Volltext : Das Preußische Volk in Waffen und die neue Militär-Organisation.

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und  bei  dem  großen  Spielraum  der  Auslegung  dieser  Worte  ist  es  denn
kein  Wunder,  daß  manche  Commandeure,  und,  die  Wahrheit  zu  sagen,
anch  manche  bürgerliche,  diese  Bedingungen  dadurch  allein  oder  doch  besonders
  erfüllt  glanbten,  wenn  dem  Namen  eines  solchen  jungen  Mannes
das  unbedentende  Wörtchen  „von“  vorgesetzt  war.  Nun  sollte  man  zwar
meinen,  daß  ein  junger  Mensch,  welcher  in  einer  schlicht  bürgerlichen  Familie
  erzogen  ist,  in  welcher,  wenn  auch  weniger  Reichthum,  doch  die
rechte  Zucht  und  Sitte  herrscht,  sich  später  als  Offizier  in  der  Gesellschaft
eine  ebenso  achtungswerthe  Stellung  erwerben  und  erhalten  könnte,  wie  es
ein  vielleicht  auf  den  Höfen  eines  entlegenen  Ritterguts  oder  in  den
Schul=  und  Schlafsälen  der  Kadettenhäuser  aufgewachsener  nur  irgend  auch
rermöchte,  wenn  er  sonst  nur  sittlich  rein,  an  Körper  und  Geist  kräftig  und
gesund  wäre,  und  eine  tüchtige  Bildung  erhalten  hätte;  indessen,  viele  glauben
nun  einmal,  daß  zu  der  Bewegung  in  den  höhern  Cirkeln,  wofür  sie
den  Offizier  oft  mehr  als  zu  etwas  anderem  berufen  und  bestimmt  meinen,
die  letztere  Art  des  Aufwachsens  eine  weit  größere  Befähigung  gebe.

Dabei  ist  noch  das  Wunderbarste,  daß  die  Sache  etwas  Wahres  hat.
Jene  dem  jungen  Offizier  zunächst  zugänglichen  höhern  Cirkel  gehören
zumeist  wiederum  der  Adelskorporation  an,  und  wenn  auch  in  ihnen  nicht
so  feine  Sitten  und  so  geglättete  Formen  des  Anstandes  herrschen,  als  sie
in  dergleichen  Cirkeln  zu  den  Zeiten  der  Medicis  in  Italien  vielleicht  zu
finden  waren,  so  haben  sie  doch  immer  noch  äußern  Glanz  genug,  um
auf  die  anerzogene  bürgerliche  Bescheidenheit  anfangs  einen  einschüchternden
  Eindruck  zu  machen,  der  sich  auch  wohl  zur  Befangenheit  steigert,  wenn
der  bürgerliche  Abkömmling  sich  manchmal  nur  als  Eindringling  betrachtet,
sich  gleichsam  nur  geduldet  sieht,  und  wenn  man,  bis  auf  die  junge  Damenwelt
  herab,  für  die  Glieder  der  adeligen  Genossenschaft,  seien  sie  auch  noch  so
ungelehrig,  immer  die  Liebenswürdigkeit  selbst  bleibt,  für  ihn  aber  nur  so  ein
gewisses  Augenzwickern,  so  eine  gewisse  stumme,  stolze  Zurückhaltung  hat.

Wie  dem  nun  aber  auch  sei,  so  geringfügige  Rücksichten  sollten  nicht
da  mitsprechen,  wo  für  den  ernsten  Zweck  des  Krieges  die  strengste  Auswahl
  der  Offizier-Aspiranten  zum  Wohle  des  Landes  Pflicht  und  Nothwendigkeit
  wird.  Das  Herkommen  giebt,  wie  die  Erfahrung  genugsam
lehrt,  auch  nicht  die  geringste  Bürgschaft  für  die  spätere  Haltung  und
Führung  des  jungen  Offiziers,  am  wenigsten  aber  für  das  Wichtigste  dabei,
für  seine  Leistungsfähigkeit  im  Beruf.  Daher  sollte  das  bürgerliche  Herkommen
  bei  solcher  Auswahl  weder  den  Blick  übermäßig  schärfen,  noch
das  adelige  ihn  übermäßig  trüben.

Jedenfalls  wird  der  einzelne  Commandeur  bei  der  Auswahl  der
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