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Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder.
sein will. Darum rathe ich Ihnen: ziehen Sie Ihren Antrag zurück! (Beifall.)
Reichensperger (Crefeld, clerical): Abg. v. Stauffenberg fürchtet von der
Aufnahme des Art. 15 der preußischen in die Reichsverfassung den Eintritt
des Chaos: ist in Preußen etwas vom Chaos zu spüren? Im Gegentheil
gestalten sich die kirchlichen Dinge in Preußen immer gesunder und normaler.
Stürme hat es in der katholischen Kirche von jeher gegeben, aber das Schifflein
Petri bleibt allezeit oben. Auch hat sich durch das Unfehlbarkeitsdogma den
Staaten gegenüber nichts geändert. Denn von jeher war der Papst die unbestrittene
Autorität in allen Fragen kirchlicher Lehre und Sitte; wer sich ihr
nicht fügte, trat eben aus der Kirche aus, wie die Jansenisten; neu hinzugekommen
ist jetzt nur, daß die Katholiken nicht nur der Aukorität äußerlich
folgen, sondern auch innerlich an sie glauben. Uns für die Sprache aller
katholischen Blätter verantwortlich zu machen, wäre unloyal und unklug. Auf
derartige Vorwürfe zu antworten, halten wir unter unserer Würde. Crämer
(Bayern, Fortschr.): Wer hat denn die Antragsteller mit einem Male in die
unangenehme Lage gebracht, aus der sie nur durch Wiedereinführung der
Grundrechte befreit werden können? Erfreulich ist, daß es gerade von katholischer
Seite öffentlich hat ausgesprochen werden müssen, wie sie nunmehr von
dem Grundsatze der Glaubenseinheit absehe und nur der Glaubensfreiheit das
Wort rede. Diese Ansicht wurde früher verketzert, jetzt wird sich diese Ketzerei
in Zukunft hoffentlich vermehren. Unter Einer Bedingung sind die Forderungen
der Antragsteller zu erfüllen: wenn den Gegnern der Anträge gestattet würde,
die Erziehung ihrer Kinder selber in die Hand zu nehmen. Ich bin gern
bereit, den Antragstellern amerikanische Zustände zu gewähren, aber in Amerika
dürfen auch die Geistlichen nicht wählen, nicht Mitglieder des Parlaments sein.
Hiermit wird der Schluß der Debatte angenommen.
1. April. (Deutsches Reich.) Der Bundeskanzler legt dem Bundesrathe
den Entwurf eines Gesetzes betr. die Vereinigung von Elsaß-Lothringen
mit dem Reiche vor:
„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc.,
verordnen hiemit im Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung
des Bundesraths und des Reichstags, wie folgt: § 1. Die von Frankreich
durch den Art. I des Präliminar-Friedens vom 26. Febr. 1871 abgetrelenen
Gebiete Elsaß und Lothringen werden, unbeschadet der in diesem Artikel vorbehaltenen
endgültigen Bestimmung ihrer Grenze, mit dem Deutschen Reiche
für immer vereinigt. § 2. Die Verfassung des Deutschen Reichs tritt in
Elsaß und Lothringen am 1. Januar 1874 in Kraft. Durch Verordnung des
Kaisers, im Einvernehmen mit dem Bundesrath, können einzelne Abschnitte
der Verfassung schon früher in Wirksamkeit gesetzt werden. § 3. Auch in den
der Reichsgesetzgebung in den Bundesstaaten nicht unterliegenden Angelegenheiten
steht für Elsaß und Lothringen das Recht der Gesetzgebung dem Reiche
zu, und wird bis zur Einführung der Reichsverfassung (§ 2) vom Kaiser, im
Einvernehmen mit dem Bundesrath, ausgeübt. Alle andern Rechte der Staatsgewalt
übt der Kaiser aus.“
" " (Preußen.) Die Professoren der Bonner Universität, Hilgers,
Langen und Reusch, werden wegen ihres Widerstandes gegen Anerkennung
der vaticanischen Concilsbeschlüsse vom Erzbischof von Köln
a sacris suspendirt, nachdem dieselbe Maßregel schon gegen die Prof.
Knoodt und Birlinger erlassen worden ist.
" " (Preußen.) Eine große Anzahl angesehener Kölner Bürger protestiren
in einer Eingabe an den Reichstag mit Zorn und Energie
gegen die unwürdigen Mittel, mit welchen die ultramontane Partei in
der Rheinprovinz die ihr günstigen Wahlen zu Stande gebracht habe: