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geradeste und biederste, und dabei bedeutsamste, aber auch liebenswürdigste
Erscheinung am sächsischen Hofe war.
Also 16 Jahre nach seines Meisters Gabrieli Tode begab
sich Schütz abermals nach Venedig, und zwar, wie wir bereits
erfuhren, in der Absicht, um daselbst nach seinen eigenen Worten:
„der inzwischen aufgebrachten neuen, und heutigen Tags
gebräuchlichen Manier der Musik sich zu erkundigen.“ —
Ob er nun gleich dem Neuen nachstrebend seine alte Schule wieder
heimsuchte, gerieth er dennoch als er das alte, majestätische Venedig
erblickte, mit seinen Gedanken zuerst auf seine, in der Nähe seines
alten Meisters verlebten Jugendjahre, sowie auf dessen Größe in
der Kunst. Darüber spricht er sich auch in dem Vorworte zu seiner
ein Jahr später herausgegebenen Sammlung geistlicher Gesänge:?)
folgendermaßen aus:
„Als ich nach Venedig kam, ging ich dort vor Anker, wo ich
als Jüngliug unter dem großen Gabrieli die ersten Lehrjahre von
meiner Kunst zugebracht hatte. Ja, Gabrieli! Ihr unsterblichen Götter,
welch ein Mann war der! Hätte ihn das vortreffliche Alterthum
gekannt, den Amphionen würde es ihn vorgezogen haben; oder wünschten
die Musen Vermählung, so besäße Melpomene keinen anderen Gemahl
als ihn, solch ein Meister des Gesanges war er. Das verkündet der
Ruf, aber der beständigste. Ich selbst war deß reichlich Zeuge, der
ich ganzer vier Jahre lang seines Umganges:#) genoß, gar sehr zu
meinem Frommen.“
In Venedig selbst war er mehrfach thätig für seinen musicalischen
Plan, wirklich Etwas neues in seine Stellung zurückzubringen
und, um die aufgewendeten Reisekosten nicht unnütz angewendet zu
haben, war er auch besorgt, mancherlei Neues einzusammeln, und
er hatte, wie aus seinem Schreiben vom 29. Juni 1629 hervorgebt.
„einen ziemlichen Vorath von allerhandt musicalischen Sachen
eyhanden gebracht, solchen auch nebenst etzlichen instrumenten
allerweil nach Leibzig fortgesendet.“15) — Ferner hatte er den
12) Symphonisae Sacrae a 3. 4. 5. 6. voci Opus ecclesiasticum secundum.
Venetiis apud Bartholomaenm Magnum 1629.
14) Es scheint fast, als ob Schütz im Hause des Gabrieli selbst gewohnt
habe. Auch Winterfeld ist der Meinung, ohne jedoch die Quelle dofer anugeben.
zus 15) So quittirte Wilhelm Günther am 29. Nov. 1629: „Das von dem
Churf. Sächß. Kapellmeister Herrn Heinrich Schütz Ich Endesbenannter drei
ordinarii Cornetten vndt die 4. Cornettini so von Venedig bringen lassen vnd
u Churf. Aufwartung ganz nöthig gewesen empfangen u. s. w.“ Auch der
W Thomas Tax guittirt den Empfang dieser 7 Inrumente
und zugleich die Einzeichnung in das luventarium der Instrumentenstube
am 29. Nov. 1629. — Ingleichen finden wir ferner im Jahre
1630 laut Quittungen die Austheilungen der von Heinrich Schütz aus Italien
mitgebrachten Saiten; so unter Andern Thomas Tax: „von dem Churf.
S. Kapellmeister Heinrich Schütze habe ich empfangen 2.Gebund Lauten-Saiten;
item 4 Gebund Geigen Saiten auf die Churf, Instrumentenstuben