118 Auf den Kriegsschauplätzen
deutscher Seite. Nachdem zunächst die Absperrung zwischen Frankreich
und Belgien aus diesem Grunde aufgegeben werden mußte, verringerte
sich auch die Zahl und der Wert der an der Grenze zwischen Holland
und Belgien absperrenden Truppen. Immer mehr mußte deshalb zu
technischen Mitteln der Grenzabsperrung gegriffen werden. Es wurde
ein dreifacher hoher Drahtzaun errichtet. Der mittelste war an besonders
gefährdeten Stellen mit einem elektrischen Starkstrom geladen.
Anschläge warnten die Bevölkerung davor, den Zaun zu berühren, der
nur in großen Zwischenräumen von alten Landsturmleuten bewacht
wurde. Trotz aller Aufsicht, Warnung und Gefahr bildete auch dies
kein Hindernis. Die Beauftragten des feindlichen Nachrichtendienstes
erfanden Mittel und Wege, die Zäune zu durchbrechen. Sie überstiegen
sie mit Leitern und überwanden auch den elektrisch geladenen Zaun, indem
sie mit Gummistiefeln, Gummiwesten, Gummihandschuhen geschützt
und mit Gummirahmen zum Auseinanderspannen der Drähte
oder mit durch Gummi isolierten Leitern zum Ubersteigen ausgerüstet
waren. Auch war das Untergraben und Unterkriechen ein einfaches
Mittel. Fast täglich fanden sich tote Agenten, die bei Anwendung ihrer
Schutzmittel nicht sachgemäß verfahren waren und den Verbrennungstod
erlitten hatten. Auch die altten Landsturmleute waren nicht immer
gegen die Bitten anscheinend harmloser Grenzbewohner standhaft. Vielfach
aus Gutmütigkeit, aber vielfach auch bestochen durch hohe Geldbeträge
und die immer verführerischer werdenden Lebensmittel, wurden
sie unzuverlässig, sodaß sie nach kurzer Wachtzeit abgelöst oder an eine
andere Stelle der Grenze versetzt werden mußten. Jeder Wechsel aber
verminderte wiederum die Orts= und Personenkenntnis des Wachtpersonals.
Es zeigte sich eben, daß eine Landgrenze in Feindesland mit
keinen Mitteln hermetisch abgeschlossen werden kann.
Immerhin staute sich vor dem Hindernis der Grenze der Strom der
durch Belgien entweichenden feindlichen Heerespflichtigen, Kriegsgefangenen,
abgesetzten Flieger und Spione. Auch zahlreiche deutsche Deserteure
wurden am Uberschreiten der Grenze verhindert und damit dem
Gegner diese Nachrichtenquelle vermindert.
In Nordfrankreich und Belgien hatten sich für diese Elemente ganz
bestimmte Marschrouten gebildet, je nachdem einzelne Organe des Nachrichtendienstes
oder ganze Ortschaften ihr Treiben begünstigten. Der
deutsche Abwehrdienst hatte kein sonderliches Interesse daran, diese