107 riechen.
Nichkungslinie, k. Linie nach der eine Richtung geht:
cinzelne leute, die sich nicht genau in der richtungslinie
beünden Ex. Regl. 37. — richtungslos, ohne
Richtung: zur richtungs- und gestaltlosen natur
zn verwandeln Goethe DuW. 11; in einem kurzen
richtungslosen gespricho Keller Sinnged. 122. —
Richtungspunkt, m. Punkt als Merkzeichen für eine
Richtung: die flugelunteroffziere als richtungspunkte
Ex. Regl. 36. — Richtungsstoß, m. Stoß der in eine
Nichtung dräugt: ob nicht sclbst dieselehren ein
neucr richtungsstosz für die menschliche vernunft geworden
Lessing Erz. des Menschengeschl. 63.
Nick, Interjection, ein kurzes Krachen bezeichnend:
da gings! rick rack! heruber, hinuber Goethe
Egm. 1. — Nicke, f. weibliches Reb, Ableitung zu diefem
Worte, erst im Nhd. bezengt, bei Frisch als rihke
unnd riek.
Niechbar, zu riechen geeignet: das sichtbare hörbarc,
ricchbarc, greifbarc Goethe 33, 169. — riechen,
Dunst, Geruch geben und wahrnehmen; gemeingernn,
nur goth. nicht bezeugtes Wort, altnord. rjüka, altengl.
rescan, altfächs. riocan, ahd. riohhan, nihd. riechen,
ohne nachweisbare indogermanische Entsprechung, wahrscheinlich
aber mit der älteren Bed. des Stechens und
scharsen Einhersahrens, die im Altnord. noch hervor
tritt, wenn hier rjüka vom Schwerte und vom heftigen
Anffahren eines Zornigen gebraucht wird, und auf der
die Bed. des Verbums rucken beruht, das feiner Bildung
nach nichts anders als Intensivum zu riechen sein kann.
Starkes Verbum, in älterer Spr. mit der 2. 3. des Sing.
Präs. du renchst, er reucht, und mit dem Imp. reuch,
Formen die noch Gottsched Sprachkunst 345 als gewöhnliche
anführt, indem er bezengt, daß du riechest,
er riechet nur „von einigen“ gesagt werde. 1) Dampf,
Dunst, Rauch lassen, wie späteres rauchen (s. d.): J u
Mare riechen Dies.; der tunet von ir Üüben rouch
sam ob icslicher un gezündet wære Nabenschlacht 778;
uhd. nur in Resten: als jn nun der (Wein) anfieng,
ins haupt zu riechen Wickram Nollw. 161, 14; biss
der mercurius anhebt zu riechen, wie ein weiszer nebel
aus: dem gefüsz Paracel fus 1, 891; vornehmlich noch
in Süddentschland der olen riecht, raucht oder dunstet;
saal, in welchem der ofen zwar roch, aber nicht würmte
Moltke 5, 18. 2) sonst in der Bed. Dufst, Geruch
geben, schon ahd. einmal riuhhit, 9/24 Graff; aber
noch im Mhd. zurücktretend, erst später unter Verdrängung
der Bed. 1 empor gekommen: olere, olsucere,
olsuetare, riechen, richen Die f.; redolere wol ricchen
cbd.; stark, gut, schlecht, ubel riechen; wie wol reucht
disz ding Simpl. 3, 374; cine materi, welche ihren
geruch so wol hat als biscm, aber esie reucht nicht so
licblich Schuppius 566; die (gebratenen) vogel ruchen
dem guten mann in die nas Wickram Rollw. 143,2;
dem bauren riccht der mist fur bisam Fischart Bienk.
355; nach etwas riechen: die fran reucht gut, wenn
sic nach nichts reucht Steinbach; allgemein: es riecht
bier nach gehratencm; das riecht noch immer fort
nach blut Schiller Maeb. 5, 1; übertragen: dus stuhlrhen
riecht so nach armen sundern Goecthe Götz 4;
mein französisch .. röche ganz verzweifelt nach dem
bays latin Gaudy Erz. 167; das riecht ein venig nach
schwarzer kunst Wildenbruch Generalseldob. 1, 2; —
allitterierend mit ranchen verbunden: die kuche raucht
und reucht Günther 1022; uberall riocht und raucht.
das beste cssen JPaul biogr. Belust. 1, 180; — in
verstärlter Bed. — übel riechen, seinken: hier riecht es;
cr riecht aus dem halse; riechend fleisch, coro zubrameida
Stieler; riecht der ubtritt 7 Hebel 3, 57; —
in der Spr. der Bibel, im Bilde für wohlgcsällig sein:
scin riechen wird scin in der furcht des herrn Jes.
11, 3; gebt suszen geruch von euch . bluhet wie die
Hlien, und ricchet wol Sir. 39, 18; dauach bei Fleming:
Nichtungslinie
tiechbüchschen — Riese. 108
nach welcher schönen blum auch reucht des edelen
gelobter nahm und ruhm 125. 3) Geruch wahrnehmen,
mit der Nase ersassen: sie haben nasen und riechen
nicht Pf. 115, 6; an einer blume riecehen; am verwelkten
strausz . riechen Schiller Kab. 3, 4; auch
mit Acc.: die gesunden nelken, an die gott täglich
rencht Fleming 125; etwas riechen: der herr roch
den licblichen geruch 1. Mos. 8, 21; man kundte keinen
brand an jnen riechen Dan. 3, 27; in einer Reihe von
Nedeusarten: er bat pulver gerochen, war mit im
Kriege; er kan kcine lunte, kein pulser riechen, de-Jecl#s
animo est Stieler; er reucht meuse, zwbotet
fl nerieulum ebd.; in ähnlicher Bed. er reucht den
braten, ich habe das ding wol gerochen, man kan
nicht alles so geschwinde riechen ebd.; ich roch dic
lnnte, liesz mich nicht mehr fangen APichler nene
Marksteine 35; es ist kein pfennich so versteckt, den
er nicht reucht Steinbach; zur Bezeichnung des höchsten
Grades von Widerwillen, in der Spr. des täglichen
Lebens: ich kann den menschen nicht ricchen (nicht
ausstehen); der kantor konnt ihn nicht riechen JPaul
Hesp. 2, 90; scharse Andeutung machen, in derber Spr.:
jemandem etwas zu riechen geben; da, ricch daran!
(nimms zu Herzen); riechen, auch nur für nahe kommen,
vielleicht nur nach der Bibelspr.: ich . mag nicht
riechen in ewr versamlung Amos 5, 21; wie eine
flechsen schnur zureist, wenn sio ans sewr reucht
Richt. 16, 9; du rochest kanm ins bausz, so lief man
mit den schusseln Günther 1100; mit Adverbien:
an sclchem ort, da weder teufel noch welt nicht hin
riechen kan Luther 6, 230b; unser einc riecht nun
den ganzen sommer nicht ans dem hause hinans JPaul
uns. Loge 1, 70; kanm riecht herr Gries binein (in den
Wald) Wieland Sommermährchen 1,271. — In Zusammensetzungen:
Niechbüchschen, -fläschchen, n. Büchschen,
Flälchchen mit wohlriechenden Stoffen, darein zu
riechen. — Riechnerv, m. Nerv der den Geruch vermittelt.
— Riechsalz, n. Salz das die Geruchsnerven
reizt. — Riechstoff, m. Stoff zum riechen. — Riechwasser,
u. wohlriechendes Wasser zur Anregung der
Geruchsnerven.
Niecher, m. der da riecht; in derber Spr. für die
Nase: er hat einen groszen riecher; — Schnüffler:
von jesniten- und von mauerer-riechern JPaul
Dämmerungen 81.
Ried, n. Schilfrohr und Schilffläche; westgerm. Wort,
ahd. hriot, riot, mhd. rict, altsächs. riod, ried, altengl.
hreod, ohne nachweisbaren weiteren Hintergrund; als
Einzel- wie als Sammelbegriff erscheinend, älter uhd.
auch als rict: eareæ rict, ried Dies.; Plur. rice, selten
ricder: und als flöten allo gräser, robr’ und rieder
mache neu Rückert ges. Ged. 2, 415. Als einzelner
Nohrstengel, und das daraus Verfertigte, z. B. Stab,
Pfeilschaft: mit ihren Gunnen ritpfeilen Hulsius 6, 23;
lange spanisehe rieth oder stöck Schuppins 43; Nohrpflöte:
blics auf einem hohlen ricd Spee Trutzn. 178, 58;
bei den Webern Stäbchen im Kamme und danach der
Kamm selbst; als Sammelwort, Gesamtheit von Rohrstengeln,
Menge zusammen wachsender Nohrpflanzen:
ein röhricht und braunkolbiges ried Voß Lnise 1, 695;
schnitt ich mir flöten nus dem riedc hier Platen
Gasel. 65; Fläche, wo solche wachsen: das ror im ried
Fischart Bienk. 17.15; gelaugte sic endlich zu einem
keuehten ried Goethe 15, 213; Name einer bestimmten
Gegend: aus dem Nördlinger ried Garg. 97. — Zusammensetzungen:
Niedgras, n. Bezeichnung mehrerer
dem Rohre ähnlicher Grasarten: d#gg, carer, salsnca,
ulva rietgras Die s.; ins riedgras rann scin goldgelock
Strachwitz Ged. 138. — RNiedhen, n. wie
riedgras.
Niefe, k. flache Rinnc, schmale Furche in einem
Gegenstand; ursprünglich niederdeutsches Wort, ver-