Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1918 (5)

Nr.  68.  1918.  519

Bei  Cholera  und  Pest  darf  in  eine  Sendung  in  der  Regel  nur  Untersuchungsmaterial
  von  einem  Kranken  oder  einer  Leiche  gepackt  werden.  Handelt  es  sich  jedoch
um  gleichzeitige  Ubersendung  zahlreicher  Proben,  insbesondere  zu  Massenuntersuchungen
der  Umgebung  von  Cholerakranken,  so  werden  zweckmäßig  nur  1  bis  2  cem  der  Ausleerungen
  entnommen,  in  die  üblichen  kleinen  Glasgefäße  gebracht  und,  wie  unten  angegeben,
  verpackt.  Dabei  ist  durch  eine  entsprechende  Kennzeichnung  jedes  einzelnen
Gegenstandes  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  seine  Herkunft  leicht  erkennbar  ist  (vgl.  §  15).

Die  Gefäße  und  Schächtelchen  sind  in  einem  widerstandsfähigen  Behälter,  am
besten  einer  festen  Kiste,  unter  Verwendung  von  Watte,  Sägemehl,  Holzwolle  oder  dergleichen
  (vgl.  §  12  Abs.  1)  so  zu  verpacken,  daß  sie  unbeweglich  liegen  und  nicht  aneinanderstoßen.
  Zigarrenkisten,  Pappschachteln  und  dergleichen  dürfen  nicht  verwende'"
werden.  Die  Sendungen  müssen  mit  starkem  Bindfaden  umschnürt  und  versiegelt  sein.

Enthalten  kleinere  Gegenstände  andere  lebende  Seuchenerreger  oder  erscheinen
sie  verdächtig,  solche  zu  enthalten,  so  können  sie  in  dicht  schließenden  Gefäßen  aus
Metall,  Steingut  oder  Glas  untergebracht  werden.  Metallgefäße  sind  durch  einen  übergreifenden
  Deckel,  der  am  Rande  mit  einem  Streifen  Heftpflaster  verklebt  wird,  Sleingut-
  und  Glasgefäße  in  der  im  Abs.  1  angegebenen  Weise  zu  verschließen  und  zu
verpacken.

Falls  kleinere  Gegenstände  mit  der  Eisenbahn  versandt  werden,  so  finden  die  Bestimmungen
  des  §  12  Abs.  4  Anwendung.

8  14.

Cholera-,  Pest-,  Rotz=  oder  Manl=  und  Klauenseuche=  oder  Schweinepestmaterial
darf  nicht  mit  der  Briefpost  versandt  werden.  Dagegen  darf  in  dieser  Weise  Material,
welches  lebende  Erreger  von  anderen  Krankheiten,  die  auf  den  Menschen  übertragbor
sind,  oder  von  anderen  Tierkrankheiten,  deren  Anzeigepflicht,  sei  es  auch  nur  für  einen
Teil  des  Reichsgebiets,  eingeführt  ist,  enthält  oder  verdächtig  ist,  solche  Erreger  zu  enthalten,
  verschickt  werden;  dabei  ist  folgendermaßen  zu  verfahren:

Trockene  Gegenstände,  insbesondere  mit  Untersuchungsmaterial  beschickte  Deckaläschen,
  Objektträger,  Fließpapier,  Gipsstäbchen,  Seidenfäden,  Räudeborken  usw.,
sind  in  mehrere  Lagen  Fließpapier  einzuschlagen,  alsdann  in  Pergamentpapier  oder
einen  anderen  undurchlässigen  Stoff  einzuwickeln  und,  umhüllt  mit  Watte,  in  feste
Kästchen  aus  Holz,  Blech  oder  dergleichen  mit  gut  schließendem  Deckel  zu  legen.

Feuchtes  oder  flüssiges  Material  (Auswurf,  Erbrochenes,  Stuhl,  Harn,  Eiter
oder  sonstiges  Wundsekret,  Punktionsflüssigkeit,  Blut,  Serum,  Abstriche  von  der  Rachenschleimbaut,
  abgeschnittene  oder  abgeschabte  Gewebsteile  usw.)  ist  in  ein  Gefäß  aus
hinreichend  starkem  Glase  mit  Korkstöpselverschluß  zu  bringen.  Dieses  Gefäß  ist  in  einen
Blechbehälter  zu  verpacken.  Um  aber  das  Glasgefäß  vor  Zertrümmerung  zu  schützen
und  etwa  aus  dem  Glasgefäß  austretende  Flüssigkeit  aufzusangen.  ist  sowohl  auf  den
Voden  als  auch  in  den  Deckel  des  Blechbehälters  eine  Scheibe  Afbestpappe  oder  eine
binreichend  starke  Schicht  von  Fließpavier,  Watte  oder  dergleichen  zu  legen.  Der  Blechbehälter
  wird  sodann  in  einen  ausgehöhlten,  durch  einen  Deckel  verschließbaren  Holzblock
  gebracht.  Bei  Versendung  von  Schutzrockenlymphe  genügt  es,  wenn  das  Glasgefäß
  unmittelbar  in  den  Holzblock  oder  in  Kästchen  von  Holz,  Blech  oder  dergleiche
gelegt  wird;  jedoch  ist  dann  die  Aushöhlung  des  Blockes  oder  das  Kästchen  besonders

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