Von der ehelichen Gütergemeinschaft. 395
gegeben, und da man es hiebei durchgängig mit
norddeutschen Ländern zu thun hatte, so konnte
man bei der Verabfassung des Gesetzbuches sehr
wohl Bestimmungen treffen, welche subsidiär in
allen jenen ältern Provinzen anwendbar waren.
Das dem preußischen Landrecht vorgebundene Promulgationspatent
vom 5. Februar 1794 sagt daher
im §. III., daß Provinzialgesetze und Statuten
in ihrer unbeschränkten Kraft bleiben, während
nach §. VII., verglichen mit s. IV., Gewohnheitsrechte
und Observanzen nur bis 1. Juni
1796 gelten, sodann aber, soweit sie von dem
Landrecht abweichen, nur dann wirken sollen,
wenn sie entweder den Provinzialgesetzbüchern
einverleibt sind, oder das Landrecht ausdrücklich
darauf verwiesen hat. Mit diesen Stellen des
Promulgationspatents steht dann nun die oben
erwähnte Bestimmung des Landrechts?) in Verbindung,
nach welcher für die Gütergemeinschaft
das Landrecht soweit als Gesetz gilt, als nicht
Provinzialgesetze ein Anderes ausdrücklich verordnen.
Als indeß das Landrecht auch in den fränkischen
Fürstenkhümern eingeführt wurde, da erwog
der Gesetzgeber, welcher vielleicht auch in
jenen älteren Provinzen das Unzweckmäßige der
Abschaffung aller Gewohnheitsrechte, die voch oft
wesentliche Ergänzungen des geschriebenen Provinzialrechts
und von diesem unzertrennlich sind,
eingesehen haben mochte — daß die fränkischen
Rechte nicht so leicht mit dem preußischen Landrecht
amalgamirt werden können, und den fränkischen
Fürstenthümern auch ihre- Gewohnheits-5)
s. #oben Note 7.