Full text : Bismarck´s Glaube.

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glaube  also,  auch  ihnen  und  selbst  denen,  die  einer  anderen
Konfession  angehören,  ist  doch  das  Gebot  der  Nächstenliebe,
das  Gebot  der  Wohltätigkeit  auch  in  ihrer  Konfession  ein
vorherrschendes.  Ich  sehe  daher  nicht  ein,  mit  welchem
Recht  wir  für  unsere  gesamten  Privathandlungen  die  Gebote
  des  Christentums,  lebendig  oder  fossil,  anerkennen  und
sie  gerade  bei  den  wichtigsten  handlungen,  bei  der  wichtigsten
  Betätigung  unserer  Pflichten,  bei  der  Teilnahme  an
der  Gesetzgebung  eines  Landes  von  45  Millionen  in  den
Hintergrund  schieben  wollen  und  sagen:  Hier  haben  wir
uns  daran  nicht  zu  kehren.  Ich  meinerseits  bekenne  mich
offen  dazu,  daß  dieser  mein  Glaube  an  die  Kusflüsse  unserer
geoffenbarten  Religion  in  Gestalt  der  Sittenlehre  vorzugsweise
  bestimmend  für  mich  ist  und  jedenfalls  auch  für  die
Stellung  des  Raisers  zu  der  Sache,  und  daß  damit  die  Srage
von  dem  christlichen  oder  nicht  christlichen  Staate  gar  nichts
zu  tun  hat.  Ich,  der  Minister  dieses  Staates,  bin  Christ
und  entschlossen,  als  solcher  zu  handeln,  wie  ich  glaube,  es
vor  Gott  rechtfertigen  zu  können.“

Den  Umfang  und  praktischen  zielpunkt  dieser  christlichen
  Sozialpolitik  fixiert  am  besten  die  Reichstagsrede
vom  9.  Mai  1884  46):  „Geben  Sie  dem  arbeiter  das  Recht
auf  rbeit,  solange  er  gesund  ist,  geben  Sie  ihm  GArbeit,
solange  er  gesund  ist,  sichern  Sie  ihm  pflege,  wenn  er  krank
ist,  sichern  Sie  ihm  Versorgung,  wenn  er  alt  ist  —  wenn  Sie
das  tun  und  die  Opfer  nicht  scheuen,  und  nicht  über  Staatssozialismus
  schreien,  sobald  jemand  das  Wort  „AHltersversorgung“
  ausspricht,  wenn  der  Staat  etwas  mehr  christliche
  Fürsorge  für  die  Krbeiter  zeigt,  dann  glaube  ich,  daß