Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVI. Jahrgang, 1915. (26)

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indessen  die  Führer  der  Truppen  wohl,  wie
anderwärts,  bemüht,  sich  eines  tunlichst  korrekten
Verhaltens  zu  befleißigen.  Am  2.  November
wurden  die  meisten  Europäer  mit  dem  japanischen
Transportdampfer  „Kamakura  Maru“  nach  Nagasaki
  gebracht,  wo  sie  am  8.  gleichen  Monats  anlangten.
  In  Jap  blieben  nur  zurück  zwei  Beamte
der  deutsch=  niederländischen  Telegraphengesellschaft
und  der  Funkenstation,  die  Herren  ter  Horst
(Holländer)  und  Schmidt,  ferner  Scott  und
Steinhauer  für  die  Westkarolinen-Gesellschaft,
der  alte  Ansiedler  Friedländer,  zwei  Paters,
zwei  Brüder  und  eine  Schwester  von  der  Kapuziner-Mission.
  Die  nach  Japan  weggebrachten
Deutschen  wurden  dort  zunächst  einige  Tage  festgehalten,
  sind  aber  dann  nach  Unterschreiben
eines  „Schwurbriefes“,  wonach  sie  sich  verpflichteten,
  in  diesem  Kriege  keine  Feindseligkeiten
gegen  Japan  zu  unternehmen,  dem  amerikanischen
Konsul  überantwortet  worden.  Die  meisten  der
Ansiedler  von  Jap  fuhren  sodann  nach  Schanghai
weiter,  nur  eine  Frau  Trost  reiste  nach  Manila.
Die  Familien  Köhler  (Telegraphenbeamter)  und
Arbinger  stellvertretender  Stationsleiter)  blieben
krankheitshalber  noch  in  Nagasaki  zurück,  sie
werden  aber  wohl  inzwischen  auch  Japan  verlassen
  haben.

2.  Saipan.  über  die  Besetzung  von  Saipan
(Marianen)  liegen  nähere  Nachrichten  bisher  nicht
vor;  es  ist  nur  soviel  bekannt  geworden,  daß
auch  dort  japanische  Streitkräfte  gelandet  und
die  Beamten  weggebracht  worden  sind.

3.  Angaur.  Von  den  Palauinseln  haben
die  Japaner  gleichfalls  die  wichtigeren  Plätze,
und  zwar  die  Regierungsstation  Korror  (Malakal)
und  vor  allen  Dingen  die  Insel  Angaur  der
Deutschen  Südsee-Phosphat-A.-G.  besetzt.  Über
die  Besetzung  dieser  letzteren  Insel  sind  inzwischen
ausführliche  Nachrichten  eingegangen.  Danach
war  auch  hier  zunächst  ein  englisches  Schiff,
der  Kreuzer  „Sydney“,  Anfang  August  erschienen
und  hutte  die  Funkenstation  zerstört.  Der  Kreuzer
blieb  aber  vor  Angaur  nur  einige  Stunden
liegen  und  sandte  dabei  bezeichnenderweise  eine
Notiz  an  Land,  wonach  das  ganze  Schutzgebiet
Deutsch-Neuguinea  und  damit  auch  Angaur
„im  Namen  Seiner  britischen.  Majestät“
okkupiert  sei.  Dieser  Akt  hat  indessen  die  Japaner
nicht  abgehalten,  ihrerseits  später  von  der  Insel
Besitz  zu  ergreifen.  Auf  die  Vorstellungen  des
Leiters  der  Deutschen  Südsee-Phosphat-A.-G.  in
Bremen,  der  die  Insel  gehört,  daß  Angaur  beroits
  von  Großbritannien  mit  Beschlag  belegt
worden  sei,  erklärte  der  japanische  Kommandant,
er  könne  diese  Besitzergreifung  nicht  anerkennen,
da  fie  nicht  durch  Zurücklassung  irgendeiner
militärischen  Macht  effektiv  geworden  sei.  Auf

 

der  Funkenstation  im  Osten  und  auf  dem  Verwaltungsgebäude
  der  Südsee-Phosphat-A.-G.
im  Westen  wurde  die  japanische  Flagge  gehißt,
nachdem  etwa  60  Mann  mit  einem  Maschinengewehr
  gelandet  worden  waren.  Der  Oberbefehlshaber
  ließ  sodann  die  Angestellten  der  Gesellschaft
zu  sich  kommen  und  versprach  ihnen,  daß  niemand
  ausgewiesen  würde  und  die  Leute
ruhig  und  ungehindert  ihre  Arbeit  fortsetzen
könnten;  sie  dürften  aber  kein  Phosphat  ausführen.
  Alle  Waffen  müßten  alsbald  abgeliefert
werden,  was  sodann  am  12.  Oktober  geschah.
Bis  30.  Oktober  ging  alles  seinen  gewohnten
Gang  weiter.  Soweit  die  Arbeiter  nicht  entlassen
waren,  wurde  mit  dem  Rest  weiter  Phosphat
gefördert  und  auf  Lager  genommen.  Am
31.  Oktober  kam  dann  ein  Japaner  namens
Ossava  von  Palau  herüber  und  zog  nähere  Erkundigungen
  über  die  Gesellschaft  ein.  Am
6.  November  morgens  legte  ein  japanischer
Dampfer  im  Westen  der  Insel  an  und  landete
etwa  ein  Dutzend  japanischer  Ziovilisten.
Der  Leiter  der  Gesellschaft,  Herr  Lippert,  wurde
auf  die  Station  gebeten.  Dort  stellte  ihm  der
japanische  Befehlshaber  drei  Herren  vor  als
Vertreter  einer  „neu  gegründeten  und  mit  Erlaubnis
  und  unter  dem  Schutze  der  japanischen
Marine  handeltreibenden  Gesellschaft,  der  Nanyo
Keiei  Kumiai“  (Südsee-Vertriebsvereinbarung).
Der  eine  der  drei  Herren,  der  den  Dolwmetscher
machte,  erklärte,  die  japanische  Firma  sei  bereit,
mit  der  Südsee-Phosphat-A.-G.  Handel  zu
treiben,  sie  könnten  bei  ihr  gegen  Phosphat  alles,
was  sie  brauchten,  eintauschen.  Nachdem  der
Betriebsleiter  Lippert  seine  Bereitwilligkeit  ausgesprochen
  hatte  wegen  Austausch  von  Eingeborenenproviant
  mit  der  neugegründeten  japanischen
Gesellschaft  in  Unterhandlungen  zu  treten,  verlangten
  die  Vertreter  dieser  Gesellschaft  zunächst
die  Einräumung  von  Häusern  zwecks  Einrichtung
einer  Niederlassung.  Lippert  lehnte  dieses  Verlangen
  mit  dem  Hinweis  ab,  daß  er  keine  Berechtigung
  zur  Erteilung  einer  derartigen  Erlaubnis
  habe,  und  daß  es  sich  auch  nur  um
einen  einmaligen  Eintausch  von  Lebensmitteln
handeln  könne.  Darauf  wurde  ihm  von  dem
Vertreter  der  japanischen  Firma  erwidert,  Bedingung
  für  die  Eröffnung  der  Geschäftsverbindung
sei,  daß  die  Deutsche  Südsee-Phosphat-A.-G.  mit
der  Nanyo  Keiei  Kumiai  für  immer  oder  wenigstens
  für  die  Dauer  des  Krieges  einen  Vertrag
schlösse,  durch  welchen  die  Gesellschaft  sich  verpflichtet,
  alle  ihre  Bedürfnisse  von  der  Nanyo
Keiei  Kumiai  gegen  Phosphat  zu  beziehen  und
das  Phosphat  nach.  Japan  auszuführen.  Die
noch  nötigen  Arbeiter  werde  die  Nanyo  Keiei
Kumiai  in  den  Inseln  anwerben.  Die  Nanyo#