Full text : Vaterländisches Ehrenbuch II. (2)

Zum  Sturm  und  zur  See.  207

geben;  doch  auch  die  böse  zugerichteten  dänischen  Schiffe  sahen  sich  genötigt,
zur  Ausbesserung  ihrer  Schäden  die  Küste  von  Norwegen  aufzusuchen.

Daß  das  kleine  Dänemark  den  verbündeten  Waffen  Preußens  und  Osterreichs
  auf  die  Dauer  nicht  widerstehen  werde,  war  von  vornherein  vorauszusehen
  gewesen.  Aber  so  schnelle  und  glänzende  Erfolge,  wie  sie  die  deutschen
Waffen  errangen,  hatte  man  angesichts  der  starken  Verteidigungsstellung  der
Dänen  doch  nicht  erwartet.  Und  gern  sah  man  diese  Erfolge  in  London  und
Paris  gerade  nicht.  Aber  was  half's?  Den  beiden  siegreichen  Großmächten
jetzt  noch  wirksam  ein  Halt!  zu  gebieten,  ging  nicht  gut  an,  dazu  fehlte  es  auf
Seiten  der  stillen  Gegner  Preußens  und  Osterreichs  an  den  erforderlichen
militärischen  Vorbereitungen.  England  und  Frankreich  begnügten  sich  deshalb,
einen  schon  früher  gemachten  Konferenzvorschlag  zur  Beilegung  des  Streites
und  zur  Lösung  der  schleswig-holsteinischen  Frage  jetzt  nachdrücklicher  zu  befürworten,
  und  diesen  Vorschlag  abzulehnen,  lag  für  Preußen  und  Osterreich
um  so  weniger  Grund  vor,  nachdem  der  Waffenehre  vollauf  Genüge  geschehen
  war.  Ein  ebenbürtiger  Gegner  für  die  beiden  Großmächte  war  ja
das  kleine  Dänemark  nicht,  und  durch  die  Ablehnung  jedes  Versuches,  dem
weiteren  Blutvergießen  durch  eine  friedliche  Verständigung  Einhalt  zu  thun,
hätten  Osterreich  und  Preußen  vor  der  öffentlichen  Meinung  des  übrigen
Europas  sich  leicht  ins  Unrecht  setzen  können.  Die  beiden  Großmächte  erklärten
sich  also  zur  Beschickung  der  in  London  abzuhaltenden  Friedenskonferenz  bereit
und  willigten  zugleich  in  einen  Waffenstillstand  für  die  Zeit  vom  12.  Mai
bis  26.  Juni.

In  Deutschland  freilich  wurde  die  Nachricht  von  der  Konferenz  und  von
dem  Waffenstillstand  anfänglich  mit  Mißtrauen  aufgenommen.

„Da  habt  ihr  den  Anfang  vom  Ende,  welches  auf  das  hinauslaufen
wird,  was  die  früher  angeblich  zu  gunsten  der  Herzogtümer  geführten  Kriege
bewirkten!“  So  ward  vielfach  geklagt,  als  die  Nachricht  hiervon  durch  das
Land  ging.  Aber  sowohl  die  Freunde  wie  die  Gegner  einer  friedlichen  Verständigung
  hatten  nicht  mit  der  Halsstarrigkeit  Dänemarks  gerechnet,  welches
die  von  England  in  Vorschlag  gebrachte  Teilungslinie  Apenrade-Tondern  entschieden
  verwarf.  Nun  gelang  es  der  preußischen  Regierung,  Osterreich  zur
Unterzeichnung  einer  Erklärung  zu  bewegen  des  Inhalts,  daß,  da  durch  Verschulden
  Dänemarks  noch  größere  Opfer  zu  bringen  seien,  die  Verbündeten
sich  nunmehr  nicht  mehr  an  das  Londoner  Protokoll  gebunden  erachteten
und  sich  nur  noch  mit  einer  völligen  Trennung  der  Herzogtümer  von  Dänemark
  zufrieden  geben  würden.

Da  sich  die  Dänen  auf  nichts  einlassen  wollten,  hob  am  26.  Juni,  nach
Ablauf  der  Waffenruhe,  der  Krieg  aufs  neue  an.  Wiewohl  die  bisherigen
Siege  der  Verbündeten  die  Dänen  vom  Festlande  vertrieben  hatten,  war
dadurch  doch  der  dänische  Trotz  noch  nicht  gebrochen.  Der  Feind  dünkte  sich
auf  den  Inseln  unangreifbar  und  zog  seine  Hauptkräfte  auf  der  deutschen
Insel  Alsen  zusammen.