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Wissenschaften als im Universitätsunterricht hat sie an Bedeutung
eingebüßt. Die Wissenschaften haben sich entwöhnt, eine philosophische
Grundlegung für notwendig anzuschen; die Einzelforschung
geht ihren Weg, unbekümmert darum, ob und wie sie sich einem
Gesamtbau der Erkenntnis cinfügt. Und cbenso glauben schr zalılreiche
Jünger der Wissenschaft jedes Studium der Philosophie für
entbehrlich halten zu dürfen. Unter den Juristen und Medizinern
wird es schon als cine Ausnahme gelten dürfen, daß einer einmal
eine philosophische Vorlesung hört, oder cin philosophisches Buch
liest, es sei denn Haäcckels Welträtsel. Ob diese Ausschaltung der
Philosophie einen Verlust für die wissenschaftliche und menschliche Bildung
bedeutet? Ich zweifle nicht daran. Ob eine Zeit kommen
wird, wo die Philosophie auch im akademischen Unterricht wieder
die ihr gebührende Bedeutung gewinnen wird? Ich hoffe und glaube
es. Am Ende lernen wir noch von den amerikanischen Colleges
die Philosophie in Ehren halten.
Was die übrigen Fakultäten anlangt, so zeigt die Entwicklung
einen im großen gleichgerichteten Verlauf: am Anfang des Jahrhunderts
standen sie unter dem dominierenden Einfluß der Philosophie,
der Kantischen, Schellingschen, Hegelschen. Seit dem großen Bankrott
der spekulativen Philosophie gewann die Richtung auf Kmpirie und
Historie, neben einem politisch-kirchlichen Positivismus, die Herrschaft.
So in der Theologie: seit den 20cr und 3er Jahren ist der philosophische
Rationalismus mehr und mehr auf der einen Seite dem
Bestreben gewichen, den alten Satzungsglauben wieder herzustellen;
es führte in der katholischen Kirche zur päpstlichen Unfchlbarkeit, in
der protestantischen zu der Forderung, daß die Wissenschaft umkehren
müsse. Auf der andern Scite setzte die historisch-kritische
Forschung ihre Arbeit mit wachsendem Eifer und Erfolg fort und
zosr zugleich die letzte Konsequenz: die heiligen Urkunden der Offenbarung
werden als Erzeugnisse des menschlichen Geistes, als Denkmäler
rein immanent-geschichtlicher Fntwicklung betrachtet. Dabei
findet dies Verhältnis statt, daß der restaurierte statutarische Supranaturalismus
zunächst innerhalb der Kirche und der Gemeinde, die
historisch-kritische Forschung dagegen auf den Universitäten ihren
Ort hat. Starke Spannungen zwischen den kirchlichen Mächten und
der Universitätstheologie sind die Folge, Spannungen, deren Lösung
auf der kıirchlich-konfessionellen Seite dadurch erstrebt wird, daß man
die Besetzung der theologischen Professuren der staatlichen Gewalt
zu entwinden und der Kontrolle der kirchlichen Autorität zu unter-