Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Auch  der  neue  Kriegsminister  Scheũch  stimmte  gegen  die  levée  en  masse
und  versprach,  durch  energlscheres  „Auskammen“  die  Ersatzlage  zu  bessern.

Nach  Ludendorffe  Abreise  fanden  noch  sehr  eingehende  Beratungen  des
„Krlegekabinette“  statt.  Schließlich  wurde  die  Antwortnote  an  Wilson  fertiggestellt.
  Ludendorff,  um  seine  Zustimmung  zu  ihrem  Text  befragt,  veranlaßte
noch  die  Aufnahme  des  Zusatzes:  „Die  deutsche  Reglerung  nimmt  an,  daß  auch
die  anderen  Reglerungen  der  Alliierten  sich  auf  den  Boden  der  Kundgebung
des  Präsidenten  stellen.“  In  dieser  Fassung  stimmte  die  O.  H.L.  zu.

Und  ale  gälte  es,  dem  Prasidenten  noch  fernerhin  durch  Taten  zu  beweisen,
wie  gründlich  die  alte  Ordnung  der  Dinge  in  Preußen-Deutschland  der  Neuorlentlerung
  geopfert  worden  sei,  beugte  sich  am  11.Oktober  auch  das  Preußische
Herrenhaus  dem  Geiste  der  neuen  Zelt  und  erklärte  seine  Zustimmung  zur  Einführung
  dee  Reichstagewahlrechte  in  Preußen.

Am  folgenden  Tag  erging  ein  kalserlicher  Erlaß,  der  die  politischen  Verbrecher
  amnestierte.  Er  öffnete  die  Kerker  der  Llebknecht  und  Dittmann
Sie  dankten,  indem  sie  sich  als  Märtprer  feiern  ließen  und  ihre  Wühltätigkeit
gegen  alles,  was  in  Deutschland  noch  aufrecht  stand,  mit  frischer  Kraft  aufnahmen.


Die  zwelte  Note  an  Wilson  erklärte  im  Einverständnie  mit  der  österrelchischungarischen
  Regierung  ihre  Bereitschaft,  die  besetzten  Geblete  unter  noch  zu
vereinbarenden  Mobalitäten  zu  rdumen.  Auf  die  verfängliche  Frage  nach  der
kesitimaten  der  brien  Regierung  erwiderte  die  Note:

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bereinstimmung  mit  der  großen

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mt  293  ber  ——  im  Namen  der  deutschen  Regierung  und  des

Am  12.  *  ging  die  Antwort  an  Wilson  ab.

Sie  enthielt  nach  zwei  Richtungen  den  Anfang  der  bebingungslosen  Kapltulation.
  Einmal,  indem  sie  die  Räumung  der  besetzten  Gebiete  bewilligte  —
unseres  einzigen  Unterpfandes  gegenüber  der  erdrückenden  Ubermacht  der
Entente  —  und  zum  anderen,  indem  sie  Wilsons  ersten  vorsichtig  tastenden
Versuch  zur  Einmischung  in  unsere  innerpolitischen  Verhältnisse  nicht  ale  Verstoß
gegen  die  Worde  des  Deutschen  Reiches  zurückwies,  sondern  im  Gegenteil  sich
dem  Präsldenten  gegenüber  auf  die  „Neuorientlerung“  berlef  und  damit  den
ersten  leisen  Trennstrich  zwischen  sich  selber  und  dem  Kaiser,  dem  Werke  Biemarcks,
der  ganzen  deutschen  Vergangenheit  zog  ...  Sie  sollte  bald  inne  werden,
daß  sie  dem  Teufel  den  kleinen  Finger  gereicht  hatte.

4.

Und  draußen  an  der  Front  blutete  der  deutsche  Soldat.  —  —

Der  weitauêholende  strategische  Grundgedanke  Fochs  sprach  sich  nun  immer
deutlicher  aus  —  war  ja  übrigene  durch  die  Gestaltung  der  deutschen  Front  —
obne  weiteres  gegeben  und  hatte  allen  Entente-Angriffen  seit  Herbst  1915  zugrunde
  gelegen.  Es  handelte  sich  um  eine  „Zange“,  die  im  Norden  mit  zwei,
im  Sadosten  mit  einer  Backe  einsetzte.  Durchbruch  von  Dpern  auf  Brügge-Gent,
  von  St.  Quentin  auf  Maubeuge,  von  Verdun  auf  Cyarleville.

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