Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

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mũnze«  gestiftet.  Am  3.Dez.  1915  wurde  Joffre  zum
Generalissimus=  aller  nationalen  franz.  Armeen  ernannt.
  Gegen  Jahresende  fanden  eine  ganze  Reihe
von  engl.-franz.  Konferenzen  auf  franz.  Boden  statt.

Im  Hennar  1916  wurde  die  Pariser  Ententediplomatie
  zu  einer  dauernden  Konferenz  unter  Leitung
F.s  zur  gemeinsamen  Beratung  der  Außenpolitik  zusammengefastt.
  Vom  10.—12.  Febr.  weilte  Briand
in  Nom,  um  eine  engere  Zusammenarbeit  mit  Italien
zu  erreichen,  hatte  aber  keinen  Erfolg.  Am  12.  März
tagte  ein  Kriegsrat  der  Entente  im  franz.  Hauptquartier,
  und  es  folgte  26.—28.  März  die  große
Pariser  Ententekonferenz.  Vom  27.—29.  April
tagte  die  zweite  interparlamentarische  Entente-Wirtschaftskonferenz
  (Rußland  und  Japan  waren  nicht
vertreten)  und  am  14.—17.  Juni  die  Pariser
Wirtschaftskonferenz,  auf  der  sämtliche  alliierten
Staaten  vertreten  waren;  der  franz.  Ministerrat  trat
den  Beschlüssen  dieser  Konferenz  am  27.  Juni  bei.
Weitere  Ententekonferenzen  auf  franz.  Boden  führten
dem  leicht  zu  beeindruckenden  Volk  vor  Augen,  daß  F.
die  Seele  der  Entente  war.  Als  die  Anforderungen
an  das  Menschenmaterial  enorm  stiegen,  wurde  ein
militärischer  Vorbereitungsdienst  der  Sechzehnjährigen
eingeführt  (Mai  1916),  im  Dez.  ein  Gesetz  über  die
Mobilisierung  der  Zivilisten  nach  dem  Beispiel  des
deutschen  Hilfsdienstgesetzes  eingebracht.  Die  Erbitterung
  gegen  den  Feind  wuchs  angesichts  dieser
Lasten  ins  Ungemessene,  und  die  Opposition  in  der
Kammer  stieg  auf  160  Stimmen.  Angesichts  dieser
Mißstimmung  trat  das  Kabinett  zurück  und  bildete
sich  am  12.  Dez.  unter  Briand  (Lorit  u.  Außeres)
neu.  Auch  Joffre  wurde  13.  Dez.  von  seinem  Posten
als  Generalissimus  enthoben  und  Nivelle  mit  dem
Kommando  über  die  Nord-  und  Ostfront  betraut,  der
Oberbefehl  aufgelöst.  Für  die  Kriegswirtschaft
wurde  der  gesamte  Schiffsraum  beschlagnahmt;  Einfuhrverbote
  u.  Höchstpreise  wurden  erlassen  sowie  ein
Zentralverpflegungsamt  errichtet.  Der  Bestreitung
des  sich  dauernd  erhöhenden  Zinsendienstes  dienten
Kriegsgewinnsteuer,  Kriegssteuer  für  Nichtmobilisierte,
Erhöhung  der  Posttaxe,  der  Konzert-,  Theater=  und
Kinosteuer,  der  Tabakpreise,  der  Einkommen-,  Mobiliar-,
  Wein.,  Most=  u.  Biersteuer  sowie  neue  Hunde-,
Kaffee-,  Tee=  und  Gewersstenern

Da  die  wichtigsten  Kohlenbezirke  in  den  Händen
der  Deutschen  waren  und  die  engl.  Einfuhr  außerordentlich
  zurückging  und  zudem  ungeheuer  im  Preise
stieg,  ergingen  Febr.  1917  durchgreifende  Maßnahmen
in  der  Bewirtschaftung  der  Kohlen.  Am  4.  April
wurden  sämtliche  requirierten  Fabriken  unter  die
Kontrolle  des  Munitionsministers  gestellt  und  die
Abgabe  von  10  bis  zu  60  Proz.  ihrer  Gewinne  an  den
Staat  verordnet.  Nach  jahrelangem  Kampf  erteilte
am  11.  Mai  der  Senat  endlich  der  seit  1907  umsstrittenen
  Finanzreform  Caillaux  ihre  Zustimmung,
durch  die,  unter  Wegfall  der  Personen.,  Möbel-,  Türund
  Fenstersteuer  (Zustimmung  der  Kammer  hierzu
am  16.  Juli;  durchgeführt  unterm  1.  Jan.  1918),
eine  Einkommensteuer  eingeführt  wurde  (560—80proz.
Kriegsgewinnsteuer,  Erbschaftssteuer,  Schenkungssteuer,
  Quittungs-  u.  Luxussteuer).  Angesichts  der
Kriegskosten  erteilte  der  Senat  am  31.  Mai  seine  Zustimmung
  zu  einer  öproz.  Sondersteuer  auf  außerordentliche
  Kriegsgewinne.  Am  30.  Sept.  wurde  die
Einführung  einer  Kontrolle  der  Handelsflotte  angeordnet.
  Nach  langen  Verhandlungen  kam  am  5.  Sept.
ein  Wirtschaftsabkommen  mit  der  Schweiz  zustande.

Frankreich

Dem  großen  Mannschaftsmangel  aufzuhelfeu
diente  eine  am  4.  Febr.  1917  beschlossene  neue  Durchmusterung
  u.  vor  allem  die  Durchführung  des  vaterländischen
  Hilfsdienstes  am  14.  Febr.  Anläßlich  einer
Interpellation  über  den  Flugdienst  trat  am  14.  März
Lyautey  als  Kriegeminister  zurück;  da  sich  kein  Nachfolger
  für  sein  Amt  fand,  demissionierte  am  17.  das
ganze  Kabinett,  u.  Ribot  bildete  unter  Hinzuziehung

er  Opposition  ein  =  Ministerium  der  patriotischen
Vereinigunge.  Am  27.  Märzstimmte  die  Deputiertenkammer,
  am  30.  März  der  Senat  der  Einstellung  des
Jahrgangs  1918  zu.  Die  Rivalität  zwischen  Generalstab
  und  Kriegsministerium  wurde  am  12.  Mai  durch
eine  Neuabgrenzung  ihrer  Kompetenzen  beseitigt.  An
Stelle  des  -Blutsäufers  (buveur  de  sang)  Nivelle
wurde  am  16.  April  Peétain  mit  dem  Oberbefehl  betraut,
  sein  Stabschef  wurde  am  28.  Juni  Vidalen:
Foch  wurde  Generalstabschef  des  Kriegsministers.  Die
Errichtung  einer  poln.  Armee  unter  General  Haller
in  F.  am  4.  Juni  verfolgte  wohl  mehr  politische  als
militärische  Zwecke.  Am  29.  Juniforderte  die  Kammer
die  Abordnung  von  je  drei  Abgeordneten  zu  jeder
Armee  als  parlamentarische  Kontrollkommission.  —
Es  machte  sich  eine  große  Kriegsmüdigkeit  breit.
deren  Bekämpfung  u.  Niederhaltung  die  ganze  brutale
Energie  der  Leute  um  Poincaré  erforderte.  Am  19.
Jan.  spaltete  sich  die  soz.  Partei  endgültig  in  die  der
Revancheidee  anhängenden  Kriegsverlängerer  und  die
friedensfreundlichen  Syndikalisten.  Daß  die  soz.  Partei
  dann  am  7.  Mai  beschloss,  die  internationale  soz.
Konferenz  in  Stockholm  nicht  zu  besuchen,  kounte
nicht  über  die  Tatsache  einer  erfolgreichen  Friedensdrop
  aganda  hinwegtäuschen.  Ein  Gesetzentwurf,

er  sie  mit  Stumpf  und  Stiel  ausrotten  sollte,  wurde
dann  auch  am  26.  Junieingebracht.  Gleichzeitig  schritt
die  Regierung  zur  Tat  und  ließ  den  Direktkor  des
friedensfreundlichen  „Bonnet  rouge,  Almereyda,
verhaften;  sein  rätselhafter  Tod  im  Gefängnis  am  14.
Aug.  brachte  den  Minister  des  Innern  Malvy  in  den
Verdacht,  die  Ermordung  veranlaßt  zu  haben,  um
einen  unangenehmen  Zeugen  loszuwerden;  Malvy
trat  darauf  am  1.  Sept.  zurück,  worauf  das  ganze
Kabinett  Ribot  am  7.  Sept.  demissionierte.  Da  Ribot
mit  den  Sozialisten  nicht  unter  einen  Hut  kommen
konnte,  bildete  Painlev  am  12.  Sept.  ein  Ministerium
  ohne  deren  Hilfe.  Elf  Unterstaatssekretäre
wurden  ernannt  und  ein  Kriegskomitee  eingesetzt.
Am  1.  Okt.  wurde  Bolo  Pascha  verhaftet,  weil  er  nach
amerikan.  Mitteilung  1916  von  der  Deutschen  Bank
1,6  Mill.  Dollar  achalten  hatie.  Am  16.  Okt.  interpellierte
  die  Kammer  über  den  Fall  Malvy;  das  Kabinett
  demissionierte,  Poincaré  lehnte  aber  ab,  nur
Ribot  machte  am  23.  Okt.  einem  neuen  Minister  des
Außern,  Barthou,  Platz.  Am  10.  Okt.  wurde  der  Präsident
  des  Appellationsgerichtshofes  Monnier  seines
Amtes  entsetzt,  weil  er  für  Bolo  eingetreten  war.
Am  13.  Nov.  lehnte  die  Kammer  nun  Painlevés  Ersuchen
  um  Verschiebung  einer  Interpellation  über  die
Politik  der  Regierung  ab,  worauf  er  endgültig  zurücktrat.
  Der  »alie  Tigere  Clemenceau  übernahm  als
Kriegsminister  die  Neubildung  des  Kabinetts.  Am
29.  Nov.  verwies  die  Kammer  Malvy  vor  einen  Ausnahmestaatsgerichtshof.
  —  Die  Ententebeziehungen
F.s  wurden  1917  in  erster  Linie  durch  den  Beitritt
der  Ver.  Staaten  von  Nordamerika  bestimmt;  sie  als
neue  Verbündete  zu  begrüßen,  wurde  April  eine  aus
Viviani,  Joffre  usw.  bestehende  außerordentl.  Gesandtschaft
  entsandt.  Nach  weiteren  Ententekonferenzen