Full text : Die Ernährungsverhältnisse der Volksschulkinder.

Großbritannien  und  Irland.  109

Leider  sind  in  späteren  Zeiträumen  ähnliche  Untersuchungen  nicht
wiederholt,  so  daß  das  mühevoll  gewonnene  Material  für  Vergleiche
nicht  herangezogen  werden  konnte.

Auch  einige  Jahre  später  bemühte  sich  die  British  Association  for
the  advancement  of  science  um  eine  systematische  Untersuchung  der
Körperlänge,  des  Gewichts  und  anderer  physischer  Eigenschaften  der
Bewohner  Großbritanniens  und  Irlands,  ohne  die  Untersuchungsresultate
von  etwa  50000  Personen  verschiedener  Altersstufen  und  beider  Geschlechter
mit  späteren  Untersuchungen  vergleichen  zu  können.

In  der  ärmeren  Bevölkerung  in  den  Großstädten  des  Reiches  zeigten
sich  nunmehr  —  wie  von  verschiedenen  Auskunftspersonen  berichtet
wurde  —  traurige  Erscheinungen  des  Rückganges  der  käörperlichen
Beschaffenheit  der  Kinder,  die  auf  ungenügende  und  unzweckmäßige
Ernährung,  überfüllte  Wohnungen,  Unreinlichkeit,  auf  Trunksucht  und
Mangel  an  hauswirtschaftlichen  Kenntnissen  der  Mütter  zurückgeführt
werden  könnten.  Man  gewinne  den  Eindruck,  als  wenn  gerade  für
diese  Kreise  eine  hereditäre  Entartung  nur  eine  untergeordnete  Rolle
spiele,  den  Einwirkungen  ungeeigneter  und  unzulänglicher  Ernährung
jedoch  mit  Recht  ein  bedeutender  Einfluß  auf  die  körperliche  Entartung
zugeschrieben  werden  müsse.  Gerade  für  das  Wachstum  und  die  Entwickelung
  der  Jugend  bilde  die  Ernährung  ein  ausschlaggebendes
Moment.  Böse  Anzeichen  seien  in  dieser  Hinsicht  vorhanden.  Eine
große  Anzahl  von  englischen  Hausfrauen  bekunde  gegen  häusliche
Verrichtungen  großen  Widerwillen,  greife  daher  zu  Nahrungemitteln.
die  möglichst  wenig  Mühe  bei  der  Zubereitung  erfordern.  Statt  von
Hafermehl,  Buttermilch,  Kartoffeln  und  Milch,  nährten  sich  die  Leute
jetzt  von  Brot  und  Marmelade.  Tee  werde  seit  Herabsetzung  des
Preises  überall  getrunken,  und  dieser  Ernährung  schreiben  viele  der
Auskunftspersonen  einen  entschieden  schädigenden  Einfluß  zu;  besonders
da  in  den  meisten  Fällen  nicht  wirklich  Tee,  sondern  irgend  ein  schlecht
zubereiteter  Aufguß  von  Teeblättern  getrunken  werde.  Dieses  übermäßige
Genießen  schlechten  Tees  habe  nach  Ansicht  vieler  Zeugen  einen  höchst
verderblichen  Einfluß  auf  die  Entwickelung  der  Rasse  gehabt.  Aber  auch
der  dr  zunehmende  Gebrauch  von  Konserven  sei  hierfür  verantwortlich
zu  machen.

Um  hier  einen  Wandel  herbeizuführen,  müsse  vor  allem  der  hauswirtschaftlichen
  Unterweisung  junger  Mädchen  und  Frauen  das  Wort
geredet  werden.  Unzweckmäßig  sei  es  feboch.  Kochunterricht  bereits  in
den  Volksschulen  zu  erteilen,  weil  hier  die  Mädchen  noch  zu  jung  seien
und  keinen  dauernden  Nutzen  von  dieser  Unterweisung  haben.  Die
Kommission  empfiehlt  daher,  daß  vor  allem  Fortbildungsschulen  für

auswirtschaftliche  Unterweisung  geschaffen  werden  sollten,  zu  deren

esuch  die  schulentlassenen  Mädchen  ärmerer  Bevölkerungsschichten  zweimal
wöchentlich  mehrere  Monate  hindurch  angehalten  werden  könnten.  Allerdings
  würden  sich  die  günstigen  Folgen  der  Einführung  dieses  Unterrichts
erst  nach  längerer  eit  süblbar  machen.  Die  zurzeit  konstatierbaren
Ernährungsverhältnisse  der  Schuljugend  seien  jedoch  in  einigen  Städten
so  schlechte,  daß  eine  sofortige  autoritative  Einmischung  geboten
erscheine,  damit  der  Unterricht  der  die  Schule  besuchenden  Kinder  nicht