Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1842. (19)

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Weber  war  nicht  blos  ein  großer  Componist,  ein  berühmter
Pianofortespieler  und  ein  außerordentlich  tüchtiger  Kapellmeister,
sondern  er  war  auch  einer  der  gebildetsten  und  geistreichsten  Männer.
Dieser  hochbegabte  Geist  wohnte  aber  in  einer  kränklichen  Hülle.
Namentlich  war  Weber  brust-  und  halsleidend,  und  es  wär  zu  fürchten,
daß  seine  Leier  bald  verstummen  und  seine  übrige  Thätigkeit  von
kurzer  Dauer  sein  werde.  Was  man  gefürchtet,  wurde  nur  zu  bald
zur  Wirklichkeit.

Im  Februar  1826  reiste  Weber  nach  London,  um  dort  die  Aufführung
  seiner  Oper  „Oberon"  selbst  zu  leiten.  Die  sonst  so  ruhigen,
mit  Beifall  kargen  Engländer  überschütteten  den  deutschen  Componisten
mit  Ehrenbezeigungen.  Weber,  dessen  kindlich  frommer  Sinn  keinen
Ehrgeiz  kannte,  freute  sich  zwar  über  die  gefundene  Anerkennung,
doch  nicht  um  seinetwegen,  sondern  daß  die  deutsche  Musik  immer
mehr  zur  Geltung  gelangte.

In  der  großen  Themsestadt  sollte  Weber  seinen  Geist  aushauchen.
Sein  Hals=  und  Brustübel  verschlimmerte  sich,  und  weder  die  Kunst
der  Aerzte,  noch  die  treue  Pflege  seiner  Umgebung  vermochten  sein
Leben  zu  retten.  Weber  starb  am  5.  Juni  1826  in  London.  Nachdem
seine  irdische  Hülle  19  Jahre  lang  daselbst  geruht,  wurde  dieselbe
im  Dezember  1845  nach  Dresden  übergeführt.

Zwar  hat  sich  Weber  durch  seine  Schöpfungen  das  beste  Denkmal
errichtet,  da  dieselben  fortleben  werden  für  alle  Jahrhunderte;  indes
die  dankbare  Nachwelt  ließ  es  sich  nicht  nehmen,  die  Erinnerung  an
den  großen  Tondichter  auch  durch  ein  sichtbares  Monument  von
Geschlecht  zu  Geschlecht  fortzupflanzen.  Im  Herbste  1860  wurde  ihm
in  der  Nähe  des  Dresdner  Hoftheaters  ein  Standbild,  von  dem  berühmten
  Bildhauer  Rietschel  in  Dresden  ausgeführt,  errichtet.

Die  Jahre  1817,  1818,  1819  brachten  den  Sachsen  drei
Jubeljahre,  in  welchen  man  „mit  Danken  vor  Gottes  Angesicht  kam
und  mit  Psalmen  ihm  jauchzte.“  Das  Jahr  1817  war  ein  Jubeljahr
für  die  ganze  evangelische  Christenheit  auf  dem  Erdenrunde:  Es  war
die  Jubelfeier  der  Reformation.  Dreihundert  Jahre  waren  seit
dem  Tage  verflossen,  an  welchem  Dr.  Martin  Luther  die  bekannten
95  Sätze  gegen  den  Ablaßhandel  an  die  Schloßkirche  zu  Wittenberg
schlug,  ein  Schritt,  der  mit  Recht  als  der  Anfang  der  Kirchenverbesserung
  gilt.  In  die  Lobgesänge  dieses  Jubelfestes  konnten  die
Sachsen  mit  doppelter  Freude  einstimmen.  Sachsen  war  die  Wiege
der  Reformation.  Von  Sachsen  aus  ging  die  Reformation  nach
Deutschland  und  in  die  übrigen  europäischen  Länder.

Das  zweite  Jahr,  1818,  brachte  den  Sachsen  ein  großes
Familienfest.  Der  Vater  des  Vaterlandes  erfreute  sich  des  seltenen
Glücks,  sein  fünfzigjähriges  Regierungs-Jubiläum  feiern  zu  können.
Die  Hauptfeier  fand  den  20.  September,  an  einem  Sonntage,  in  allen