Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

Fortschrittliche  Volkspartei  —  Frankreich

Fortschrittliche  Volkspartei.  Die  Reichstagsscaktion
  der  F.u  V.  erklärte  Aug.  1915,  sie  halte  es  für
unbedingt  geboten,  das  Reich  durch  militärische  und
wirtschaftliche  Maßnahmen  wie  durch  notwendige  Gebietserweiterungen
  für  die  Zukunft  zu  sichern  und
für  den  Fraedüchen  Wettstreit  der  Bölker  Bedingungen
zu  schaffen,  die  die  Entfaltung  der  vollen  Kraft  des
deutschen  Volkes  gewährleisten.  Am  19.  Juli  1917
trat  die  F.  V.  der  Juliresolution  (s.  d.)  des  Reichstags
bei  und  bildete  mit  Zentrum  und  Sozialdemokratie
die  Reichstagsmehrheit,  die  seitdem  die  Regierung  beherrschte.
  Der  Abg.  v.  Payer  von  der  F.  u  V.  wurde
2.  Nov.  Vizekanzler.  Nach  der  Revolution  ging  die
F.  V.  in  der  Deutschen  demokratischen  Partei  auf.

Vossalta  di  Piave,  ital.  Ort  in  der  Provinz  Benedig-
  nahe  dem  Piave,  war  16.  Juni  1918  übergangseines
  Teiles  der  österr.-ungar.  Armee  Wurm
und  17.—22.  Juni  Schauplatz  wechselvoller  Kämpfe.

öotscha,  Stadt  in  Bosnien,  s.  Fota.
onreaug-Wald,  Juli  1916  in  der  Sommeschlacht
  heiß  umkämpft;  vgl.  Bd.  II,  S.  216.

Fourie,  Josef  Johannes,  Burenkommandant,
Oberleutnant,  nahm  am  Aufstand  der  Buren  gegen
die  Engländer  1914  teil,  wegen  Landesverrats  zum
Tode  verurteilt  und  91.  Dez.  1914  erschossen.

Fäurust.  dArtige,  franz.  Admiral,  s.  Artige.

auchet  d''Esperey,  Louis  Félix,  franz.  General,
  geb.  1850  in  Lons-le=  Saunier,  1908  Brig.-,
1911  Div.-General,  bei  Kriegsausbruch  Führer  des
1.  Korps  in  Lille,  befehligte  die  5.  Armee  in  der  Marneschlacht
  und  kämpfte  in  Frankreich  bis  zu  seiner  Ernennung
  zum  Oberbefehlshaber  der  Orientarmee  in
Saloniki  Juni  1918.  F.  leitete  die  Offensive  gegen
die  bulgar.  Front  (Sept.  1918),  schloß  den  Waffenstillstand
  mit  Bulgarien,  später  mit  Ungarn,  zog
1.  Nov.  1918  in  Belgrad  ein  und  wurde  Oberbefehlshaber
  der  alliierten  Truppen  gegen  die  füdrussischen
und  ungarischen  Kommunisten.  Mai  1919  wurde  er
nach  Odessa  geschickt.

ancçois,  Hermann  von,  preuß.  General,  geb.
31.  Jan.  1856  in  Luxemburg,  1901  Chef  des  Generalstabes
  des  4.  A.-K.,  1903  Oberst,  1911  Generalleutnant,
1918  Kommandcurdes  1.  A.-K.,  zu  Beginn  des  Krieges
Führer  der  ostpreuß.  Grenztruppen,  in  der  Schlacht
bei  Tannenberg  des  rechten  Flügels  der  Armee  Hindenburg,
  Okt.  der  8.  Armee,  Febr.  1915  als  Führer  des
41.  Res.-Korps  an  der  Abwehr  der  franz.  Durchbruchsversuche,
  April  am  Durchbruch  bei  Gorlice-Tarnow
beteiligt,  eroberte  2.  Mai  Gorlice  und  bezwang  die
Nordfront  von  Przemyysl,  in  das  er  3.  Juni  einzog.
1916—18  war  F.  als  Kommandeur  des  7.  A.-K.  Führer
  des  Abschnitts  an  der  Maas  westlich  von  Verdun
(Kämpfe  um  den  „Toten  Mann=  und  die  Höhe  304).
F.  schrieb:  „Zusammenbruch  großer  Heere=  (Berl.
1919).  —  Bild  s.  Bd.  II  bei  S.  194.

Franuc  Port,  Ort  im  franz.  Dep.  Oise,  bei  Compiègne,
  wo  11.  Nov.  1918  die  Waffenruhe  zwischen
Deutschland  und  der  Entente  abgeschlossen  wurde.

Fraunk,  Liborius,  Ritter  von,  österr.-ungar.
General,  geb.  5.  Okt.  1848  in  Spalato  (Dalmatien),
1892  Oberst,  1903  Feldmarschalleutnant,  1908  Feldzeugmeister
  und  komm.  General  des  7.  Korps  (Temes-—
  1910  Armeeinspektor,  bei  Kriegsausbruch  Führer
der  5.  Armee  an  der  Drinafront,  nahm  2.  Nov.  1914
Schabatz  im  Sturm,  zog  2.  Dez.  in  Belgrad  ein,  das
**  14.  Dez.  wieder  geräumt  wurde.  Unmittelbar

arauf  wurde  F.  seines  Kommandos  enthoben.

Franke,  deutscher  Offizier,  1888  Leutnan,,  seit  1896

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in  der  Schutztruppe  für  Deutsch-Südwestafrika,  1913
deren  Komm.,  1915  Oberstleutn.—  Bild  s.  bei  S.  215.
Frankreich.  Die  franz.  Politik  vor  dem  Kriege
(vgl.  Bd.  I,  S.  96  ff.  u.  Bd.  II,  S.  325  u.  327)  war.
ebenso  wie  besonders  im  Kriege  selbst,  auf  die  =  Revanche«
  eingestellt;  die  seit  1900  mit  dem  neuen  F.=sich
  verbindende  „Neorevanche  war  die  Mache  weniger
  machtgleriger  Politiker.  Sie  stellten  die  panlateinische
  Lehre  Barres',  die  Glut  des  Neukatholizismus,
  der  die  bonne  Lorraine,  die  bis  dahin  als
hysterisch  verschriene  Jungfrau  von  Orleans,  wieder
in  den  Mittelpunkt  der  Verehrung,  die  Ideen  von  der
französischen  „Kulturmission,  von  der  rnatürlichen
Grenze-,  der  ehistorischen  Grenze-,  vom  politischen
Gleichgewicht-,  vom  Plebiszit  (das  1871  in  Elsaß-Lothringen
  nicht  angerufen  worden  sei)  in  den  Dienst
ihrer  skrupellosen  Parteipolitik,  deren  erstes  Ziel  die
Vernichtung  des  mit  dem  Sndikaligmus  verbündeten
Pazifizismus  und  deren  zweites  Ziel  der-Krieg  war.
Poincaré  und  Delcassé  führten  hüben,  Jaures  und
Caillaux  drüben.  Jaures  starb  durch  die  Kugel  eines
Fanatikers  (31.  Juli  1914;,  sein  Mörder,  Villain,  wurde
80.  März  1919  freigeprocheng,  Caillaux  ging,  als  Defaitist
  verfolgt,  ins  Gefängnis,  ihre  Anhänger  aber  erlagen
  zum  großen  Teil  der  Psychose  der  »nationalen
Einheite,  der  nationalen  Sammlung-  s  sacre).
So  erwuchs  aus  Haß  u.  Liebe  eine  Geistesverfassung,
die  jede  Verständigung  ausschloß,  jede  Selbstbesinnung
ertötete  u.  jeden  =  Defaitismus  als  Verrat  verfolgte.
Der  Eintritt  der  breiten  Massen  in  den  Krieg  war
zögemnd:  erst  die  furchtbare  Gefahr,  die  in  den  Tagen
t  Marneschlacht  Sept.  1914  erstand,  ließ  in  der  Nation
  den  Entschluß  zur  Hingabe  ans  Ganze  reifen.  Die
Kammerwahlen  vom  26.  April  1914  waren  ein  Erfol
der  Radikalen  gewesen,  die  23  Sitze  gewannen.  Au#
das  Kabineit  Doumergue  war  4.  Juni  1914  ein  Kabinett
  Ribot  gefolgt,  13.  Juni  ein  Kabinett  Biviani,
das  sich  am  3.  Aug.  unter  dem  Eindruck  des  Kriegsbeginnes
  in  ein  Konzentrationskabinette  umwandelie.
General  Joffre  wurde  Generalissimus  der  Armeen  in
Frankreich.—  Die  öffentliche  Meinung  war  vor  allem
b  cht  von  dem  Streit  um  die  Einführung  der  dreijährigen
  Dienstzeit;  noch  am  7.  Juli  wurde  in  der  Deputiertenkammer
  die  Wiedereinführung  der  zweijähr.
Dienstzeit  beantragt,  und  Senator  hundert  griff  am
selben  Tage  in  aufsehenerregenden  Enthüllungen  die
schlechte  Rüstung  des  Staales  an.  Die  unglückliche
Einleitung  des  Feldzugs  erhöhte  zunächst  noch  die  allgemeine
  Nervosität.  Das  am  26.  Aug.  neugebildete
abinett  Viviani  verlegte  am  3.  Sept.  den  Sitz  der
Regierung  nach  Bordeaux,  von  wo  sie  erst  am  8.  Dez.
noh  Paris  zurückkehrte.  Die  Sozialisten  spalteten
sich  am  5.  Sept.  bereits  in  zwei  Gruppen,  als  sich  die
Syndikalisten  gegen  die  von  Guesde  geforderte  Massen.
erhebung  wider  den  Feind  aussprachen.  Nach  dem
Rückzug  der  Deutschen  von  der  Marne  an  die  Aisne
vollsog  sich  allmählich  jene  nationale  Sammlung,  die
bis  Kriegsende  die  französische  Nation  zusammenhielt.
Auch  das  Jahr  1915  brachte  mehrfache  Ministerwechsel.
  Wegen  Meinungsverschiedenheiten  mit  dem
Ministerrat  trat  am  12.  Okt.  der  Minister  des  Auswärtigen,
  Delcassé,  zurück;  obwohl  das  Ministerium
Viviani  nach  einer  Interpellation  hierüber  die  Kammermehrheit
  für  sich  hatte,  machte  es  doch  am  29.Okt.
einem  Kabinett  Briand  Platz.  Das  vielgeschmähte
Eiserne  Kreuz  wurde  durch  Stiftung  eines  Kriegskreuzes
  nachgeahmt;  außerdem  wurde  für  die  entlassenen
  Mannschaften  23.  Sept.  eine  Kriegsdenk-