Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1839. (23)

180

Artikel  251.

Die  Fertigung  oder  der  Gebrauch  von  falschen,  ingleichen  der  Mißbrauch  von
Achten  öffentlichen  oder  Privat-Siegeln  oder  Stempeln  zu  Erlangung  eines
unerlaubten  Vortheiles  oder  zu  Benachtheiligung  eines  Anderen  ist,  insofern
nicht  zugleich  wegen  Fälschung  der  damit  bezeichneten  Urkunden  oder  wegen
eines  dadurch  verübten  Betrugs  eine  höhere  Strafe  eintritt,  mit  Gefängnißstrafe
  bis  zu  acht  Wochen  oder  mit  Arbeitshausstrafe  bis  zu  sechs  Monaten
zu  ahnden.

Artikel  252.

Wer  Stempel  oder  besondere  Kennzeichen,  womit  Waaren  oder  Fabrikate
eines  bestimmten  Handelshauses  oder  einer  bestimmten  Fabrik  bezeichnet  zu
werden  pflegen,  nachmacht,  und  solche  oder  auch  die  Etikette  eines  Handelshauses
  oder  einer  Fabrik  zu  Täuschungen  im  Handel  mißbraucht,  ist  mit  Gefängnißstrafe
  bis  zu  zwei  Monaten  oder  mit  verhältnißmaßiger  Geldstrafe  zu
belegen;  es  ist  jedoch  eine  Untersuchung  dieserhalb  nur  auf  den  Antrag  einer
dabei  betheiligten  Person  anzustellen.

Artikel  258.

2)0  Mißbrauch  der  Religion.

Wenn  die  Religion,  eine  religiöse  Handlung  oder  eine  durch  die  Religion
  geheiligte  Sache  zu  Ausführung  eines  Betrugs  gedient  hat,  so  ist  auf
Arbeitshausstrafe  von  wenigstens  drei  Monaten  zu  erkennen,  welche  bis  zu  vierjahriger
  Zuchthausstrafe  zweiten  Grades  gesteigert  werden  kann.

Artikel  254.
3)  Mißbrauch  amtlicher  Eigenschaften.

Wenn  ein  Betrug  durch  fälschlich  angenommene  Amtstitel  oder  vorgespiegelte
  amtliche  Eigenschaften  ausgeführt  worden  ist,  so  ist  dieses  als  ein
erschwerender  Umstand  zu  betrachten,  wodurch  die  Strafe  des  Betrugs  innerhalb
  des  Art.  245  und  223  bestimmten  Strafmaßes  gesteigert  wird.

Wenn  aber  öffentlich  angestellte  Personen  ihre  Amtsverhältnisse  zu  dem
Zwecke  eines  Betrugs  gemißbraucht  haben,  so  ist  der  Richter  ermachtiget,  bei
der  zuzuerkennenden  Strafe  auf  die  jedesmal  folgende  höhere  Strafart  in  gleicher
  Strafdauer  überzugehen,  oder  statt  dessen  die  verwirkte  Gefängniß=  oder
Arbeitshaus-Strafe  um  die  Hälfte  zu  erhöhen.