Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

 

 

 

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RNosenheimer  Tagblakt

Amtliches  Publikalions-Organ

 

Nummer  54  Kathelsch:  Themas  v.  Aguin

Mitewoch,  7.

März  1917

Frrtestentisch:  Felizitos.  63.  Jahr##g

China  auf  dem  Kriegspfad  gegen  Deutschland?

Der  Bündnisantrag  an  Meriko  —  Amerikanische  „Dokumentenfunde"  gegen  Deutschland.  —  Die  neue  Lage  auf  der  Weftfront.
Eine  österreichisch-ungarische  Note  au  Amerifa.

O  esterrelichisch-ungarische  Sturmiruppen.

Ie  Arieusage.

WIB.  Grotses  Hauplquartier,  den

Mätz.  vormittags.  Amtlich.

Westlicher  Kriegsschauplan

Auf  dem  rechten  Somme-User  nahm  gegen
Abend  der  Artillerielampf  große  Heftigleit  an.
ad,  Trommeue  giff  der  Englender  norolich

n  VBoucharesites  erneut  an.  Sein  Angriisf
arde  abgewlesen,  ein  weiterer  dꝛrrci,  unser  Ver

ic  tungsfeuer  vereitell.  In  den  übrigen  Front

Tschnitten  herrschte  bei  S.Itgestöber  nur

eringe  Feuertötigkeit.  Eriunder,  die  den  Verui

  der  französ'scen  Stellung  am  Caurierre

Bald  gegenüber  der  von  uns  dort  genommenen

sniie  feststellten,  brachten  noch  15  Cesangene  ein.
Cestlicher  Kriegsschauplaz.

Jront  des  Generalseldmarschaolls

Prinzen  Leopold  von  Bayernn.

in  Nach  langriff  der  Rusien  gegen  unsere
lellungen  südlich  von  Brzezany  scheiterte.
veeresfront  des  Generalobdersten

Erzherzog  Joseoh.

An  den  Osthängen  des  Kelemen-Gebirges  im

üdteil  der  Waldkarpathen,  wurden  mehrere

nisische  Kompagnien,  die  nach  lebhaftem  Feuer

niere  Stellung  angriffen,  zurüdgewiesen.

Heeresgruppe  des  General-Feldmarschalls
  v.  Mackensen.

Die  Lage  ist  unwerändert.

Ma  zedonische  Front.
Zwischen  Ochrida,  und  Prespa-See  wurde
ne  französische  Feldwache  uberrumpelt  und
efangen.
nnOO0  Tonnen  im  Februar  versenkt.
Haag,  6.  März.  Holländische  Reederkreise
rrichten  nach  Privatmeldungen  aus  England,
an  die  Zahl  der  vom  15.  Januar  bis  15.
bm#au  versenkten  Heindlichent  Schiffe  236
ieträgt.  Der  im  Monat  Februar  versenkte  Tonraum
  wird  auf  mindestens  700½000  Tonnen
k4  Keichähzt.
Gefallen  oder  gefangen.

Lugano,  6.  März.  Nach  der  W*
1  Popolo“  soll  der  bekammte  französtiche  Mi
lürflieger  Gynemer,  der  nach  dem  feanzösinum
  Heeresberichte  31  feindliche  Flugzeuge
wichese  haben  soll,  entweder  gefallen  oder
1  deutsche  Gefangenschaft  geraten  sein.

#  zor  Lage  l#n  Westen

Im  „Berner  Bund“  heißt  es  in  der  letzten
Friegsbetrachtung  Stegemanns:  Noch  nie  war
tt  den  strategischen  Erwägungen  und  Bewe-#ingen
  die  Lage  im  Westen  spannender  als
"et.  Sie  wurde  ditalein  erhellt,  als  der  Rück-19
  der  Deutschen  im  Raume  Bapaume  sichtar
  wurde,  und  es  Mit  lein  Zweifel  estaftetC
ab  diese  Zurücknahme  der  deutschen  Linie  ein
Merkmal  der  neuen  Entwicklung  ist.  Wer  die
Keldungen  der  letzten  Tage  daraufhin  durch-*.
  findet  auf  deutscher  Seite  noch  ein  weiteres
flalliges  Kennzeichen,  das  ebenfalls  für  eine
ue  Situation  spricht.  Ist  es  nicht  e

rn  in  den  deutschen  Barichten  üb  die  Vor-*



 

auge  an  der  Weit  ein  Lakonismus
ierscht,  der  so  weit  ,  daß  Wckogqrsdie
Juni-sung  der  einzelnen  -
drüct  hat.  Man

erinnere  sich,  die  allgeieine
  Neorganisation  der  deufschen  und  ver- 



vlindeten  Fronten  im  Osten  und  Westen  seit

 

 

»

 

 

 

 

der  Uebernahme  des  Kommandos  durch  Hindenburg
  planmaäkig  auf  eine  Vereinheitlichung
der  Kemmandoverhällmsie  und  der  Kraftanstrenzurg’'n
  audgegargen  is“,  und  daß  dadurch
im  Osien  eine  bereutende  Vereinsachung  erzielt
warden  ist,  die  sich  sofort  in  einer  Konsoli—
dierung  der  Verteidigung  äußerte.  Während
das  im  Osten  schon  lange  hervortrat,  waren
im  Westen  bis  vor  wenigen  Tagen  noch  die
alten  Aerhaltnisse  sichtbar.  Man  darf  daher
heute,  da  die  deutschen  Hecresberichte  nicht  mehr
von  den  Gruppen  der  einzeknen  Heerführer  im
Westen  sprechen,  sondern  nur  noch  eine  Westfront
  kennen,  die  Frage  aufwerfen,  ob  sich  dater
  nicht  mehr  verbirgt  als  eine  Aeußerlich
eit,  und  ich  stehe  nicht  an,  diese  Frage  zu  bejahen
  und  die  Aufmerksamkeit  auf  einen  Lakonis-=mus
  zu  lenken,  der  auf  tiefgehende  Veränderungen
  an  der  deutschen  Westfront  hinweist.  Wir
müssen  also  mit  der  Tatsache  rechnen,  daß  die
Deutschen  im  Westen  eine  großartige  Neuorganisation
  geschafsen,  die  Vereinheitlichung  der
Front  durchgeführt  und  sich  zum  entscheidenden
Waffengang  sertig  gemacht  haben.

Her  uneingeschräutte  N-e-Fiies.

Ein  englischer  Zerstörer  vernichtet.
London,  5.  März.  Die  Admiralität  teilt
mit,  daß  am  1.  Mäörz  ein  britischer  Zerstörer
mit  der  gesamten  Besatzung  in  der  Nordsee
gesunken  ist.  Wahrscheinlich  lief  das  Schiff  auf
eine  Minc.

 

Versenkt.

*  Rotterdam,  5.  März.  Die  englischen
Dampfer  „Huntamon“  (7460  Tonnen),  „Glan
Farquher“  (5908  Tonnen),  „Jolo“  (4000
Tonnen),  „Vonghurst“  (3053  Tonnen),  der
französische  Dampfer  „Elorn“  (603  Tonnen),
die  Bark  „Lamentine“  (725  Tonnen),  das
Vollschiff  „La  Bayonne“  (2589  Tonnen),  der
Schooner  „Marie  Joseph“  (192  Tonnen),  11
frangösische  Fischkutter  und  2  Fischdampfer  wurden
  versenft.  Der  englische  Dampfer  „Cleartiekd“
  (4229  Tonmen)  und  ein  Schooner  werden
  als  Überfällig  gemeldet.

Die  englkischen  Schiffsverluste.

Amsterdam.  5.  Muz.  Man  erfährt  durch

Indiskretionen,  da'  die  Rcedereien  von  London,
  Liverpool,  Glasgow  und  NewCastle  allein
  vom  3.  Februar  bie  20.  Februar  Schiffs
verluste  von  300  000  Tonnen  Schiffsraum  behufe
  Entschädigung  angemeldet  haben,  was  die
Qoyds-Gesellschaft  zur  Verdreifachung  ihrer
Bersicherungsprämien  veranlaßt  hat.  Lloyds
wurde  verboten,  etwas  über  die  bei  ihr  angegemeldeten
  Schiffeverluste  zu  verlautbaren  oder
im  Jahresberichte  Einzelheiten  über  die  von  ihr
zu  zahlenden  Summen  zu  veröffentlichen.

Ein  wunder  Pumi  Amerkkas.

Wie  aus  den  Verichten  über  den  Eindruck
der  Veröffentlichung  der  deutschen  Verhandlungen
  mit  Meriko  in  Amerita  hervorgeht.  hat
ihr  Bekanntwerden  in  der  Hauptsacke  dazu  gedient,
  dem  Prasidenten  Wilson  freie  Hand
für  sein  Vorgekl  en  Deutschlands  gegenüber  zu

schaffen.  Er  f#e#  bereits  im  Besitz  der  gewünschten
  Vel##nachten  sein  und  uird  dann
allem  Anschein  nach  nicht  zögern.  seinen  Gefühlen
  gegen  Deutschland  den  Lauf  zu  lassen.
denen  bisher  ein  Teil  des  Kongresses  und  ein
großer  Teil  der  Bevölkerung  Einhalt  geboten
haben.  Welcher  Art  die  Schritte  des  Prasidenten
  Wilson  gegen  Deutschland  sein  mogen,  darf
dem  deutschen  Volke  im  Augenblick  gleich  sein.
Hinter  der  moralischen  Entrüstung  uber  das
deutsche  Vorgehen  in  Meriko  verbergen  sich  Befürchtungen
  für  eine  ernsthafte  Bedrohung  der
amerikanischen  Politik  in  Amerika  selbst,  deren
Folgen  von  weitergehender  Bedeutung  sein
zönnen,  als  sich  im  Angenblick  ermessen  läßt.
Schon  dem  durch  Poarteikämpfe  zerwühlten
Lande  gegenüber  hat  die  Interventionspolitik
  der  Unton,  wie  die  Geschschte  des  jüngsten
amerikanisch-merikanischen  Konflilles  Fiigt,  Uäalich
  Fiasko  gemacht.  Um  wie  viel  anders  mußlen
  sich  die  Vereinigten  Staaten  ceinem  innerlich
#eemten  und  starken  Merik?  gegenüberstellen,

das  durch  seinen  Anschluss  an  cine  Großmacht
wirtschaftlich,  politilk  und  militärisch  gedeckt
ist.  Abgesehen  davon,  lat  Uur  Jstanoekommen
  einer  derartigen  Konstellation  auch  seine

Rückwirkung  auf  die  anderen  lateinischen  Republiken
  V1a  haben  lönnte  und  das  Prestige

 

 

der  Unson  in  jenen  Staaten  auch  nicht  sördern

 

helsen  würde.  Die  Auftegung  zeigt,  daß  die
deutsche  Diplomatie  mit  ihrem  Schriit.
näherung  an  Merifo  zu  suchen.  an  einen  wunden
  Punkt  der  Unton  getroffen  hai.  Mag
darum  das  Geschrei  der  Yankee-Preiie  und  ih
rer  englischen  bbernden  nnnt  noch  so  groß.
sein,  Deutichland  wird  sich  nicht  varschreiben
lassen,  wo  und  wie  ci  M##geln  zum  Schutz
gegen  seine  Feinde  trifit.

Amerikanisch  c

(u«»1kn»nndc

Berlin.5.  Men»  TH-Amenkancrschcts
ncnandemAktenImchds:-:—f"c,.gcsundcn«l7os
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Amcrifnvcrbrcitekscsl  «l  nd  lprbsclonlans
»c;;cikl)indukd;ai««ku«mehnhkormvon
Darlehen  oder  in  anderer  Form  gegeben,  um
es  gegen  Amerika  „aufzuw'iegeln“.  Es  ist  kein
Won  daraun  wahr.  Wir  biben  den  Merikanern
gar  nichts  gegeben,  und  da:  Aufwicgeln  der
Melikaner  haben  die  Amecrilaner  selbst  so
grundlich  bejorgt,  daß  das  Land  jent  schon  fast
ein  halbes  Jahrzehnt  hindurch  nicht  mehr  aus
dem  Bürgerkrieg  herausl#emon.  Die  Amerikaner
behaupten.  weiter,  wer  hatten  versu  .  die  füdamerikaniscken
  Stgaten  gecen  Norbamerika  zu
verhetzen.  Wir  maren  neunierig  zu  erfahren,
welchen  sudamer  kaniscken  Slaat  umrt  une  zum
Gegenstand  eines  15  hofinun  devollen  Versuches
aucgesuckt  haben  sollten.  Tagegen  sicht  fest.
daß  die  Vereiniqten  Slaaten  cs  waren,  die  schon
im  Vorjahre  die  gesamien  sudamerikanischen
Slaaten  unter  einen  groln  deutsch  feindlichen
Hut  zu  bringen  suchten.  Die  neuene  Ankündigung
  von  jemeito  des  Großen  Wassers  geht
dahi,  daß  man  noch  weitere  belastende  Dokumente
  beststze,  um  Deutschland  samtliche  Umtriebe
  aufzudecken.  Wir  gestchen  den  Amerikanern
  eines  ohne  weiteres  zu:  Sie  haben  offenbar
  mit  allen  Hilfsmitteln  der  modernen  Diebestechnik
  gearbeilet  und  dabei  manches  „gefunden“,
  was  da  oder  dort  „verloren“  gegan.
gen  ist.  Ihren  „Enthullungen“  sehen  wir  aber
mit  der  größten  Gelasienheit  entgegen.  Hieher
gehört  auch,  daß  der  bisherige  amerikanische
Votschafter  in  Berlin.  Gerard.  seine  game
Kenntnis  von  Deulschland,  von  deuticher  Politik
und  Volksstimmung  von  Spionen  zu  beziehen
pflegte.

Wisson-  poliktik.

Washinaton,  5.  Uarz.  (Reuter.)  Man
erfahrt  von  hoher  Stelle,  daß  Wilson  die  Handelsschifse
  bewaffnen  und  andere  Maßregeln
ergreifen  wird.  um  die  amerikanische  Schiffahrt
zu  schunzen.  selbn  wenn  der  Senat  den  Gesetzantrag
  fur  eine  bewassnete  Neutralitat  nicht  annehmen
  sollte.  Wilion  vertraut,  daß  er  die
Vollmacht  hiezu  hal,  und  betrachtet  die  Ab.
slimmung  und  die  allgemeine  Haltung  des
Senats  als  Beweis,  daß  der  Kongreß  hinter
ihm  ist.

Kricge

 

Dee  Büsdulsanreg  un  merino.

Berlin,  5.  Marz.  Der  Hauptausschuß  des
Reichslags  beschäftigte  sich  am  Montag  mi
dem  etwaigen  Bündnisantrag  an  Meriko.  Ein
gialdemokratischer  Abgeordneter  aing  auf  die

Instruktionen  an  den  deutschen  Gesandien  in
Meriko  ein  und  machte  Einwendungen  gegen
dielen  Schritt  geltend.  De:  Staatstekretär  der
Ausmart-  gen  Amtes  gab  en  laigere  Darttel.
lung  det  vilt  der  A3o  Alschten.