Full text : Leitfaden der Preußischen Geschichte.

großen  Kampf  vermeiden  wollte,  so  mußte  Joseph  II.  nachgeben;
der  Friede  zu  Teschen  (1779),  in  welchem  die  Ssterreicher
Bayern  mit  Ausnahme  eines  Grenzstrichs  am  Inn  wieder  herausgaben,
  beendete  diesen  Bayrischen  Erbfolgekrieg;  zu  einer
Schlacht  war  es  nicht  gekommen  („Kartoffelkrieg“).  1785  rettete
Friedrich  den  Wittelsbachern  Bayern  noch  einmal;  denn  da  Kaiser
Joseph  seine  Umtriebe  erneuerte,  so  vereitelte  Friedrich  dieselben,
indem  er  die  Fürsten  fast  aller  deutschen  Mittel=  und  Kleinstaaten
veranlaßte,  sich  mit  ihm  zu  einem  Bunde  zu  vereinigen,  dem
„Deutschen  Fürstenbunde,“  der  unter  Preußens  Führung  die
Aufrechterhaltung  des  Bestehenden  im  Reiche  bezweckte,  worauf
dann  der  Kaiser  von  seinem  Plane  abstand.  »
So  blieb  Friedrich  der  Große  bis  zuletzt  Osterreich,  das
er  für  Preußens  natürlichen  Widersacher  erklärte,  überlegen.
Donnerstag  am  17.  August  1786  starb  der  König,  nachdem
er  46  Jahre  lang  und  selbst  in  der  Krankheit,  die  zumal  sein
Greisenalter  quälte  (Gicht,  Wassersucht),  seine  Arbeit  nicht  einen
Tag  versäumt  hatte.  „Wann  wird  wieder  ein  so  großer  König
das  Zepter  führen?"  sprach  sein  Feind,  Fürst  Kaunitz  in  Wien.
Friedrich  der  Große  hinterließ  den  Staat  von  2145  Quadratmeilen
  und  2½  Millionen  Einwohner  auf  3524  Quadratmeilen
und  5⅝  Millionen  Einwohner,  die  Einkünfte  von  7  auf
20  Millionen  Taler,  das  Heer  von  83  000  auf  200  000  Mann
vergrößert  und  einen  Schatz  von  55  Millionen  Taler.  Er  hat
Preußen  zu  einer  Großmacht,  die  Schlesier  und  Westpreußen  zu
Preußen,  die  Preußen  zu  einer  weltberühmten  Nation  gemacht.
Das  polnische  Reich  vor  1772  hatte  keine  nationale  Einheit;
von  seinen  13  Millionen  Einwohnern  auf  13000  Quadratmeilen
waren  nur  etwa  5  Millionen  Polen,  die  der  Hauptmasse  nach
an  der  oberen  und  mittleren  Weichsel  und  Warthe  saßen.  Den
weiten  Osten  hatten  im  Süden  zwischen  San  und  Dujepr  russische
Stämme,  im  Norden  zwischen  Narew  und  Düna  Litauer  inne;
im  Nordwesten,  an  der  unteren  Weichsel  bildeten  Deutsche  die
Mehrzahl.  In  der  Kultur  hinter  den  Deutschen,  im  Staatswesen
  auch  hinter  den  Russen  weit  zurückgeblieben,  hatten  die
Polen  zur  Beherrschung  fremder  Völker  keinen  Beruf,  zur  Behauptung
  ihrer  eigenen  Unabhängigkeit  nicht  die  Kraft.
Durch  die  erste  Teilung  Polens  riß  Friedrich  ein  deutsches
Land  aus  der  Gewalt  des  Slawentums,  rettete  Westpreußen  vor
der  Polonisierung,  der  es  zum  Teil  bereits  erlegen  war.  Seine