V. Krieg, Gewerbe und Handel 107
zuführen, daß sich das Handwerk diesem Zweige gewerblichen Schaffens
zuwandte und hier seine Eigentümlichkeiten glänzend entwickelte und wirtschaftlich
verwertete. Es rechtfertigte weiter wirtschaftlich und technisch
sein Besteheen nach wie vor bei Arbeiten, die nicht in regelmäßiger Wiederkehr,
sondern als qualitativ ausgezeichnete Einzelleistungen erscheinen, besonders
auch dort, wo die Arbeitserledigung an eine in jedem Einzelfall
wechselnde Ortlichkeit geknüpft ist, bei den sogenannten Anbringungsgewerben
(Anstreicher, Tapezierer, Glaser, Dekorateur usw.), sowie zahlreichen
an die örtliche Derteilung mehr oder weniger geknüpften Gewerben, wie
beim Bäcker, Metzger, Schneider und andern.
Ganz ähnlich wie beim Gewerbe ist es auch beim Handel, nur mit dem
Unterschied, daß hier die betrieblich-organisatorische und absatztechnische Seite
noch viel mannigfaltiger zu sein pflegt. Doch das ändert nichts an dem Satz,
daß technisch-organisatorisch der Großbetrieb auch hier überlegen ist.
Die Betätigung Deutschlands auf Grund der Fortschritte von Wissenschaft
und Technik hat sich nicht nur auf allen Gebieten des wirtschaftlichen
Schaffens ausgedehnt, sondern erst recht an Manniafaltigkeit zugenommen.
Dies gilt besonders von der Gütererzeugung. Mit dem Fortschritt der
Dampftechnik begann die großzügige Ausnutzung der heimatlichen Bodenschätze.
Hier zeigte es sich, von welch überragender Bedeutung für unsere
ganze wirtschaftliche Stellung in der Weltwirtschaft der Reichtum an Kohle
und Eisenerzen ist, mit dem die Matur Deutschland versorgt hat. Die Förderung
an Steinkohle bat sich seit 1880 vervierfacht, die an Braunkohle
sogar versiebenfacht. Gleichzeitig hob sich die Roheisenerzeugung von 2,7 auf
10,5 Millionen Tonnen, die Stahlerzeugung sogar von 0,6 auf 18,0 Millionen
Tonnen. Es wurden gewonnen:
in Millionen Tonnen
Steinkohle Brannkohle Roheisen Stahl
1860 26,.4 7,6 1,4 0,2
18800 47,0 12,1 2,7 0,6
18855 58,.5 15,3 3,7 .
1800. 70,2 10,0 4,6 1,6
18055556 70,2 24,8 5,5 2,8
1900. ... ... 109,5 40,5 8,5 6,6
190oc3.. ... ... 121,3 52,5 10,9 10,1
loaloy. 152,8 69,5 14,8 13,2
]C 101,5 87. 5 10,3 18,0
In der Welterzeugung steht Deutschland heute bei Steinkohle an
dritter, bei Roheisen und Stahl an zweiter Stelle. England, in der ersten
Hälfte des 10. Jahrhunderts und darüber binaus noch „die Werkstätte der
Welt“, haben wir in der Eisen= und Stahlerzeugung schon zu Beginn des
Jahrhunderts überholt.
e. Anschluß an die Weltwirtschaft.
Der unvergleichliche Aufschwung der deutschen Dolkswirtschaft ist jedoch
allein möglich gewesen durch den Ausbau unseres Welthandels. Schon
früh im Mittelalter befand sich Deutschland unter den ersten TLändern,
deren Feinerzeugnisse in der ganzen damaligen Kulturwelt gesucht