398 Fraukttih. (Febr. 20-27.)
beharrt jedoch auf seinem Beschlusse, kann es aber nur, indem er
sich dazu bequemt, die Summe einem der öffentlichen Wohlthätigkeitsbureaux
zur Vertheilung zu übergeben.
20. Februar. Kammer: Berathung der Amrestievorlage.
Andrieux berichtet über die Beschlüsse der Commission, welche die
Vorlage mit geringen Modificationen acceptirt, mit denen sich die
Regierung einverstanden erklärt hat. Louis Blanc fetzt der Vorlage
seinen Antrag auf eine vollständige Amnestie entgegen, der jedoch
mit 363 gegen 105 Stimmen abgelehnt wird. Die Vorlage der
Regierung wird dagegen mit 340 gegen 99 Stimmen angenommen.
Der Justizminister Le Royer brandmarkt lebhaft die Commune, welche
nicht ein durch besondere Verhältnisse hervorgerufener Ausbruch, sondern eine
lange vorbereilete sorialistische Bewegung gewesen sei, eine Bewegung unter
erschwerenden Umständen, im Angesichte des Feindes. Es sei unmöglich, solchen
Empörern Amnestie zu bewilligen, welche den Anspruch erheben, die
Commune wieder herzustellen, und Akte, für welche sie verurtheilt worden,
clorificiren. Es sei unwahr, daß die Mehrheit der öffentlichen Meinung
einer vollen Amnestie günstig sei. Die Bevölkerung des Landes weise dieselbe
zurück, er (der Minister) würde eine allgemeine Amnestie nicht annehmen,
selbst wenn die überwältigende Mehrheit der öffent lichen Meinung diejelbe
forderte, und die Pflicht der Abgeorducten wäre es, die Regierung in
diesem Widerslande gegen die öffentliche Meinung zu unterstützen, wenn sie
das Bewußtsein haben, daß die Regierung Recht hat. Uebrigens schließe
die Vorlage nur 1150 Individuen von der Amnestie aus, und diesen selbst
könne späler auch Gnade zu Theil werden. Der Justizminister beschwört
schließlich die Kammer, daß sie der Regierung ihr Vertrauen nicht versage.
22. Februar. Kammer: Wahl des Budget-Ausschusses. Zum
Präsidenten (bisher Gambetta) wird Brisson (von der Fraction der
republikanischen Union) gewählt. Die Mehrheit des Ausschusses ist
für die Conversion der 5% Rente. Der Finanzminister Loon Say
spricht sich jedoch in der ersten Sitzung des Ausschusses gegen die
Maßregel als z. Z. nicht opportun aus.
24. Februar. Beginn der Verwickelung in Aegypten. Frankreich
geht in dieser Angelegenheit mit England Hand in Hand.
Beide senden Kriegsschiffe dahin. (s. das Weitere unter Aegypten.)
26. Februar. Der Polizeipräfect von Paris Alb. Gigot gibt
Angesichts der an den Tag gekommenen schweren Gebrechen seiner
Verwaltung seine Entlassung ein. Der Minister des Innern,
v. Marcdre, dessen Ansehen ebenfalls durch diese Vorgänge nicht
wenig gelitten hat, soll die Kammern durch eine besondere Erklärung
zufrieden zu stellen suchen.
27. Februar. Der bonapartistische Prätendent, Prinz Louis
Napoleon, schifft sich in England nach Südafrika ein, um an dem