Metadaten : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

Bayern  unter  Maximilian  I.  263

Lan  schrecklichen  Seuchen  leidenden  Truppen  mit  einer  viermonatlichen
  Belagerung  der  wichtigen  Stadt  Brünn  ab,  welche  von
dem  Kommandanten  de  Souches,  einem  schwedischen  Ueberläufer,
tapfer  vertheidigt  wurde.  Torstensons  letzte  That  in  Böhmen
war  die  Eroberung  der  Stadt  Leitmeritz  an  der  Elbe.  Seine
Krankheit  verschlimmerte  sich  und  er  legte  seinen  Befehlshaberstab
in  die  Hände  Gustav  Wrangels,  der  hier  vollends  verwüstete,
was  noch  zu  verwüsten  war.

Im  Südwesten  Deutschlands  gewann  zwar  Franz  von
Mercy  über  Turenne  die  Schlacht  zwischen  Herbsthausen
und  Mergentheim  (5.  Mai  1645),  aber  nun  eilten  die  Hessen,
der  schwedische  Feldmarschall  Königsmark  und  Enghien  zu
Hilfe,  und  die  Schlacht  bei  Allerheim  im  Ries  am  3.  August
1645  ging  durch  die  unzeitige  Hitze  Johanns  von  Werth
verloren.  Franz  von  Merch  fiel  in  dieser  Schlacht;  Johann
von  Werth  stellte  die  bayerische  Armee  am  Schellenberge
bei  Donauwörth  schnell  wieder  auf,  so  daß  die  Franzosen,  da
auch  der  Erzherzog  und  Gallas  heranrückten,  nach  Aufgabe
der  Belagerung  Heilbronns  in  aufgelöster  Ordnung  auf  Philippsburg
  sich  zurückziehen  mußten  (13.  Oktober  1645).
Johann  von  Werth,  der  bei  Allerheim  seine  Ehre  als
tapferer  Soldat  gewahrt,  aber  den  Ruhm  eines  besonnenen  Feldherrn
  verloren,  mußte  jetzt  die  Demüthigung  über  sich  ergehen
lassen,  daß  nicht  ihm,  sondern  dem  General  Hugo  von  Geleen
der  Oberbefehl  über  die  bayerische  Armee  übertragen  wurde,  denn
der  Kriegsrath  Küttner  von  Kunitz,  der  den  Kurfürsten  Maxrimilian
  zur  Niederlegung  der  Waffen  gegen  Frankreich  zu
bewegen  suchte,  war  sein  persönlicher  Feind.  Gleichwohl  versagte
Johann  von  Werth  seine  Dienste  nicht,  als  Wrangel  sich
durch  Bayern  einen  Weg  in's  Oesterreichische  bahnen  wollte.
Wrangel,  der  im  Anfange  des  Jahres  1646  vom  Erzherzoge
Leopold  Wilhelm  nach  Westphalen  zurückgedrängt  wurde,
vereinigte  sich  hier  mit  dem  schwedischen  General  Königsmark
und  im  Sommer  bei  Gießen  mit  dem  französischen  Marschall
Turenne.  An  der  Spitze  einer  bedeutenden  Macht  drang  er
im  August  gegen  Bayern  vor  und  zwang  den  alten  Kurfürsten
zur  Flucht  aus  München.  Nach  der  Eroberung  Rains  schritt
er  zur  Belagerung  Augsburgs,  das  sich  standhaft  vertheidigte,
bis  Johann  von  Werth  aus  den  Rheinlanden  mit  4000  Reitern
heranbrauste  und  den  Schweden  zwang,  die  Belagerung  aufzuheben.
Aber  Bayern  erlitt  jetzt  von  den  Schweden  eine  grauenvolle  Verwüstung.

Der  gräßliche  Druck,  den  die  zügellose  schwedische  Armee
gegen  das  Ende  des  Jahres  1646  auf  das  Land  Bayern  übte,