Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

 

Der  osenhelwer  Anjeig
—  Sonunlagsblatiꝰ  erschelni

kren  ins  Haus  gellefert,  14  Pfg.  monatlich.

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der  Sonnresse:

  Anzeiger  Tiabenihe.  —

 

 

Annahmne  von  Inseraten.  Rellamen  —S—

die  Umnoncen  Erpedition
Echlih  ber  Inseruten-  Anmapme  1  Uhr  mrtiags.  E—————

Die  seutige  Uummer  umfaßt  6  Seiter.

leues  vom  Luge
18.  Juni.

In  der  Bahnstation  Rosenheim  sind  umfangreiche
  Fahrkartenfälschungen  aufgedeckt  worden,
  die  schon  Jahre  zurückgreifen.  Ein  Eisen,
bahnsekretär  und  ein  Buchdruckergehilfe  in
München  sind  verhaftet  worden.

4  ·

 

—

Die  Denukschrift  über  die  Neuregelung  der  Gehaltsverhältnisse
  des  Volksschullehrpersonals
in  Bayern  ist  ietzt  dem  Landtag  zugegangen.

a

Verheerende  Gewitter  lind  abermals  über  Württemberg
  und  Hessen  niedergegangen.  Sie
hatten  große  Schäden  im  Gefolge.

In  Albanien  lind  neue  cesechte.  mit  den  Aufständischen
  im  Gange.  Teils  wird  von  Erfolgen
  der  Regierungstruppen  berichtet,  teils
sollen  die  Miriditen  geschlagen  worden  sein.

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I
Nudek»chwctkIstunncucswahrthcschbc
schlossen  worden,  welches  den  Jehnstundentag
bringt.

Aus  dem  Neulamtsbetrieb.

Kammer  der  Abgeordneten.
München,  17.  Juni.

Die  Elnwilligung  zur  Einleitung  von  Strafversahren
  gegen  die  Abgg.  Eisenberger  (#bd.)
und  Candorfer  (Bbd.)  wegen  Beleidigung  wird
während  der  Dauer  der  Landtagsversammlung
versagt.  Dann  wurde  die  Beratung  des  Finanzetats
  beim  Kapitel  „Nentämter“  fort.
gesetzt,  über  das  man  nicht  hinauskam.  Zehn
Redner  aller  Parteien  brachten  hier  Wünsche,
Balchwerde  und  Anregungen  vor.

Die  sämtlichen  Redner  aus  dem  Hause  spraihen
  dabei  über  die  seit  langem  bestehenden
Klagen  über  die  Verhältnisse  des  Rentamtsversonals;
  besonders  die  Zurücssetzung  der
dientamtsdiener  hinter  die  Gerichtsvollzieher,
———

herrscher  Geikl.

Noman  von  W.  Magnay.

„Noch)  einen  Augenblick,  lieber  Rudolf!  Es
isl  noch  nicht  so  lange  her,  daß  ich  dich  im
Scherze  vor  der  Komtesse  Sabine  von  Nobnstein
warnte.  Heute  —  heute  wiederhole  ich  diese
Warnung  —  und  sie  ist  verteufelt  ernsthaft
gemeint.“

19

Mit  einer  vastben,  unmutigen  Bewegung
i  44  Herter
„Waorum  rennerz  du  immer  wieder  mit
dieser  —  dieser  Einbildung?“  rief  er  heftig.
„Sagte  ich  dir  nicht,  daß  die  Komtesse  mir  nicht
gesährlich  se
„Ja,  so  sagtest  du!“  bestäligte  Raymar  ge-4%
  ich  glaubte  schon  damals  nicht
1n  heute  weißz  ich,  daß  es  die  Wahrheit
  nich
ct  liemmmte  es  in  den  Augen  des  anderen
  Si-Seit
  heute  weißt  du  es!“  sragt  er  tastend.
„Gerade  seit  heute?  Und  darf  ich  fragen,  woher
  du  K  überraschende  Entdeckung  haft?“
§s  deinem  lebhaften  Interesse  für  Botho
von  Adine  lieber  Freund!“
Rudolf  Herter  wurde  leichenblaß  und  taumelte
  um  ein,  paar  Schritte
s  melnem  Interesse  —  vu2  Botho  von
Winterield  I'“  brachte  er  mühsam  beroor.  „Ich
ersuche  dich  n  nähete  Erklärungen
.„Bitte,  nimm  noch  einen  —  Platz!
Und  bleib  vor  allen  Dingen  als,
als  Botho  von  Winterfeld  (rbe  AArirn  die

mir  ganz  gleichgültig,

 

Leute  allertei  ungerantwortiiches  eug,  und  sie
qoqgen  auch  den  Namen  der  Komtesse  mit  hin- 



Nr.  140

Rosenheimer  An

 

1  25

nzeiger

*  19.  Juni  1914

5

 

größeren

h#ett;

 

wird  für  Nosenhe#m
2%  -*  Expeditionen  der  Stadt  entgegengeno  auherdem  nehm
Ortschaften  der  Umgebung  errichteten  —  sowie  alle  Postanstalten  und  sä#mtliche
  Postboten  die  —  für  den  „Rosenheimer  Anzeiger“  an.  —  Dle  einspalicge  50  4%
lle

30  Pfennig;  bei  —*  oder  Zeilenabschlüssen  Nabatt  nach  aufliegendem  —

in  4.  Buchdruckerel  sowie  in
en  die  in  cu.  40

kosstet  10  Pfennig,  die  75  mm  breite  de  im

 

 

Rosenheimer  Tagblakt

Amtliches  Publikakions-Organ.

Haaenstein  à  Bogier  M-O.

mit  denen  sie  doch  sowohl  die  Vorbedingungen
für  das  Amt  als  auch  die  Amtstätigkeit  teilten,
  wurde  beklagt.  Abg.  Schefbe  (Ztr.)  krilisierte
  außerdem  auch  noch  den  Steucrvollzug.
Das  führte  zu  einer  ausgedehnten  Klage  über
die  Praxis  in  der  Frage  der  Doppelbesteuerung.


Abg.  Lämmermann  (Soz.)  forderte  eine  Verbilligung
  und  Reorganisation  in  der  Finanzverwaltung
  und  die  vermehrte  Zuziehung  von
Arbeitern  und  kleinen  Bauern  zu  den  Steuerausschüssen,
  Abg.  Göring  (Ztr.)  wünschte  den
Wegfall  von  Gebühren  bei  Anfragen  beim
Rentamt.  Als  ungerecht  bezeichnete  Abgeordneter
  Schneppenhorst  die  Besteuerung  der
Konsumvereine,  während  Abg.  Lutz  (Bbd.)  insbesondere
  Beschwerden  über  die  Art  der  Einhebung
  des  Wehrbeitrages  vortrug.

Schließlich  nahm  der  Finanzminister  das
Wort  und  erklärte,  daß  die  Staatsregierung
alles  tue,  um  eine  Doppelbesteuerung  von  Gewerbe=
  und  Industriebetrieben  zu  beseitigen.
Daß  die  Steuerämter  es  auf  die  Besteuerung
  der  Konsumvereine  besonders  abgesehen
haben,  sei  unrichtig;  es  seien  jetzt  schon  Bestimmungen
  vorhanden,  nach  denen  steuerfreie
Rabatte  herbeigeführt  werden  könnten.  Weiter
  sprach  er  sich  gegen  eine  geheime  Wahl
der  Mitglieder  der  Steuerausschüsse  aus  und  bezeichnete
  die  Beschwerden  des  Abg.  Luh  als
unbegründet.

Darauf  wurde  das  Kapitel
nehmigt.  Die  Weiterberatlung  solgt  am  Donnerstag.
  Vom  Kultusministerium  ist  die
Denksschrift  über  die  Dienst=  und  Gehallsverhaltnisse
  der  Lehrer  in  Stärle  von  über  360
Seiten  der  Kammer  nunmehr  vorgelegt  worden.

Aus  dem  Postelal.
München,  17.  Juni.

Aus  der  Weiterberatung  des  Posletats  im
Finanzausschuß  ist  die  Mitteilung  des  Verkehreministers
  hervorzuheben,  daß  man  wie  in  Eng
land  und  Frankreich  auch  in  Bayern  bestrebt
sei,  durch  Anbringung  von  Brieflästen  in  Parterrerkumen
  das  Treppensteigen  der  Briefträger
  einzuschranken.  Das  Entgegenkommen  der
Hausbesitzer  aber  ließe  insbesondere  in  München
  noch  zu  wünschen  übrig.  Abg.  Bekh  beein

  in  ihren  Klatksch.  Wie  ich  vermue,  hat  man
dir  das  Gewäsch  ebenfalls  zugetragen  —  und
weil  dir  eben  die  Gräfin  Rohnstein  durchaus
nicht  so  gleichgültig  ist,  wie  du  mir  und  vielleicht
auch  dir  selbst  einzureden  suchst,  wolltest  du  dir
bel  mir  Gewihheit  verschaffen.  Und  du  sollst
dlese  estba  haber

„Die  Grafin  Notustein  ist  in  der  Tat  nicht
unbeteiligt  an  dem  Tode  des  Leutnants  —
aber  das,  s  die  Leute  ihr  nachsagen,  hat
sie  natürlich  nicht  getan.  Näheres  freilich  darf
ich  dir  nicht  enthüllen.  Und  nun  —  sei  einmal
  wenigstens  ausrichtig  gegen  mich:  hast
oder  hattest  du  die  Absicht,  die  Gräfin  Rohn.
stein  zu  deinem  Weibe  zu  machen?“

Einen  Augenblick  —  eine  winzgige  Zeitspanne
  lang  zögerte  erter-  Dann  aber  wars
er  energisch  den  Kopf  zurü

„Nein!“  sagte  er  “  sagte  dir
wiederaal.  daß  mir  jede  derartige  Absicht  sern
läge,  und  ich  bitte  dich,  keinen  Zweifel  in  die
Aufrichtigkeit  meiner  Worte  zu  setzen.  Eg  ist
welchen  Teil  die  Komtesse
  am  Tode  des  Leutnants  hatte,  und  ich
fragte  nur  aus  allgemeinem  Interesse.  Damit,
denke  ich,  wären  wir  mit  dieser  Angelegenheit
fertig.  Und  du  Lcstattest  wohl,  daß  ich  mich
für  heute  verabt

Diesmal  iene  vden  Raymar  in  der  Tat
nicht  zurück.  Aber  sein  Antlitz  war  tiefernst,
und  die  Worte,  die  er  dem  anderen  zum  Abschied
  sagte,  klangen  viel  weniger  herzlich  als
gewöhnlich.

„Rentämter“  ge- 



11.  Kapitel.

wischen  Sabine  und  Herta  war  seit  Tagen
eine  Versltimmung,  für  die  wenigstens  Herta

 

keine  Ursache  hätte  angeben  können  und  die

Nosenhe#tm,  Mütnchen.  Nürnbern,  Beriln,  Dern,  #he##tz  den,  Erfurt.  Frantfurt  a.  R,  Hamburg.  Hannover,
laufende  Tage#snummer  nicht  mehr  gar#an#ttlert  werden.  H###  r  Monu#trint  wird  keine  Berantortung

llagte,  daß  die  Zustellung  auf  dem  Lande  vielfach
  verschlechtert  worden  sei.  Abg.  Graf  Pestaloga
  beklagt  den  Mangel  an  dienstfreien
Sonntagen  im  Pofslillondienst.  Bezüglich  der
Posthalter  und  Postillone  weist  der  Minister
gelegentlich  der  Beratung  ihrer  Petition  aouf
die  Verbesserungen  hin,  die  in  den  letzten  Jahren
  durchgeführt  worden  seien.  Die  alte,  aus
dem  Jahre  1750  stammende  Uniform  soll  beibebalten
  werden.  Stellenlos  gewordene  Po
stillone  werden  nach  Möglichkeit  im  Staatsdienst
untergebracht  werden.  Es  wurden  sodann  noch
zahlreiche  Petitionen  behandelt,  so  daß  die  in
Aussicht  genommene  Beendigung  der  Beratung
des  Postetats  auch  heute  noch  nicht  durchgeführt
  werden  konnte.

 

Die  vorgäuge  in  Albanien.

Durazzo,  17.  Juni.

Nach  der  Verdrängung  der  Ausstänoicchen
herrschte  in  Durazzo  Siegesfreude.  Das  mu—
tige  Auftreten  des  Fürsten  Wilhelm  von  Albanien
  während  der  Kämpfe  hat  bei  der  albanischen
  Bevölkerung  einen  tiesen  Eindruck  gemacht
und  die  Stellung  und  das  Ansehen  des  Fürsten
wesentlich  gefestigt.  Zahlreiche  Dörfer,  die  bistzer
  die  Roebellen  besetzt  hielten,  haben  sich  den
Truppen  Brenk  Bib  Dodas  unterworfen,  ebenso
dos  ganze  Gebiet  des  Stammes  Curbeni,  sowie
  die  Städte  Tirana  und  Kawaja,  die  von
den  Regierungetruppen  beseht  wurden.  Gegenwärlig
  ist  man  damit  beschäfligt,  die  Toten  der
Aufständischen,  deren  Zahl  mehrere  bundert  beträgt,
  zu  bestatten  und  die  Verwundeten  in  den
zu  Hospitälern  verwandelten  Privathäusern  unterzubringen,
  wo  sie  von  den  Aerzten  der  Kriegsschisse
  und  den  Damen  der  österreichisch-ungarischen
  Gesandtschaft,  sowie  von  anderen  hier  lebenden
  europäischen  Damen  gepflegt  werden.

Inzwischen  kommen  aber  Bachriktlen  von
einem  neuen  Angriff  auf  Duraßo.  e  Agenzia
  Stefani  melbei  aus  Durazzo  oon  7½  Uhr
nachmittags:  „Die  Aufständischen  haben  die
Stadt  plötzlich  wieder  angegriffen,  während  die
Miriditen  gegen  Siak  im  Wefechte  stehen.  Man
fürchtet,  daß  die  Aufständischen  jeden  Augenbiid
  zahlreich  in  die  Stadt  eindringen.  Die
Malissoren  weichen  zurück,  aber  man  ist  dabei,
neue  Verteidigungsmaßregeln  zu  treffen,  un

ihr  schmerzlich  auf  der  Seele  lag.  Von  Stunde
zu  Stunde  hatte  sie  gehoift,  daß  eine  offene
Aussprache  den  Mißton  in  ihrem  Verkehr  beseitigen
  würde.  Aber  sei  daß  Sabinc  einer
solchen  Aussprache  gestesschsslic  auswich,  oder
wollte  es  ein  Spiel  des  Zufalls  so,  jedenialls
hatte  sie  noch  keine  Gelegenheit  gesunden,  die
Schwester  unter  vier  Augen  zu  spr#  echen
Eine  Niedergeschlagenheit,  dic  sie  bei  aller
Willensanstrengung  nicht  zu  überwinden  vermochte,
  hatte  sich  ihrer  bemachtigt,  so,  zeitweise
war  sie  geradeu  von  einer  unerklarlichen
Vangigkeit  erfüllt.  In  der  Einsomkeit  ihres
Mädchenstübchens,  das  bei  weitem  nicht  so  üppig
und  verschwenderisch  ausgestattet  war  wie  das
Boudoir  Sabines,  und  das  doch  von  ganz
eigenem  schlichten  Reiz  war,  grübelte  sie  darftz
  nach,  was  den  Anlaß  zu  dieser  Gemütsstimmung
  gegeben  haben  konnte.  Aber  sie
keine  Antwort  auf  die  Fragen,  die  sic  sich  vor-.
  eder  war  sie  sich  bewustt,  Sabine
irgendwie  gekränkt  zu  haben,  noch  war  ihr  selbst
ein  Unrecht  geschehen.  Es  hatte  sich  nichts  ereignet,
  was  sie  etwa  hatte  betrüben  können,
und  doch  konnte  sie  die  seltsame  Traurigkeit
nicht  aus  ihrem  Herzen  verbannen.
war  eine  gerade  und  ehrliche  Natur,
und  sie  hatte  niemals  Vessiechens  gespielt  mit
sich  selbst.  Und  in  den  Stunden,  die  sie  jebt
begen  W  “3  müßig  Geriwcune:  legte
sich  die  Frage  vor,  ob  in  Doktor  Luduig
  Cederskiold  in  Wahrheit  nicht  mehr  sah  als
einen  guten  Freund.  Sie  fragte  sich,  wie  sie
es  wohl  ertragen  würde,  wenn  er  gin  m
nicht  mehr  wiederzukehren,  und  sie  “rm’—m  dem
Schmerz,  der  sie  bei  dem  bloßen  Gedanken  an
eine  solche  Möglichkeit  erfüllte,  die  rechte  Deutung
au  geben.  Sie  liebte  den  Ar#t,  dessen  wurde

 

Junsbruck,  Kariscuhe,  ##  rr.
übernon#unen.

die  Stadt  zu  halten,  bis  neue  Verstärkungen
aus  dem  Norden  eintreffen.“  Die  Agepßi
Stefani  meldet  weiter  aus  Durazso  von  7  Uhr
15  Min.  abends:  „Ein  aus  ungefähr  1000  Miriditen
  und  Malissoren  bestehendes  Erpeditionslorps
  wurde  von  Aufständischen  umzingelt  und
dezimiert.“

Andere  Meldungen  stehen  mit  diesen  Angaben
in  Widerspruch.  Die  „Wiener  Allg.  Ztg.“

meldet:  „Die  in  Durato  eingetroffenen  zwei
Parlamentäre  überbrachten  einen  Brief,  in  welchem
  die  Aufständischen  bitten,  die  Toten  und
Verwundeten  fortschaffen  zu  dürfen.  Gestern
abend  sind  acht  Parlamentäre  heimgekehrt.“  —
Die  „Neue  Freie  Presse“  meldet,  daß  die
Aufständischen  zwei  Parlamentäre  in  die  Stadt
ge'andt  haben,  die  mit  verbundenen  Augen  in
den  Konak  geführt  wurden,  wo  die  Verhandlungen
  begonnen  haben.  Hierher  möchten  wir
auch  folgende  Meldung  setzen:  Major  Kroon
traf  gleichzeitig  mit  den  Malissoren  in  Durazzo
ein  und  übernahm  das  Oberkommando.  Bei
der  Ankunft  der  Malissoren  hielt  der  Fürst
eine  Truppenschau  ab,  wobei  begeisterte  Kunogebungen
  für  ihn  veranstaltet  wurden.

Schließlich  liegt  noch  eine  Meldung  vor  über
einen  großen  Erfolg  der  Truppen  des  Fürsten
gegenüber  den  Aufständischen.  Ein  Telegramm
aus  Valona  besagt:  Die  Regierungstruppen  haben,
  wie  die  Albanische  Korrespondenz  meldet,
unter  Führung  des  Majors  Besim  nach  hartnäckigem
  Kampfe  mit  den  Aufständischen  die
Höhe  von  Ardenica  erstürmt  und  die  Aufständischen
  unter  Verlusten  in  die  Flucht  geschlagen.
Diese  zogen  sich  in  der  Richtung  auf  Ljuschn
zurück,  wohin  ihnen  die  Regierungotruppen  folgen
  sollen.

In  Duradzo  fand  am  15.  Juni  das  Begrabis
  des  Oberflen  Thomson  statl.  Auf  Belehl
  des  Burgermeisters  blieben  die  Läden  geschlossen.
  Zn  der  Stadi  wurden  Trauerfahnen
  gehißt.  Die  Fürftin  legte  am  Sarge  einen
Lorpeerkranz  nieder,  ebenfso  der  Fürst,  dessen
Kran  mit  der  höchsten  albanischen  Auszeichnung
  geschmückt  war.  zwei  Abteilungen  osterreichischer
  und  italienischer  Matrosen  erwiesen
die  mititärischen  Ehren.  Dem  Trauerzug  folgten
das  diplomatische  Korps,  drei  Admirale,  die
Stadtbehörden  unm  eine  große  Menschenmenge.
Voraus  schritten  Miriditen  und  Gendarmerie.

sie  sich  mit  voller  Klarheit  bewußt.  Und  sie  ge.
stand  es  sich  auch  offl#en  ein,  daß  sic  von  der
Hoffnung  erfullit  war,  von  ihm  wie  der  gelicbt
zu  werden.  Eine  jo  innige  Zartlichkeit  glaubte
lte  in  seinem  Blick  geleien  zu  haben,

sich  zu  dieser  Hoffnung  berechmat  wahnte.
das  also  konnte  es  sein,  was  sie  traurig  machte;
und  doch  konnte  sie  keine  frendige  Empfsindung
in  sich  aufkommen  lassen.  Sie  ichalt  sich  selbst
sehr  töricht  darum;:  aber  siec  vermochte  doch  nur
mutlos  und  zaghaft  in  die  Zukunit  zu  blicken.

Allerlei  an  sich  geringsugige  Aeußerlich
keiten  trugen  mit  dazu  bei,  ihre  Stimmung
vollende  zu  verschlechtern.  Warum  hatte  Lady
Rotherfield  einen  so  affektiert  witieldewaalten  und
saniten  Ton  angeichlagen.  als  sie  sic  bei  einer
Spagierfahrt  im  Tiergarten  getroisen  batte?
Zu  einer  anderen  Zeit  hätte  sie  vielleicht  nicht
länger  als  fünf  Minuten  daran  gedacht.  Jetzt
aber  qualte  ste  auch  das  wie  sie  sich)  mit
tausend  anderen  Dingen  qualte.  Wie  sie  auch
die  Gedanken  an  Doktor  Kurt  Breuning  nicht
von  sich  weisen  konnte.

Was  konnte  dieser  Mann,  den  sie  m
Grunde  ihres  reinen  Herzens  verabscheute.  ihrer
Schwester  noch  zu  sagen  gehabt  haben?  Sie
hatte  nur  Widerwillen  gegen  ihn  empfunden,
da  er  noch  ein  häufiger  Galt  im  Hause  ihres
Bruders  war,  und  seine  weltmannisch  geschmeidige
  Art  hatte  sie  gerade  zu  abgestoßen.  Juhlte
sie  doch  mit  seinem  weiblichen  Instinkt  die
Menschenverachtung,  die  sich  hinter  ihr  verbarg,
und  bemerkte  sie  doch  das  sarkastische  Lacheln
sehr  wohl,  das  viel  zu  oft  um  des  Doktors
nnneel"  zuckte,  sobald  er  mit  einem  anderen
  als  mit  Sabine  oder  miit  ihr  gesprochen
datte.  Voll  tödlicher  Angst  hatte  sie  wahrgenommen,
  mit  wie  verlangendem  Ausdruck  seine

14