Bernstorffs Auffassung
zubilligen, daß er in der Herbeiführung des Friedens einen
besonderen Eifer an den Tag legte, noch daß er — bei allem
subjektiven Bestreben nach Gerechtigkeit — den beiden
kriegführenden Gruppen objektiv dasselbe Maß von Verständnis
und Wohlwollen entgegenbrachte.
Anfang Mai 1916 hat nach des Botschafters Gerard eigenem
Bericht der Reichskanzler von Bethmann Hollweg
diesem gegenüber die Hoffnung ausgesprochen, der Präsident
Wilson werde nunmehr groß genug sein, sich der
Sache des Friedens anzunehmen. Damals war es noch
ein halbes Jahr bis zur Präsidentenwahl; das Bevorstehen
der Präsidentenwahl konnte also noch kein ernstliches
Hindernis für eine Friedensaktion sein. Aber der Präsident
tat nichts für den Frieden. Er steckte unser Zugeständnis
der Einstellung des uneingeschränkten U-Bootkriegs ein und
versuchte nicht einmal irgendeinen ernsthaften Schritt, um
England zur Rückkehr auf den Boden der völkerrechtlichen
Normen des Seekriegsrechts zu veranlassen. Die deutsche
Politik ist dabei gewiß nicht frei von Fehlern gewesen.
Präsident Wilson hätte sich vielleicht anders verhalten,
wenn die Zurückführung des U-Bootkriegs auf die Formen
des Kreuzerkriegs nicht erst im Mai 1916 erfolgt wäre,
nachdem die durch die Versenkung der „Lusitania‘ geschaffene
kritische Lage durch die Torpedierung der „Arabic und
schließlich der „Sussex“ — um nur die wichtigsten Fälle
zu nennen — eine heillose Erschwerung erfahren hatte,
sondern nach meinem leider nicht befolgten Vorschlag schon
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