Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

90  Geschichte  der  Akademie  unter  Frieprıcun  dem  Grossen  (1740-17-16).

Scnmsrtav  hatte,  wie  offenbar,  in  der  letzten  Woche  wieder
das  lleft  in  die  Hände  bekominen  —  wie,  weiss  man  nicht'.  Der
König  billigte  in  Ordres  an  ihn  und  an  die  Commission  vom  2.  Februar
  alle  diese  Vorschläge  bis  auf  den  Bupvevus  betreffenden.  Sein
Gerechtigkeitsgefühl  gestattete  es  ihm  nicht,  dem  Gelehrten  die
100  T[hlr.  zu  entziehen;  er  behielt  aueh  den  Charakter  als  Director
bei.  Mit  Zuversicht  blickte  Frreprıcı  nicht  auf  die  neue  Schöpfung;
das  zeigen  auf's  Neue  die  Schlussworte  der  Ordre  an  Scumettau®:

»ainsi  voyant  cctte  affaire  de  I’nnion  des  deux  societes  terıninee,  il  ne  me  reste
que  d’en  attendre  des  fruits,  tels  que  Vous  et  les  autres  membres  en  esperent.«

Anı  13.  Februar  wählte  man  die  vier  ökonomischen  Deputirten
auf  ein  Jahr  (Eızer,  Hunmgertr,  Formey  und  PerLovTtier)  und  die
vier  Klassen  -Secretare  (LiIEBERKÜHN,  den  neu  aufgenommenen  FABer,
Forney  und  LanrrReEcut);  weder  diese  noch  jene  haben  wirkliche  Bedeutung
  zu  erlangen  vermocht;  die  ganze  Einrichtung  kam  bald  wieder
in  Wegfall.  In  der  Sitzung  der  Curatoren  und  Deputirten  am  nächsten
  Tage  wurde  beschlossen,  ein  neues  Diplom  »nach  dem  Muster
des  Petersburger«  anfertigen  zu  lassen,  aber  das  Siegel  der  alten
Societät  und  ihr  Motto  beizubehalten;  nur  die  Umschrift  soll  jetzt
»  Academia  Regia  Sceientiarum  Berolinensis  1744«  lauten.  FABER.
der  Secretar  der  mathematischen  Klasse,  wurde  zum  Tresorier  erwählt,
  sollte  aber  eine  Caution  von  3000  Thlrn.  stellen.  ELLER  zeigte,
wie  man  von  der  Summe,  die  dem  chirurgischen  Collegium  zu
zahlen  sei,  IOo  Thlr.  abstreichen  könne;  sie  wurden  PELLOUTIER
als  Gehalt  zugebilligt.  Der  neue  Entwurf  Duruam’s,  Unpen’s  und
BasTixeLtes’  zur  Administration  des  Kalenderwesens  wurde  geprüft”.
In  der  Sitzung  vom  16.  Februar  wurde  der  Diplom-Entwurf,  wie  ihn

I  Scuuerrau's  Einfluss  ist  es  wohl  auch  zuzuschreiben,  dass  die  Leseordnung

für  das  Jahr  1744  so  festgestellt  wurde.  dass  die  philosophische  und  philologische
Klasse  nur  hal  so  oft  an  die  Reihe  kamen  wie  die  beiden  anderen.  Das  im
Archiv  der  Akademie  aufbewahrte  Schema  für  1744  lautet:  Phys.,  Matlı.,  Plıys.,
Matlı..  Philos..  Philol.  Viele  Jahre  lang  blieb  es  bei  dieser  Ordnung.

?  Die  Ordre  an  ihn  ist  abgedruckt  im  Urkundenband  Nr.159.  In  Nr.  160
(vom  7.  Februar)  theilen  von  Scumerrau  und  (die  Minister  der  Akademie  die  vom
Könige  genehmigten  Bestimmungen  mit.  Aus  denı  Actenstück  Nr.  161  vom  8.  Februar
  ergiebt  sich.  dass  der  kecke  Vorschlag  der  Suspension  der  2x400  Tlılr.  für
die  arbeitenden  Mitglieder  der  philosophischen  und  philologischen  Klasse.  der  allzu
schnell  vom  Könige  genehmigt  worden  war  —  wahrscheinlich  war  dieser  Punkt
im  Cabinet  übersehen  worden  —,  sich  doch  nicht  so  glatt  durchzusetzen  vermochte.

®  Nebenbei  erfährt  ıman.  dass  (ie  Ober-Rechnungskammer  bisher  mit  der
Finanzverwaltung  der  Soeietät  nichts  zu  tlun  gehabt  hat.  Die  Akademie  wünschte
begreiflicher  Weise,  dass  es  auch  ferner  so  bleibe.