Full text : Tagebuchblätter. Dritter Band. (3)

Im  schleswig-holsteinischen  Kriege  und  unter  den  Augustenburgischen  417

seiner  Leute  zu  spät  gewahr.  Die  Erzählung  keaiserlicher  Offiziere,
daß  die  Dänen  einen  kurzen  Waffenstillstand  nachgesucht  und  die
Zeit  zwischen  Anfrage  und  Antwort  benutzt  hätten,  einen  Vorsprung
zu  gewinnen,  ist,  wie  ich  von  verschiednen  Seiten  höre,  unbegründet.
Richtig  dagegen  ist,  daß  die  Osterreicher  durch  junge  Leute  aus
Schleswig,  die  über  die  gefrorne  Schlei  gegangen  waren,  schon  zwei
Stunden  nach  dem  Abmarsche  der  letzten  dänischen  Heersäulen  von
dem,  was  vorging,  in  Kenntnis  gesetzt  waren.

Den  dänischen  Soldaten  folgten  nicht,  wie  anderwärts  wohl
bei  ähnlichen  Gelegenheiten,  Verwünschungen  nach.  Sie  hatten  sich
durchweg  gut  betragen,  sich  für  jede  Gunst,  die  den  Müden  und
Hungernden  über  Verlangen  und  Nötigung  gewährt  worden  war,
dankbar  bewiesen  und  die  Bürger  nur  selten  und  dann  nicht  aus
eignem  Antrieb,  sondern  auf  Anregung  durch  die  Offiziere,  mit  dem
dummen  Dengang  jeg  trog  afsted  geärgert.  Man  sah  sie  als  arme
Teufel  an,  die  thaten,  was  sie  nicht  lassen  durften.

Am  Vormittag  rückten  die  Osterreicher  ein,  und  schon  flatterten
überall  die  blaurotweißen  und  schwarzrotgelben  Fahnen  von  den
Fenstern,  Dächern  und  Türmen.  Mittags  wurde  unter  großem  Zusammenlauf
  und  Jubel  des  Volks  Herzog  Friedrich  ausgerufen.
Nachmittags  besorgte  ein  rasch  zusammengetretnes  Komitee  die  Entfernung
  der  dänischen  Beamten  und  Gymnasiallehrer,  indem  man
sie  mit  dem  Hinweis  auf  drohende  Volksjustiz  bedeutete,  ohne  Verzug
  und  jedenfalls  noch  vor  Einbruch  der  Nacht  die  Stadt  zu  verlassen.
  Eine  Appellation,  mit  der  sich  einer  der  Herren  an  den
kaiserlichen  Kommandanten  wandte,  wurde  kurz  abgewiesen.  Man
sei  bloß  Soldat,  hieß  es,  und  kümmere  sich  nicht  um  städtische  Angelegenheiten.
  Die  meisten  von  diesen  den  Schleswigern  aufgedrungnen
  Dänen  gingen,  ohne  ein  Wort  zu  verlieren.  Andre,  die
keck  auftraten  und  drohten,  wurden  rasch  gezähmt,  wie  namentlich
Bürgermeister  Jörgensen.  Nur  in  einem  Falle,  bei  dem  Branddirektor
  Mathiesen,  erlaubte  sich  der  zum  Weggehen  Auffordernde,
beiläufig  nicht  einmal  wirklich  Mitglied  des  Komitees,  Ungebührlichkeiten
  und  Rücksichtslosigkeiten,  und  diese  wurden,  als  der  Betreffende
sich  damit  rühmte,  allgemein  gemißbilligt.

In  Ravens  Hotel,  das  mir  neun  Jahre  vorher  behagliche  Herberge

  geboten  hatte,  war  so  wenig  an  ein  Zimmer  oder  Bett  für
Busch,  Tagebuchblätter  III  27