Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zweiter Band. (2)

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Späterysipel  am  12.  Tage  nach  der  Impfung,  sodann  über  ein  am  11.  Tage  mit  geringer
  Temperatursteigerung  auftretendes,  masernartiges  Exanthem,  welches  am  folgenden
  Tage  verschwunden  war.  (Vermuthlich  hat  es  sich  um  das  gewöhnliche  Impfexanthem
  gehandelt.)  Derselbe  Impfarzt  glaubte  eine  zu  starke  Wirkung  der  Lymphe
feststellen  zu  müssen,  da  viele  der  Pusteln  von  einem  breiten,  oft  dunkelrothen  Hofe
umgeben  waren.  Das  erwähnte  Späterysipel  war  die  einzige  gemeldete  nachtheilige
Erscheinung  bei  mehr  als  10  000  mit  derselben  Lymphe  ausgeführten  Impfungen.

In  Köln  sind  außer  der  hin  und  wieder  angezeigten  stärkeren  Entzündung  in
der  Umgebung  der  Impfpusteln  Impfkrankheiten  bei  Erst=  und  Wiederimpflingen  nicht
bekannt  geworden.

Von  10  899  Geimpften  des  VIII.  Armeekorps  erkrankten  3  an  Impfrose,  während
die  betreffenden  Berichte  über  die  Impfung  von  14  181  Militärpersonen  des  VII.
und  XVII.  Armeekorps  keinerlei  Impfkrankheiten  erwähnen.

Außer  folgenden  aus  Kassel  berichteten  Vorkommnissen  sind  außergewöhnliche
oder  krankhafte  Folgezustände  nach  der  Menschenimpfung  mit  Thierlymphe  der
dortigen  Anstalt  nicht  angezeigt  worden.  In  manchen  Fällen  entstand  bei  Militärpersonen
  des  VII.  Armeekorps  2  bis  3  Wochen  nach  der  Impfung  ein  urtikariaähnlicher
Ausschlag  mit  starkem  Juckreiz,  aber  ohne  Fieber  und  sonstige  nachtheilige  Erscheinungen;
der  Ausschlag  verschwand  bald  ohne  ärztliches  Eingreifen,  nur  bei  2  Soldaten  entwickelte
  sich  Hautödem.  Varicellenartiger  Ausschlag  wurde  nicht  selten  nach  Abheilung
der  Pusteln  beobachtet.  Verschiedene  Fälle  von  Pfendoerysipelas  konnten  als  starke
Neaktionserscheinung  angesehen  werden,  da  die  Impfung  im  Uebrigen  regelmäßig  verlief.

Im  Berichte  aus  München  sind  Mittheilungen  über  Impfkrankheiten  nicht  gemacht,
  vermuthlich  weil  die  Impfergebnisse  der  Amtsärzte  zur  Zeit  der  Berichterstattung
den  Oberbehörden  noch  nicht  bekannt  waren.

Nach  Dresden  berichtete  ein  Impfarzt,  daß  unter  seinen  114  Erst=  und
776  Wiederimpflingen  ziemlich  viele  erysipelatöse  Entzündungen,  und  ein  Militärarzt,
daß  unter  602  Geimpften  15  Fälle  von  leichter  Lymphgefäßentzündung  und  5  Mal
Lymphdrüsenschwellung  vorgekommen  seien.  Wie  der  Vorstand  beobachtet  hat,  entstehen
die  meisten  Pocken  ohne  beträchtliche  Randentzündung  bei  Verwendung  eines  nicht
mehr  ganz  jungen,  also  etwa  mindestens  4  Wochen  alten  Impfstoffes,  es  empfehle  sich
mithin,  nur  älteren,  wiederholt  geprüften  Ampfstoff  zu  verwenden.

In  Leipzig  wurden  flüchtige,  postvaccinale  Exantheme  in  mäßiger  Anzahl  und
einzelne  Fälle  von  stärkerer  Neaktion  in  der  Umgebung  der  Impfstelle,  vorzüglich  bei
Wiedergeimpften,  beobachtet  bezw.  gemeldet,  ferner  wurden  5  Fälle  von  impetigoähnlichen
  Ausschlägen  angezeigt.  Der  Vorstand  beobachtete  einen  vereinzelten  hartnäckigen
  Impetigofall,  der  bei  geeigneter  Behandlung  rasch  abheilte,  ohne  als  kontagiös
erkannt  zu  werden.

Die  in  Frankenberg  bekannt  gewordenen  Krankheiten  sind  folgende:  Einige
Male  das  masernartige  Exanthem  in  der  ersten  Woche,  einmal  wässerige  Ausscheidungen
  und  Varicellenbildung  über  den  ganzen  Körper,  mehrmals  Rothlauf,  mehrmals
stärkere  Schwellung  der  Achseldrüsen,  einmal  Vereiterung  derselben.  Ein  Wiederimpfling
  bekam,  wahrscheinlich  in  Folge  direkter  Uebertragung  durch  die  Finger,  im
Gesicht  3  kleine  Pusteln.  Von  3  im  Verlauf  der  Vaccination  an  einer  Affektion  der
Luftwege  erkrankten  Impflingen  eines  Impfarztes  starb  einer  an  Pleuritis.  Die  betreffende,
  an  viele  Aerzte  versandte  Lymphe  hat  sonst  nirgends  Ursache  zur  Anzeige  von
Impfkrankheiten  gegeben.

Nur  wenige  der  von  Bautzen  aus  mit  Thierlymphe  versehenen  Aerzte  haben
über  stärkere  Reaktion,  besonders  bei  Wiederimpflingen,  berichtet.

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