren behielt
Friedrich Wilhelm IE. er nur einen, die übrigen, sowie alle
» Kammerjunker, Pagen, die Schweizergarde
und die Hofkapelle wurden entlassen, die Gehälter der Hof= und
Staatsbeamten auf ein Fünftel erniedrigt, über hundert Luxuspferde, viele
feine Kutschen, Sänften, Möbel und die kostbaren Weine im Schloßkeller
wurden verkauft, aus den silbernen Leuchtern und Geschirren der Jagdschlösser
Münzen geprägt, diese Schlösser verpachtet. Der König gab dem verdienten
Danckelmann seine volle Freiheit wieder und fragte ihn oft um Rat. Von
allen Unterthanen forderte er rastlose Thätigkeit, Ordnung in den Geschäften,
Ehrbarkeit und Mäßigkeit, und er war ihnen in allem ein Muster. Alles
sah er, um alles kümmerte er sich. Eine neue Zeit brach an.
2. Die Tandesverwalkung.
Friedrich Wilhelm wollte nach seinem eigenen Worte der Finanzminister
und Feldmarschall des Königs von Preußen sein; die Mehrung
des Heeres und der Staatseinnahmen, deren er für das Heer bedurfte,
war auch seine Hauptsorge. Er wußte wohl, daß das damals noch kleine