1 Geschichte. 127
letzten oder die Familie des Getöteten mit
Geld entschädigen. Nur dann ist er nicht haftpflichtig,
wenn der Unfall durch eigenes Verschulden
des Geschädigten oder durch höhere Gewalt,
z. B. Blitzschlag, verursacht worden ist.
4) Krankenversicherungsgesetz
(1883): Erkrankten Arbeitern und Krbeiterinnen
wird freie ärztliche Behandlung und freie
Medizin, sowie vom dritten Tage der Erkrankung
an bis zur Dauer von 13 Wochen die
Hälfte des durchschnittlichen Tagelohnes als
Krankengeld gewährt. Stirbt der Kranke, so
erhalten die Hinterbliebenen Sterbegeld. Iu »
denKrankenkassenhabendieArbeiterIs;(in ,
derRege120».-«»deSTagelohnes),dieArbeitgeber
1, der Beiträge zu zahlen. 55%%2
5) Unfallversicherungsgesetz —4—
(1884): Erleidet ein Arbeiter einen Betriebsunfall,
so haben während der ersten 13 Wochen
die Krankenkassen für ihn einzutreten. Don der 14. Woche an erhält er außer den Kosten des
Heilverfahrens eine Rente, bis er wieder erwerbsfähig ist. Bleibt der Verletzte vollständig erwerbsunfähig,
so beträgt die Rente / seines Arbeitsverdienstes; stirbt er, so empfängt seine
Familie neben dem Sterbegelde eine dauernde Rente. — Die Beiträge werden von den Krbeitgebern
gezahlt.
In Dreußen sind seit 1883 alle Einwohner, die weniger als 900 mk. Einkommen jährlich
haben, von der Staatssteuer befreit; 1880 wurde das Schulgeld an den öffentlichen VDolksschulen
aufgehoben. (Dgl. auch S. 1341)
Um die Erinnerung an die Ruhmestaten der Däter auch in den kommenden Geschlechtern
wach zu erhalten, errichtete man das Uationaldenkmal auf dem MNiederwalde
bei Rüdesheim, das im Beisein des greisen Kaisers feierlich enthüllt wurde.
9. Naiser Wilhelms Lebensabend. Uaiser Wilhelm blieb trotz der großen
Erfolge, an denen sein langes Leben so reich war, anspruchslos und bescheiden. Ein
eisernes Feldbett war seine Lagerstatt, und seine Simmer in Babelsberg bei Potsdam,
wo er gern im Sommer weilte, zeigten eine schlichte Susstattung. In Berlin bewohnte
er ein einfaches Gebäude am Opernplatze, das er schon als PDrinz bezogen hatte. In
dem zu ebener Erde gelegenen geräumigen Eckzimmer erledigte er bis in sein hohes
AKlter hinein die Regierungsgeschäfte. Mittags um 1 Uhr, wenn die Schloßwache mit
klingendem Spiele vorüberzog, pflegte er sich von seinem Schreibtische zu erheben und
an das Eckfenster zu treten. Da diese Gewohnheit bekannt war, sammelten sich täglich
zur Mittagszeit hunderte von Menschen dem „historischen Eckfenster“ gegenüber, um
den greisen helden zu sehen. Mit freundlichem Gruße erwiderte der alte Kaiser die
Buldigungen der Menge, ehe er in das Simmer zurücktrat. — Im Jahre 1870 feierte
Kaiser Wilhelm unter herzlicher Teilnahme seines Dolkes mit seiner treuen Lebensgefährtin,
der Kaiserin Kugusta, das Fest der goldenen hochzeit; 1882 wurde sein erster Urenkel, der
jetzige Kronprinz, geboren. Mit den fröhlichen Worten: „Hurra, vier Kaiser“ empfing er
die freudige Machricht. — Die große Derehrung, die Kaiser Wilhelm in der ganzen Welt
genoß, zeigte sich besonders, als er seinen 90. Geburtstag feierte. Fast 100 Fürsten aus
Deutschland und vielen andern Staaten kamen in Berlin zusammen, um ihn, den ältesten