30 Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Februar 18.)
geteilt. Aus diesem Grunde und weil 306000 Mark vom nächsten Jahre
an den Fonds des Schutzgebietes ohne weiteres zufließen könnten, wird
Togo aktiv bleiben. Aber die Reichsverwaltung hält es für notwendig,
daß dieser Ueberschuß benutzt wird, um eine zweite neue Linie zu bauen,
wobei ich bei den Wünschen, die ich an den Bundesrat richten werde, mich
in Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches auf Vorlagen zu beschränken
beabsichtige, welche ihre Deckung in sich tragen. Wo dieser Nachweis nicht
mit der wünschenswerten Sicherheit gelingt, müssen die Bahnbauten zurückstehen.
Wenn ich sage „Deckung in sich tragen“, so meine ich, daß man
eine Rente nachweise, oder daß unnütze Ausgaben durch den Bahnbau
aufgehoben werden können. Auf Kamerun übergehend, kann ich dort eine
außerordentliche Belebung des Handels feststellen. Wir haben im Jahre 1906
23 Mill. Mark Handel gehabt, im Jahre 1907 kommen wir auf über
34 Mill. Mark. Das sind 40 Prozent mehr, und es ist daher anzunehmen,
daß der Ueberschuß der Zolleinnahmen, der natürlich erst dem Etat des
Jahres 1909 zugute kommen kann, 1 Million über den Etat betragen
wird. Die günstige Situation in Kamerun kommt aber schon im vorliegenden
Etat zum Ausdruck. Wir haben zum ersten Male, ich will nicht
sagen, ein erhebliches, aber doch ein ansehnliches Minus im Reichszuschuß
und dabei noch einen Fehlbetrag von 240 811 Mark gedeckt. Wenn wir
entgegen dem im vorigen Jahre angenommenen Etatsgrundsatz, den ich
übrigens durchaus billige und für zweckmäßig finde, daß nämlich die
Ueberschüsse oder Mankos nicht der vorhergehenden, sondern des zweitvorhergehenden
Jahres erst eingestellt werden sollen, nach der früheren
Praxis verfahren wären, hätte tatsächlich Kamerun etwa eine halbe Million
weniger Zuschuß bedurft; wenn dazu die Zölle 1 Million mehr betragen
haben, so wird der Zuschuß für 1907 sich auf wenig mehr als 1 Million
belaufen, einschließlich der laufenden einmaligen Ausgaben in dieser Höhe
und einschließlich sämtlicher Militärkosten. Das ist gewiß eine an und
für sich sehr erfreuliche Sache. Ich glaube, im Interesse der Vereinfachung
der Verhandlungen zu handeln, wenn ich Südwestafrika, das ein caput
er se ist, hier ausschalte und zu Ostafrika übergehe, wo ich auch die erfreuliche
Ihnen ja bekannte Tatsache wiederholen darf, daß wir mit dem
Reichszuschuß über 1 Million Mark zurückgehen, und zwar auch, indem
wir, während 1906 die Ersparnis um rund 400000 Mark größer war,
aus den Resten von 1905 900000 Mark einsetzen. Nach der früheren
Praxis hätte also der Zuschuß für 1908 um 1400000 Mark geringer bemessen
werden können, das sind volle 33 Prozent. Auch in Ostafrika ist der
Handel ein außerordentlich erfreulicher. Es zeigt sich, daß die Schätzungen,
die ich in dem vorigen Jahre, ohne das Land selbst gesehen zu haben,
vorgenommen habe, richtig sind, daß wir allerdings gerade in diesem Lande
die ungeheuren Schätze, welche es enthält, nur „angekratzt“ haben. Wir
können annehmen, daß in Ostafrika etwa 10 Millionen Menschen leben,
und daß das ungefähr zweieinhalb Millionen Hütten ausmacht. Wenn
diese alle zur Hüttensteuer herangezogen werden könnten, würde das eine
Hüttensteuer von 10 Mill. Mark ergeben. Heute haben wir 1800000 Mark
Hüttensteuer, also 18 Prozent des Soll. Daß die Summe nicht voll eingekommen
ist und für die nächste Zeit nicht einkommt, liegt an der
Schwierigkeit, den Eingeborenen die notwendige Geldwirtschaft zu ermöglichen,
ohne welche Steuern nicht bezahlt werden können. Auch plantagenmäßig
ist das Land nur ganz unbedeutend bisher besetzt — und zwar
wesentlich im äußersten Nordosten. Diese Plantagen besetzen zurzeit etwa
15000 Hektar Land. Sie sind zum Teil fertig, zum Teil halbfertig. Dies
Areal ist ein Sechstel vom Tausend der Grundfläche von Ostafrika, in