Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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zufügen.  Sin  Gegenden,  wo  man  fich  feit  Menfchengedenfen  nicht  am
die  Naturgefchicäte  der  Thiere  befümmert  hat,  hält  man  die  KIedermäufe
  für  Speddiebe,  und  nennt  fie  Deshalb  auch  wohl  Spedmäuje.
  Diefe  Annahme  ift  aber  ganz  ungegründet  und  Dem  Rufe
der  ledermäufe  natürlich  eben  jo  [hädlih,  al  wenn  man  zu  einem
ehrlichen  Menjchen  jagt,  er  fei  ein  Dieb.  8  ereignet  fi  wohl  einmal,
  dab  fi)  eine  Fledermaus  an  einem  falten  Herbfttage  in  einen
Schornftein  begiebt,  Das  geichieht  aber  nicht  De  Spedes,  fondern
lediglich)  der  Wärme  halber,  Nicht  die  Flebermäufe,  Jondern  die
Mäufe  und  Ratten  freffen  Spef  und  Fleifch  an,  worüber  niemand  in
Bmetfel  ift,  der  fich  einmal  Die  Nagezähne  diejer  Thiere  angefehen  hat.

DBemerfenswerth  tft,  Daß  die  Flevermäufe  jelbft  in  der  größten  Finfterniß,
  ja  jogar  mit  verflebten  Augen  mit  ungemeiner  Sicherheit  fliegen,
den  im  Wege  ftehenden  Gegenftänden  gewandt  ausweichen  und  jich  in
allen  Gängen  und  Winfeln,  wohin  fie  gerathen,  zurecht  finden.  Der
Grund  diefer  Gejchielichkeit  ift  im  Bau  der  Ylughaut  und  der  großen
Dhemufheln  zu  fuhen.  Wie  diefe  namlich  von  zahlreichen  Adern  durchzogen
  werben,  fo  verlaufen  in  ihnen  auch  eine  außerordentliche  Menge
von  Nervenfäden,  wonon  man  fich  leicht  überzeugen  fan,  wenn  man
eine  außgefpannte  Flughaut  gegen  das  Licht  halt.  Die  Nerven  find
aber  eben  jo  bei  den  Thieren,  wie  bei  ung,  die  Urfache  de8  Gefühl®.
Se  mehr  Nerven  nun  auf  einer  Fläche  auögebreitet  find,  deito  feiner
wird  Dajelbft  auch  die  Wahrnehmung  dur)  das  Gefühl  fein.  Bei  der
Fledermaus  Hat  diefe  Gefühlsfeinheit  in  den  genannten  Häuten  einen  jo
hohen  Grad  erreicht,  daß  fie  im  Stande  find,  das  chwache  Abprallen
der  Luft  von  den  Körpern  und  Dadurch  diefe  felbit  wahrzunehmen.

Gegen  den  Winter  Hin  verfteden  fi  Die  Sledermäufe  tn  Dunfeln,
feuchten,  vor  Froft  gefhüßten  Orten,  häfeln  fi)  mit  den  Hinterfüßen
an  und  Balten  in  Diefer  Lage,  den  Kopf  nad  unten,  einen  Winter
iHlaf.  Man  findet  fie  in  dDiefen  Zuftande  oft  in  großer  Dienge  bei:
Sammen.  Gintretende  Wärme  welt  fie  auf,  weshalb  man  auch  zumeis
len  im  Winter  Fledermäufe  umberfliegen  fieht.

Im  Mat  befommen  fie  ein  Junges,  welches  fih  an  bie  Bruft  der
Mutter  Häfelt  und  diefen  Plak  auch  felbft  beim  Ausfliegen  nicht  eher
verläßt,  al  bi8  e8  menigftens  halbwüchlig  it.

12.  Sledermaus  und  Bogel.
FH.  Komm  doc,  du  liebes  Vögelein,
Laß  mich  deinen  Gefptelen  fein!
B.  Meinen  Gefptelen?.  Nein,  ich  Eenne  bich  nicht,
Mir  wird  fo  bange  vor  deinem  Geflcht.
Sl.  Ich  dachte  mir’8  wohl,  ich  armes  Thter,
Nicht  Mäuschen,  nicht  Vogel  will  fplelen  mit  mir.
Die  Fledermaus  faß  nun  ganz  allein,
Ste  mochte  von  niemand  gejehen  fein;
Sm  dunkelften  Winkel  blieb  fie  verftedt,
Mo  fie  den  Tag  lang  Fein  Auge  entbedt.
Spät  erft  am  Abend  fam  fle  herauß,
Flatterte  einfam  um  das  HYauß.  (Hty.)