Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1881. (15)

—  190  —

IV.  Allgemeine  Bestimmungen.

§.  21.

Der  Bundesrath  erläßt  die  Anordnungen  wegen  der  Anfertigung  und  des
Vertriebs  der  nach  Maßgabe  dieses  Gesetzes  zu  verwendenden  Stempelmarken  und
gestempelten  Formulare,  sowie  die  Vorschriften  über  die  Art  der  Verwendung  der
Marken.  Er  stellt  die  Bedingungen  fest,  unter  welchen  für  verdorbene  Marken
und  Formulare,  sowie  für  Stempel  auf  verdorbene  Werthpapiere  Erstattung

zulässig  ist.
§.  22.

Stempelmarken,  welche  nicht  in  der  vorgeschriebenen  Weise  verwendet  worden
sind,  werden  als  nicht  verwendet  angesehen.

§.  23.

Zuwiderhandlungen  gegen  die  Vorschriften  dieses  Gesetzes  oder  gegen  die  zu
dessen  Ausführung  erlassenen  Vorschriften,  welche  in  demselben  mit  keiner  besonderen
  Strafe  belegt  sind,  ziehen  eine  Ordnungsstrafe  von  drei  bis  dreißig  Mark
nach  sich.

Dieselbe  Strafe  tritt  ein,  wenn  nachgewiesen  wird,  daß  eine  Steuerhinterziehung
  nicht  habe  verübt  werden  können  oder  nicht  beabsichtigt  worden  sei.

$.  24.

Hinsichtlich  des  administrativen  Strafverfahrens  wegen  der  Zuwiderhandlungen
  gegen  dieses  Gesetz,  der  Strafmilderung  und  des  Erlasses  der  Strafe  im
Gnadenwege,  der  Vollstreckung  der  Strafe  sowie  der  Verjährung  der  Strafverfolgung
  finden  die  Vorschriften  in  den  §§.  17  Satz  1,  18  und  19  des  Gesetzes
vom  10.  Juni  1869,  betreffend  die  Wechselstempelsteuer,  sinngemäße  Anwendung.
Die  auf  Grund  des  gegenwärtigen  Gesetzes  erkannten  Geldstrafen  fallen  dem  Fiskus
desjenigen  Staates  zu,  von  dessen  Behörden  die  Strafentscheidung  erlassen  ist.

§.  25.

Die  Verwandlung  einer  Geldstrafe,  zu  deren  Zahlung  der  Verpflichtete
unvermögend  ist,  in  eine  Freiheitsstrafe  findet  nicht  statt.  Auch  darf  zur  Beitreibung
  von  Geldstrafen  ohne  Zustimmung  des  Verurtheilten,  wenn  dieser  ein
Deutscher  ist,  kein  Grundstück  subhastirt  werden.

§.  26.

Unter  den  in  diesem  Gesetze  erwähnten  Behörden  und  Beamten  sind,  soweit
das  Gesetz  nichts  anderes  bestimmt,  die  betreffenden  Landesbehörden  und  Landesbeamten
  verstanden.