Metadata : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

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ihnen  nützte.  Auch  die  Ueberzahl  ist  nicht  entscheidend;  im  gegenwärtigen
  Stadium  des  Krieges  noch  weniger  als  bisher.  Die  Russen  werden
uns  nicht  niederwalzen,  im  Gegenteil,  die  Russen  sind  mürbe.  Alle
Anzeichen  deuten  darauf  hin,  daß  sie  bald  fertig  sind.  An  Waffen  und
Munition  beginnt  es  ihnen  zu  fehlen.  Auch  hungern  sie.  Selbst  Offiziere
ermangeln  der  Nahrung.  Auch  das  Land  leidet  not.  Lodz  hungert.
Das  ist  bedauerlich,  doch  es  ist  gut  so.

Mit  Sentimentalität  kann  man  keinen  Krieg  führen.  Je  unbarmherziger
  die  Kriegführung  ist,  um  so  barmherziger  ist  sie  in  Wirklichkeit,
denn  um  so  eher  bringt  sie  den  Krieg  zu  Ende.  Man  merkt  es  auch  an  der
Art,  wie  die  russischen  Truppen  sich  schlagen,  daß  sie  bald  nicht  mehr
weiter  können.  Der  Krieg  mit  Rußland  ist  gegenwärtig

                               vor  allem  eine  Nervenfrage.

Wenn  Deutschland  und  Oesterreich-Ungarn  die  stärkeren  Nerven  haben
und  durchhalten  werden  —  und  sie  werden  durchhalten  —  dann  werden
wir  siegen.

Wie  Hindenburg  und  seine  Offiziere  erklärten,  war  der  Hauptzweck
  des  Vorstoßes  nach  Warschau  und  Iwangorod,  die  Eisenbahn  nach
Warschau  zu  zerstören.  „Das  haben  wir  auch  gehörig  besorgt.  Wenn
uns  bei  dieser  Gelegenheit  Warschau  und  Iwangorod  in  die  Hände  cgefallen
  wären,  hätten  wir  nicht  nein  gesagt.  Aber  darauf  gerechnet  haben
wir  nicht.  Hingegen  mit  der  Eisenbahn  haben  wir  erreicht,  was  wir
wollten.  Die  ist  gründlich  kaput.  Die  Russen  verstehen  sich  vortrefflich
darauf,  eine  zerstörte  Eisenbahn  wiederherzustellen,  allein  es  hat  doch
wochenlang  aufgehalten,  und  das  war  unser  Plan.“

                                                             (Tägliche  Rundschau,  20.  November.)

                 Generalquartiermeister  v.  Voigts-Rhetz  +.

Großes  Hauptquartier,  19.  November.  Generalquartier--meister,
  Generalmajor  v.  Voigts-Rhetz,  ist  in  der  Nacht  vom  18.  zum
19.  November  unerwartet  einem  Herzschlage  erlegen.  Sein  Nachfolger
ist  noch  nicht  bestimmt.  (W.T.B.)

                      Die  Russen  auf  Batum  zurückgetrieben.

Konstantinopel,  19.  November.  Amtlicher  Bericht  des  Hauptquartiers.
  Seit  zwei  Tagen  greift  unser  Heer  mit  Macht  das  russische
Heer  an,  das  seine  Stellung  in  der  Linie  Azab—Zazak—Khahab  in  der
Umgebung  der  Grenze  eingenommen  hat.  Mit  der  Hilfe  Gottes  hat  unser
Heer  durch  einen  Bajonettangriff  die  Höhen  in  der  Umgebung  von  Azab
erobert,  die  der  Feind  außerordentlich  stark  befestigt  hatte.  Der  Kampf,
der  heftig  ist,  nimmt  für  uns  einen  sehr  günstigen  Verlauf.  Unsere  in
der  Richtung  auf  Batum  vorrückenden  Truppen  haben  dem  Feinde  eine
weitere  große  Niederlage  beigebracht  und  die  Stellungen  von  Zavotlar
und  Kourz  besetzt;  sie  haben  bei  Zavotlar  von  den  Russen  eine  Fahne  erbeutet
  und  sechs  Offiziere,  darunter  einen  Oberstleutnant  und  einen
Hauptmann  von  den  Kosaken,  sowie  mehrere  hundert  Soldaten  zu  Gefangenen
  gemacht;  sie  eroberten  vier  Kanonen  und  ein  Automobil,  eine
Menge  Pferde  und  viel  Lebensmittel.  Die  russischen  Verluste  sind  groß.
Der  Rest  rettete  sich  in  ordnungsloser  Flucht  in  der  Richtung  auf  Batum.