Metadata : Untersuchungen und Aktenstrücke zur Geschichte der Reichsgründung.

224  Camphausens  Aktionsplan.

Parlamentes  ermöglichen;  auch  trug  man  nicht  das  geringste  Bedenken,  die
Selbständigkeit  der  übrigen  Bundesglieder  mehr  zu  beschränken,  sobald
Preußen  die  Oberhauptswürde  erhalte;  sogar  den  Reichsrat  ließ  man  nur  mit
einem  gewissen  Bedauern  zu,  da  er  die  Stellung  des  Oberhauptes  nicht  zu
stärken  geeignet  sei.“

Am  folgenden  Tage  erhielt  Camphausen  Gelegenheit,  seine  Ansichten  über
das  jetzt  zu  beobachtende  Verfahren  vorzutragen.  Eine  weitere  Verhandlung
mit  der  Nationalversammlung  über  die  Verfassung  hielt  er  für  nutzlos.
Man  müsse  sich  zunächst  darauf  beschränken,  von  den  Regierungen  bestimmte
Ankworten  auf  die  Note  vom  3.  April  einzufordern  und  zwar  lediglich  auf
die  Frage,  ob  sie  bereit  seien,  in  einen  Bundesstaat,  an  dessen  Spitze  der
König  von  Preußen  als  Oberhaupt  stehe,  einzutreten.  Sollten  sich  mehrere
Regierungen  weigern,  diese  Erklärung  zu  geben,  wie  dies  zu  erwarten  sei,
so  würde  sich  damit  jede  weitere  Beratung  über  die  Frankfurter  Verfassung
erübrigen,  weil  diese  ja  für  ganz  Deutschland  berechnet  gewesen  sei.  Vielmehr
werde  der  König,  sobald  die  Ablehnung  einzelner  Staaten  vorliege,  zu  erklären
  haben,  daß  er  nunmehr  sein  am  3.  April  ansgesprochenes  Anerbieten
zurücknehme,  daß  aber  an  ihm  nicht  die  Schuld  liege,  wenn  die  deutsche
Einheit  nicht  zustande  gekommen  sei.  Alsdann  sei  mit  denjenigen  Regierungen,
die  sich  dazu  bereit  erklärt  hätten,  in  Verhandlung  über  die  Verfassung  des
engeren  Bundesstaates  zu  kreten;  hierbei  könne  man  die  Frankfurter  Verfassung
  zugrunde  legen.  Wenn  aber  ein  Ergebnis  erreicht  werden  solle,  so
müsse  sofort  ein  Organ  mit  dem  Rechte  zur  definitiven  Fesistellung  der  Verfassung
  geschaffen  werden;  hierzu  eigne  sich  am  besten  ein  Volkshaus,  bestehend
aus  denjenigen  Abgeordneten  des  Frankfurter  Parlaments,  die  den  beitrekenden
  Staaten  angehörten;  daneben  ein  Staatenhaus,  zusammengesetzt
nach  den  Vorschlägen  der  Frankfurker  Verfassung;  für  die  übereinstimmenden
Beschlüsse  dieser  beiden  Häuser  müsse  nur  die  Zustimmung  des  Königs  von
Preußen  vorbehalten  werden.  Auf  das  Staatenhaus  könne  jedoch  auch
verzichtet  werden.

Camphausen  wollte  also  die  Einzelstaaten  außer  Preußen  von  jedem
bestimmenden  Einfluß  auf  die  künftige  Verfassung  ausschließen;  was  das
Parlament  und  der  König  von  Preußen  gemeinsam  beschließen  würden,

Dies  Hervortreken  des  spezlfisch  preußischehegemonlschen  Gesichtspunktes  nahmen  wir
schon  bei  Camphausen  in  dem  Augenblicke  wahr,  wo  man  auf  einen  Bund  rechnen  mußte,  der
außer  Preußen  nur  klelnere  Staaten  umfassen  sollte.  Graf  Brandenburg  wlrd  damit  sehr
einverstanden  gewesen  sein.

*  Protokoll  d.  Sitzung  v.  10.  April,  s.  Bell.  81.  Die  Denkschrift  vom  11.  April  (Nr.  82)
war  ossenbar  eine  erwelterte  scheistliche  Ausarbeltung  seines  Votums  und  wurde  dann  einsach
  als  Instruktion  für  ihn  benugt.