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eine rege Bautätigkeit ein, zunächst allerdings fast ausschließlich von seiten des Gouvernements,
das seine Beamten unterbringen mußte.
Man hat in Deutschland oft gespottet über die „Verordnungswut“ in den Kolonien.
Das beruht auf Unkenntnis der Verhältnisse. In den Kolonien selbst hört man zwar
auch nicht selten derartige Stimmen. Aber noch viel unzufriedener pflegt man zu sein,
„wenn der Willkür der Beamten Tür und Tor geöffnet ist, weil es an gesetzlichen
Bestimmungen fehlt“. In einem Neulande müssen eben zahllose Verhältnisse geregelt
werden, die uns in Europa so zur zweiten Natur geworden sind, daß wir gar nicht mehr
an die zugrunde liegenden Bestimmungen denken. So mußte der erste Gouverneur
bald von seinem Verordnungsrechte Gebrauch machen. Zunächst mußte die Gerichtsbarkeit
über die Eingeborenen und die Polizeibefugnis der Bezirkshauptleute geregelt
werden. Dann wurde versucht, dem Schutzgebiet eigene Einnahmen zu verschaffen
durch eine mäßige Handels= und Schankgebühr und durch eine Verbrauchssteuer,
die als 1½ proz. Zuschlag zu den Zöllen erhoben wurde. Auch das Karawanenwesen
wurde geregelt, um die Eingeborenen gegen Räubereien der durchmarschierenden
Träger zu schützen; sodann wurde, in Ausführung der Brüsseler Generalakte, die
Einfuhr von Feuerwaffen und Munition zum Monopol des Gouvernements gemacht.
Die Sodensche Epoche war auch an kriegerischen Unternehmungen nicht arm.
Emin Pascha war noch unter dem Reichskommissariate nach langem Schwanken
in deutsche Dienste getreten und mit der Anlage von Stationen im nördlichen Seengebiete
beauftragt worden. Ihm beigegeben wurden die Leutnants Langheld und
Dr. Stuhlmann, die später hin zu unseren bedeutendsten Afrikanern gezählt wurden.
Emin hatte, als ihn sein Befreier Stanley nach Bagamojo gebracht hatte, offenbar
kein Interesse oder keine Lust an einem Besuche Europas, sondern kehrte, nachdem er
von dem Schädelbruche, den er bei einem Sturz aus dem Fenster nach seinem Empfangsbankett
erlitten hatte, genesen war, ins Innere zurück. Leutnant Langheld mit
einem Teil seines hundert Mann starken Begleitkommandos züchtigte zusammen mit
dem Stationschef von Mpapwa, Fihr. v. Bülow, unterwegs mehrere aufsässige
Häuptlinge. Entgegen dem Wunsche des Reichskommissars, der beabsichtigte, bei dem
mächtigen Häuptling Sikki von Unjanjembe und den einflußreichen Arabern in Tabora
eine stärkere Macht zu zeigen, als sie dem Pascha zur Verfügung stand, marschierte
dieser doch dorthin und hißte die deutsche Flagge. So sah sich der Leutnant Sigl,
der mit dem bei seinem Schwiegervater, dem Häuptliug Mtinginja von Ussongo,
altangesessenen Elfenbeinhändler Stokes heraufkam, um bei diesem eine Station
anzulegen, einer vollendeten Tatsache gegenüber und übernahm die Station Tabora.
Unter sehr schwierigen Verhältnissen mußte er hin und her lavieren; es gelang ihm
aber, mit großem Geschick sich durchzuhalten. Auch in Unjamwesi mußte Langheld,
ehe er dem zum Victoria-Njansa voraufmarschierten Pascha folgen konnte, zusammen
mit Sigl einige Häuptlinge züchtigen. Dann übernahm er die von Emin am See
angelegten Stationen Bukoba und Muansa. Stuhlmann hatte hier ein Lager arabischer
Sklavenhändler genommen, wobei ihm viel Elfenbein in die Hände gefallen und
zahlreiche Sklaven befreit worden waren. Emin marschierte dann mit Stuhlmann
über die deutschen Grenzen hinaus nach Nordwesten. Er wollte Gravenreuth, der von
Kamerun aus dem Tsadsee zustrebte, die Hand reichen. Aber Träger= und Nahrungsmangel,
sowie eine Pockenepidemie nötigten ihn zur Umkehr. Der vorausgesandte
Stuhlmann erreichte die Küste; Emin selbst konnte oder wollte nicht folgen; da er nur
Träger erhielt, die bereit waren, nach dem Kongostaat zu gehen, wandte er sich dorthin,
wo er bekanntlich ermordet wurde (Oktober 1892).
Unterdes waren die Wahähä immer mehr eine Plage der treu zu uns haltenden
Wassagara geworden. Friedensschlüsse hielten sie nicht, sondern überfielen beständig
ihre Nachbarn, um Menschen und Vieh zu rauben. Zu ihrer Züchtigung brach im Juni
1891 der Kommandant v. Zelewski mit drei Kompanien und drei Geschützen auf;
aber am 16. August wurde die lang auseindergezogene Marschkolonne bei Lula- 5