Königreich Sachsen. 371
im Sommerhalbjahr Unterricht halten, sodaß die Schüler nach Belieben
entweder 2 Winterhalbjahre oder ein Winterhalbjahr und ein
Sommerhalbjahr, die sich zu einem l.ehrgang ergänzen, besuchen
können.
Die landwirtschaftliche Kreisschule zu Wurzen hat sogar einen
zweijährigen, aus zwei vollen Jahreskursen bestehenden Lehrgang.
Ein streng einheitlicher Lehrplan besteht nicht; durchschnittlich
nimmt der rein landwirtschaftliche Unterricht etwa 30—35 %/, der
naturwissenschaftliche 20—30 %/,, der Elementar-Unterricht 35—50 ®/y
aller Unterrichtsstunden ein.
Bemerkenswert ist, daß an drei Winterschulen auch Handfertigkeitsunterricht,
namentlich aus dem Greebiete des \Vagner-, Schreiner-,
Sattlergewerbes sowie der Metall- und Flechtarbeiten gegen besonderes
Lehrgeld und für freiwillige Teilnehmer erteilt wird.
Die Schulen haben in ihren Klassen (Kursen) vollständig gctrennten
Unterricht und getrennte I.chraufgabe. Ferner ist zu erwähnen,
daß die sächsischen Winterschulen durchweg mit einer Ausnahme
zwei I.andwirtschaftslehrer, manche sogar mehr, als Haupt-Ichrer
haben, von denen einer zugleich Vorsteher (Direktor) ist.
Im übrigen sind die Schulen keine Staatsanstalten, sondern
staatlich unterstützte Unternehmungen der landwirtschaftlichen Kreisvereine.
Die Schulen zu Bautzen und Chemnitz sind mit drei Gärtnerlehranstalten
verbunden.
Die Gesamtausgaben der 9 Schulen bewegen sich zwischen 6
und 25000 M. pro Jahr und Schule; davon deckt der Staat durchschnittlich
etwa zwei Drittel durch seine Zuschüsse; außerdem
leisten die Kreisvercine und andere Körperschaften namhafte Zuschüsse.
Die an den Schulen wirkenden Landwirtschaftslehrer haben
neben praktischer Ausbildung die erfolgreiche Ablegung mindestens
des einjährig-freiwilligen Examens und der Abgangsprüfung an einer
landwirtschaftlichen Hochschule nachzuweisen; sie beziehen in der
Regel ein Gehalt von 1800-4000 M. Die Direktoren von 3000
bis 5400,
Die sächsischen Winterschulen sind teilweise sehr stark besucht,
sodaß an mehreren Schulen Parallelklassen eingerichtet werden
mußten. Die Sommerhalbjahre sind durchschnittlich schwächer besucht
als die Winterhalbjahre. Die Gesamtschülerzahl sämtlicher
9 Schulen beträgt 624; sie schwankt zwischen den einzelnen Schulen