April 1899. 65
bringt, in der Budgetkommission gesagt, wir wären geneigt — wie ich
mich ausdrückte —, in eine reinliche Scheidung zu willigen. Da sich
aber die Nachteile des gegemwärtigen Zustandes der Dinge für die beiden
anderen beteiligten Mächte ebenso fühlbar machen wie für uns, so haben
wir keine Veranlassung und empfinden auch kein Bedürfnis, in dieser
Richtung aus eigener Initiative mit besonderen Vorschlägen hervorzutreten.
Solange aber die Samoa-Akte zu Recht besteht, muß dieselbe
von allen Beteiligten loyal beobachtet werden, dem Buchstaben nach und
dem Geiste nach. Wortlaut und Tendenz der Samoa-Akte fordern, daß
auf Samoa nur solche endgültige Entscheidungen getroffen werden, welche
auf einstimmigen Beschlüssen der drei beteiligten Regierungen bernhen.
Wir haben deshalb von vornherein in London und in Washington keinen
Zweifel darüber gelassen, daß wir solche Veränderungen in Samoa, zu
denen wir unsere Zustimmung nicht gegeben hätten, als rechtsunverbindlich
betrachten müssen. Wir konnten nicht zugeben, daß entgegen dem zweifellosen
Text der Samoa-Akte, im Widerspruch mit dem Vertragsrechte,
ohne uns oder gar gegen uns über Samoa entschieden werde. Dieses
von uns aufgestellte und vertretene Prinzip der notwendigen Einstimmigkeit
ist zuerst von Amerika und schließlich auch von England angenommen worden.
Ein anderer leitender Gesichtspunkt für uns war, uns nicht in die
Streitigkeiten der eingeborenen Häuptlinge einzumischen. Den verschiedenen
Thronkandidaten auf Samoa stehen wir an und für sich ohne parti pris
gegenüber. Da aber die provisorische Regierung des Häuptlings Mataafa
von den drei Konsuln anerkannt worden war, so mußte sie unserm Konsul
als der legale status quo so lange erscheinen, bis durch einstimmigen
Beschluß der drei Mächte eine neue Regierung eingesetzt war. Schon
weil wir uns den internen Vorgängen auf Samoa gegenüber neutral
verhalten, haben wir das Eingreifen englischer und amerikanischer Schiffe
in diese Streitigkeiten weder mitgemacht noch gebilligt.
Ueber die letzten Zusammenstöße auf Samoa liegen bisher nur verstümmelte
und lückenhafte Telegramme unseres Konsuls und mehr oder
weniger glaubwürdige Berichte ausländischer Telegraphenagenturen vor,
so daß über dieselben ein abschließendes Urteil noch nicht möglich ist.
Ueber einen Konflikt zwischen dem amerikanischen Admiral und dem
Kommandanten von Seiner Majestät Schiff „Falke“ ist uns nicht das
mindeste bekannt
(Hört! hört! links),
und ich halte in Uebereinstimmung mit meinem verehrten Freunde, dem
Herrn Staatssekretär des Reichsmarincamts, einen solchen Kouflikt für
Penzler, Graf Bülows Reden 2c. 5