Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1892. (69)

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2.  Wenn  zwei  einen  Hafen  anlaufende  Schiffe  sich  gleichzeitig  der  Hafenlucke  nähern,
so  hat  dasjenige  Schiff,  welches  das  andere  an  der  rechten  Seite  hat,  diesem  letzteren
den  Vorrang  für  die  Einfahrt  zu  lassen.  Ein  Dampfschiff  geht  hierbei  aber  jedem  nicht
unter  Dampf  gehenden  Schiff  vor,  es  sei  denn,  daß  ein  mit  kräftigem  Wind  segelndes
Schiff  augenscheinlich  nicht  in  der  Lage  ist,  ohne  eigene  Gefahr  dem  Dampfschiff  das
Fahrwasser  frei  zu  lassen.

3.  Wenn  zwei  oder  mehrere  Dampfschiffe  zu  einer  und  derselben  Zeit  zur  Ausfahrt
aus  dem  Hafen  bereit  sind,  so  erhält  dasjenige  Dampfschiff  den  Vorrang,  welches  vermöge
  seiner  Aufstellung  am  schnellsten  und  ohne  Gefährdung  anderer  Schiffe  die  Ausfahrt
  zu  bewirken  vermag.

Das  nachfolgende  Schiff  darf  erst  dann  sich  in  Bewegung  setzen,  wenn  das  erstere
die  Hafenlucke  verlassen  hat.

Ist  das  vorhergehende  Schiff  rückwärts  aus  dem  Hafen  gefahren,  so  darf  bei  Nacht,
Sturm,  Nebel  und  Schneegestöber  das  folgende  Schiff  erst  dann  den  Hafen  verlassen,
wenn  ersteres  abgeschwenkt  und  seinen  vorgeschriebenen  Curs  eingeschlagen  hat.  Dasselbe
hat  das  in  der  Signalordnung  (Anlage  III)  hiefür  vorgeschriebene  Signal  zu  geben.

4.  Bei  Tage  und  in  ruhiger  Nacht  ist  es  gestattet,  die  Abfahrt  aus  dem  Hafen  zu
bewerkstelligen,  wenn  ein  ankommendes  Dampfschiff  noch  mindestens  500  m  von  der
Hafenlucke  entfernt  ist.

Die  Absicht  der  Ausfahrt  muß  jedoch  schon  früher,  und  zwar  durch  das  in  der
Signalordnung  (Anlage  III)  für  diesen  Fall  vorgeschriebene  Signal,  kundgegeben  werden,
und  die  Abfahrt  darf  erst  dann  bewerkstelligt  werden,  wenn  das  ankommende  Dampfschiff
  in  genügender  Entfernung  von  der  Hafenlucke  die  Maschine  abgestellt  und  dies
durch  Erwiderung  des  Signals  bekannt  gegeben  hat.

Bei  unsichtigem  Wetter  ist  das  gleiche  Verfahren  zu  beobachten,  sobald  das  einlaufende
Schiff  mit  der  Abgabe  des  Hafeneinfahrtssignales  I  begonnen  hat.

5.  Wenn  in  stürmischer  Nacht  ein  Dampfschiff  sich  bis  auf  1  Kilometer  dem  Hafen
genähert  hat,  ebenso,  wenn  bei  unsichtigem  Wetter  (Nebel,  Schneegestöber  u.  s.  w.)  das
Hafeneinfahrtssignal  II  eines  ankommenden  Schiffes  gehört  wird,  darf  kein  Schiff  mehr
den  Hafen  verlassen  oder  die  Hafenlucke  verstellen.

S.  14.
Der  Schiffsführer  ist  bei  Eintreten  eines  Unglücksfalles  verpflichtet,  hievon  schleunigst